Rund um das Bremer Weserstadion herrscht derzeit eine große Euphorie. Die Fans durften sich in den vergangenen Wochen über feinste Fußball-Kost freuen. Heute kommt nun der große FC Bayern München in die Stadt.

Bremen will mit Sieg über Bayern ganz nach oben

tw
06. Dezember 2003, 17:14 Uhr

Rund um das Bremer Weserstadion herrscht derzeit eine große Euphorie. Die Fans durften sich in den vergangenen Wochen über feinste Fußball-Kost freuen. Heute kommt nun der große FC Bayern München in die Stadt.

Beim SV Werder Bremen läuft derzeit alles nach Plan. In der Liga spielt die Mannschaft wohl derzeit den attraktivsten Fußball und auch im Pokal kann sich das Team noch berechtigte Hoffnungen machen. Im Top-Spiel des 15. Spieltages kommt es zum Duell zwischen den aufstrebenden Bremern und dem FC Bayern München. Dabei sind die Rollen vor dem ewigen Duell neu verteilt: Der einstige "Bayern-Jäger" Werder Bremen ist beim Nord-Süd-Gipfel heute (15.30 Uhr/live bei Premiere) erstmals seit acht Jahren wieder der Gejagte und fühlt sich wohl in der Position des Meisterschafts-Aspiranten.

Mit gewachsenem Selbstbewusstsein erwarten die Hanseaten das Gipfeltreffen unter veränderten Vorzeichen. "Meine Mannschaft hat Vertrauen in ihr Können und strahlt viel Sicherheit aus, die Bayern haben dagegen sehr unterschiedliche Leistungen gezeigt", meinte Schaaf und schielt bereits auf die Tabellenführung, die noch der VfB Stuttgart innehat: "Tabellen-Zweiter ist nicht schlecht, aber es ist noch eine Verbesserung möglich. Dafür können wir am Samstag selbst sehr viel tun."

Hohe Erwartungshaltung

Die hohe Erwartungshaltung vor der Begegnung mit den Münchner Bayern kommt nicht von ungefähr: Seit sechs Spielen haben die Bremer gegen den Dauerrivalen der 80er und frühen 90er Jahre nicht mehr verloren, in der vergangenen Saison schaffte Werder als einzige Mannschaft zwei Siege gegen den am Ende souveränen Meister. Dennoch warnt Kapitän Frank Baumann vor Übermut: "Wir gehen zwar optimistisch in das Spiel, aber keinesfalls überheblich. Klar ist doch, dass man die Bayern nie abschreiben darf."

Doch genau darauf hofft Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld: "In Bremen herrscht eine riesige Euphorie. Die fragen sich doch nur noch, wie hoch sie gegen uns gewinnen." Ein "Rollentausch", der den Bayern durchaus nicht ungelegen kommt, weshalb Manager Uli Hoeneß schon einmal Vorschusslorbeeren an die Weser schickt: "Für mich ist Werder die derzeit beste deutsche Mannschaft." Und auch Hitzfeld geizt nicht mit Komplimenten an die Bremer: "Sie sind ein sehr gut eingespieltes Team - das zeigt schon, dass sie zuletzt zehnmal mit fast der gleichen Mannschaft begonnen haben."

München mit Personalsorgen

Während Werder voraussichtlich erneut unverändert gegenüber dem 6:1-Pokaltriumph über Hertha BSC Berlin auflaufen wird, plagen den Bundesliga-Vierten aus der bayerischen Landeshauptstadt weiter Personalsorgen. So wird Nationalspieler Michael Ballack zwar mit nach Bremen reisen, in Folge seiner Fersenprellung wahrscheinlich aber nicht zum Einsatz kommen. Hitzfeld sieht nur geringe Chancen auf eine Rückkehr des Mittelfeldspielers: "Wir hoffen auf ein kleines Wunder." Daneben bangt der Coach um die angeschlagenen Bixente Lizarazu, Willy Sagnol, Sammy Kuffour und Jens Jeremies. Sicher ist nur die Rückkehr des von einer Grippe genesenen Argentiniers Martin Demichelis.

Bei Spitzenreiter VfB Stuttgart kehrt indes Stammtorhüter Timo Hildebrand nach seinem Fehlen beim Pokal-Aus in Mönchengladbach (2:4) zwischen die Pfosten zurück. Nach der ersten Pflichtspiel-Niederlage seit dem 16. September, als man am ersten Champions League-Spieltag den Glasgow Rangers mit 1:2 unterlag, fordert Trainer Felix Magath volle Konzentration auf die Partie gegen den Hamburger SV: "Es ist eine Frage der Einstellung und ob ich bereit bin, die notwendigen Kräfte zu mobilisieren", so der 50-Jährige: "Es kann nicht sein, dass der Tabellenführer kurz vor Ende der Hinrunde schlapp macht.

Stuttgart mit Respekt vor dem HSV

Mit Vorfreude und nicht ohne Respekt sieht Magath dem Duell mit seinem Ex-Klub entgegen: "Natürlich habe ich Respekt vor dem HSV. Hamburg hat eine gute Mannschaft, und mit dem Trainerwechsel ist vieles besser geworden." Die Pokalniederlage bei den Bayern hat den neuen Coach Klaus Toppmöller allerdings auf die Palme gebracht. "Stinksauer" sei er über die unnötige 0:3-Schlappe in München, so der 52-Jährige, der die Möglichkeiten seiner Mannschaft für klar begrenzt hält: "Wer glaubt, wir könnten bei den ersten fünf der Liga mithalten ist ein Fantast."

Berlins Andreas Thom vor ersten Auftritt als Chefcoach

Dies zu erreichen, wäre für Borussia Dortmund freilich nicht ausreichend. BVB-Präsident Gerd Niebaum fordert deshalb unbedingt den Anschluss zur Tabellenspitze: "Wir haben schon deutlichen Rückstand zu den ersten vier Mannschaften. Der darf sich bis Weihnachten auf keinen Fall vergrößern. Im Gegenteil, er muss sich verringern." Dafür muss jedoch ein Sieg gegen die Berliner Hertha her. Deren Trainerwechsel von Huub Stevens zu Andreas Thom macht die Sache nach Ansicht von Borussia-Coach Matthias Sammer nicht einfacher: "Für die Spieler fällt schließlich jetzt ein Alibi weg."

Die Konkurrenz um die Plätze im internationalen Geschäft sitzt den Dortmundern zudem im Nacken. Allen voran Lokal-Rivale VfL Bochum, der nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge im Gastspiel beim SC Freiburg wieder punkten will. Die Vier-Punkte-Lücke zum oberen Tabellendrittel schließen wollen derweil der VfL Wolfsburg und 1860 München, auf die in ihren Heimspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern und Hansa Rostock jeweils vermeintlich lösbare Aufgaben warten.

Autor: tw

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