Witten: Guter Draht zu Drathen - neuer Spielertrainer beim TuS Stockum

Paul Lämmer beklagt schlechten Stil

Felix Guth
20. November 2006, 22:28 Uhr

Eine der erfolgreichsten Fußball-Ehen im Wittener Fußball ist endgültig Vergangenheit. Nachdem Paul Lämmer beim TuS Stockum bereits am Donnerstag vergangener Woche sein Amt zur Verfügung gestellt hatte, ging alles ganz schnell. Bereits beim 4:1-Erfolg gegen FC Hellas/Makedonikos Hagen trug Thomas Drathen als Spielertrainer die Verantwortung. Die Beförderung des Defensivstrategen ist ein logischer Schritt. Lämmers Ablösung verlief jedoch nicht ganz ohne Misstöne.

„Überrascht“ habe der scheidende Coach den Vereinsvorstand mit dem Zeitpunkt seiner Entscheidung, meinte der erste Vorsitzende Klaus Göhner. „Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, hier und da hat es Anzeichen gegeben. Aber es gab dem Vorstand gegenüber keine Signale“, so Göhner.

Bei der Suche nach einem Nachfolger verlor der TuS keine Zeit. „Thomas Drathen war unser erster Ansprechpartner“, sagt Göhner. Zwar hatten sich nach der Veröffentlichung von Lämmers Entschluss in der WAZ verschiedene Trainer in Stockum gemeldet. Aber die Klubspitze schenkt dem erst vor der Saison vom Ortsrivalen Türkischer SV zum TuS gewechselten Drathen das Vertrauen. „Ich mache es zunächst bis zur Winterpause“, so der 32-Jährige. „Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, es auch länger zu machen.“ Drathen war bereits beim Türkischen SV im letzten Jahr Spielertrainer. Dort scheiterte er aber noch vor Saisonende an den hohen Erwartungen und Differenzen mit dem Vorstand.

Eine große Revolution wird es mit dem neuen Coach nicht geben, zumal Stockum erst vor der Saison einen personellen Umbruch verkraften musste. Als erste Amtshandlung beförderte Drathen die Reservespieler Matthias Ludwig und Christoph Altgeld. Letzterem gelang beim Sieg gegen Hagen direkt ein Tor. „Im Winter werden wir uns nach Verstärkungen umsehen. Wir brauchen vor allem jemanden, der im Mittelfeld das Spiel beruhigen kann“, sagt Drathen.

Lämmer wünscht seinem Ex-Spieler - den er selbst vor der Saison zum TuS geholt hatte - „alles Gute und viel Glück.“ Es sei ein naheliegender Schritt gewesen, ihm das Amt zu übertragen. Auf die Klubspitze ist Lämmer allerdings gar nicht gut zu sprechen. „Man sollte sich mal Gedanken über den Stil machen“, sagt er. „Nach viereinhalb Jahren, in denen ich einiges für den Verein getan habe, hatte ich etwas anderes erwartet.“

Lämmer hatte den TuS im grauen A-Kreisliga-Mittelfeld übernommen und ihn 2005 in die Bezirksliga geführt. Er sei „ausgebrannt“ gab er nun als Begründung für seinen Schritt an. Nach seiner Schilderung sei Klaus Göhner am Freitagabend über den halben Trainingsplatz auf ihn zu gekommen und habe ihm die lapidaren Worte „Ab sofort bist du nicht mehr Trainer“ entgegen geschleudert. „Dafür hat sich die Mannschaft bei mir entschuldigt, obwohl sie daran gar nicht beteiligt war.“

Die Mannschaft ist schließlich die große Unbekannte im Stockumer Personalkarussell. Denn schließlich sind einige höherklassige Spieler auch wegen Paul Lämmer an die Wittener Pferdebachstraße gewechselt. Und schon jetzt kursieren Gerüchte, dass der ein oder andere in der neuen Konstellation im Winter das Weite sucht. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Klaus Göhner.

Es wird auch von Thomas Drathens Überzeugungskraft abhängen, dies zu verhindern.

Autor: Felix Guth

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