Als Mike Hanke am Freitagabend nach dem 1:0 Sieg der deutschen „U 21“ im Hinspiel des Achtelfinal-Play-Offs gegen die Türkei als letzter Spieler alleine und humpelnd die Kabine der „BayArena“ in Richtung Mannschaftsbus verließ, hatte er etwas im Gepäck, was eigentlich 50 Meter weiter in der Tasche von Kumpel Hamit Altintop liegen sollte.

SCHALKE: Altintop: „1:0 reicht Deutschen nicht“

hb
17. November 2003, 16:40 Uhr

Als Mike Hanke am Freitagabend nach dem 1:0 Sieg der deutschen „U 21“ im Hinspiel des Achtelfinal-Play-Offs gegen die Türkei als letzter Spieler alleine und humpelnd die Kabine der „BayArena“ in Richtung Mannschaftsbus verließ, hatte er etwas im Gepäck, was eigentlich 50 Meter weiter in der Tasche von Kumpel Hamit Altintop liegen sollte.

Als Mike Hanke am Freitagabend nach dem 1:0 Sieg der deutschen „U 21“ im Hinspiel des Achtelfinal-Play-Offs gegen die Türkei als letzter Spieler alleine und humpelnd die Kabine der „BayArena“ in Richtung Mannschaftsbus verließ, hatte er etwas im Gepäck, was eigentlich 50 Meter weiter in der Tasche von Kumpel Hamit Altintop liegen sollte. „Ich habe hier noch mein Trikot. Das wolle ich eigentlich Hamit sofort nach dem Spiel geben, aber wir haben das glatt vergessen“ grinste der Blondschopf, der an seinen von türkischen Medienvertretern fast erdrückten Schalker Mannschaftskollegen gar nicht mehr heran kam.
Zuvor hatte sich der 20-Jährige gegen harte türkische Abwehrspieler („die waren brutal“) mit großem kämpferischen Einsatz 85 Minuten lang im Sturmzentrum der Deutschen aufgerieben. Bis auf einen schönen Schuss in der 25. Minute und einem Kopfball zwölf Zeigerumdrehungen später kam er jedoch kaum zum Abschluss. Und Hanke hatte nach der Partie andere Sorgen: „Ich habe einen Schlag auf die linke Wade bekommen und mir in der ersten Halbzeit eine Kapselverletzung zugezogen“. Der „türkische Pferdekuss“ wurde sofort mit Eis behandelt, „aber ob es für das Rückspiel am Dienstag in Istanbul langt, muss ich abwarten“.
„Da werden die Deutschen keine Chance haben“, warnte derweil S04-Kollege Hamit Altintop. Der türkische Shootingstar verschwendete trotz der Niederlage keinen Gedanken an ein Ausscheiden der Elf vom Bosporus: „Ich habe Mike direkt nach dem Spiel gesagt: Das 1:0 wird euch nicht reichen. Im Rückspiel machen wir alles klar“. Vor allem in der ersten Halbzeit wurde der Spielgestalter den hohen Erwartungen, die seine 15.000 Landsleute in der „BayArena“ an ihn stellten, gerecht. DFB-Teamchef Rudi Völler, der sich die Partie wie „Halbtürke“ Christoph Daum nicht entgehen ließ, nickte anerkennend: „Da hat man gesehen, was für ein riesiges spielerisches Potenzial Hamit hat. Er war der beste Mann der Türken.“
Altintop wirkte allerdings nach dem Abpfiff zunächst völlig niedergeschlagen und schüttelte den Kopf: „Wir haben uns selber unter Druck gesetzt, wollten das Ding vor unseren vielen Anhängern schon in Leverkusen entscheiden und sind den Deutschen ins offene Messer gelaufen. Genau davor hat uns der Trainer gewarnt.“
Angesprochen auf die äußerst ansprechende Leistung der deutschen Elf (Halil Altintop: „Wir hätten gar nicht gedacht, dass die Deutschen so mit der Kugel umgehen können“) gegen die sich zuvor selbst favorisierenden Türken, resümierte der Gelsenkirchener: „Ich sehe das nach wie vor etwas anders. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen. Hätte ich mit meinem Schuss in der 21. Minute den Ausgleich geschafft, wäre das Spiel anders gelaufen. Wir bleiben weiter Favorit.“ Hankes Konter: „Wie so ein Auswärtsspiel gegen die Türkei abläuft, wissen wir ja jetzt. Wir werden kühlen Kopf bewahren, da unten ein Tor machen und dann sind wir durch.“ Seine Prognose: „Der Hamit kriegt am Dienstag mein Trikot, mehr aber auch nicht“. Altintop, für den die Begegnung gegen Deutschland „keine Partie wie jede andere“ war, sortierte seine Gefühle: „Es war schön im türkischen Trikot in dem Land zu spielen, in dem ich geboren bin und lebe.“

Autor: hb

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