Am Mittwoch müssen die BVB-Profis gegen Werder im Pokal-Achtelfinale ran.

BVB: Die Mannschaft im Test

Boateng drängt ins Team

Matthias Dersch
26. Januar 2009, 18:57 Uhr

Am Mittwoch müssen die BVB-Profis gegen Werder im Pokal-Achtelfinale ran.

RevierSport nimmt im ausführlichen Test die Form der Schwarz-gelben unter die Lupe.

Vorbereitung
Wie in den letzten drei Jahren reiste der BVB auch diesmal zur Rückrunden-Einstimmung ins spanische Marbella. Doch das dortige Schmuddelwetter passte ins Bild einer nicht optimal verlaufenen Vorbereitung. Zahlreiche, teils schwere Verletzungen zwangen Jürgen Klopp dazu, seine Erfolgsmannschaft aus der Hinserie auf mehreren Positionen umstellen zu müssen. Da der Fitness-Stand seiner Kicker nach dem kurzen Winter-Urlaub laut seinen Worten „sensationell gut“ war, konnte der frühere Mainzer jedoch die meisten Trainingseinheiten darauf verwenden, unterschiedliche Spielformen einzuüben und (neue) Spieler zu integrieren.

Die Testspiele
BVB - SC Freiburg 1:2
BVB - VfL Osnabrück 3:0
Bor. M‘gladbach - BVB 2:4
Eintr. Braunschweig - BVB 2:2
Bilanz: 4 Spiele, 2 Siege, 1 Niederlage, 1 Unentschieden, 10:6 Tore.
Torschützen: Sahin, Kullmann (je 2), Frei, Zidan, Hajnal, Öztekin, Owomoyela, Boateng.

Die Abwehr
Durch den Ausfall von Mats Hummels (Innen- und Außenbandanriss im rechten Sprunggelenk) muss Jürgen Klopp die Viererkette zum Rückrundenbeginn neu sortieren. Als erster Kandidat für den verletzten 20-Jährigen gilt dabei Robert Kovac. Der Kroate punktet gegenüber seinem Kontrahenten Felipe Santana mit einer deutlich höheren Erfahrung. Zudem hat sich der Routinier nach einer schwachen Vorsaison wieder auf dem Leistungstief herausgekämpft und überzeugte bei seinen wenigen Hinrundeneinsätzen durch Übersicht und Zweikampfstärke. Auf den Außen werden der 34-Jährige und sein gesetzter Partner Neven Subotic wie schon zum Ende der Hinserie von Patrick Owomoyela (rechts) und Young-Pyo Lee (links) unterstützt. Dede, der sein Comeback eigentlich für die Pokal-Partie gegen Werder Bremen geplant hatte, ist aktuell noch kein Thema. Der Brasilianer stößt frühestens in zwei Wochen zur Mannschaft.

[gallery]455,0[/gallery]
Das Mittelfeld
Hier hat es in der Winterpause die größten Veränderungen gegeben. Giovanni Federico ist - zunächst auf Leihbasis - zum Karlsruher SC zurückgekehrt. Marc-André Kruska wechselte zum belgischen Spitzenklub FC Brügge. Die Lücke, die die beiden hinterließen, soll Neuzugang Kevin-Prince Boateng stopfen. Dank seiner Flexibilität, die einen Einsatz auf nahezu jeder Mittelfeldposition erlaubt, soll er in erster Linie Tinga und Florian Kringe Druck machen. Da Sebastian Kehl (Knochenstauchung mit Einblutung) jedoch noch auf unbestimmte Zeit ausfällt, dürften in den ersten Partie alle drei gemeinsam auflaufen. An Tamas Hajnals Position als Regisseur gibt es nichts zu rütteln. Ist der Ungar fit, spielt er auch. Erster Nachrück-Anwärter ist Nuri Sahin, der eine starke Vorbereitung absolvierte. Da Hajnal beim Rückrunden-Auftakt gegen Leverkusen gelb-rot-gesperrt ist, wird er seine Chance im offensiven Mittelfeld bekommen. Mit Damir Vrancic und Yasin Öztekin lauern zudem junge Talente auf eine Einsatz-Chance, die Delron Buckley wohl nicht mehr bekommen wird.

Der Angriff
Trotz des Abgangs von Diego Klimowicz, der mittlerweile beim VfL Bochum sein Glück versucht, ist der Konkurrenzkampf im BVB-Angriff groß. Alle Stürmer hinterließen in der Vorbereitung einen guten Eindruck, auch wenn sich weder Alexander Frei noch Mohamed Zidan oder Nelson Valdez als Dauer-Torschützen in Szene setzen konnten. Gegen Bremen dürfte Klopp auf Frei und Zidan setzen, die im Test gegen Mönchengladbach gut harmonierten. Valdez, in der letzten Vorbereitungswoche durch einen Hexenschuss ausgebremst, ist momentan etwas hinten dran, verfügt beim BVB-Coach allerdings über einen hohen Kredit. Richtig spannend wird es, wenn Jakub „Kuba“ Blaszczykowski seinen Muskelfaserriss auskuriert hat und als vierter Angreifer zum Team stößt. Christopher Kullmann und Bajram Sadrijaj werden deshalb höchstens in Ausnahmesituationen ihre Chance erhalten.

Die Stärken
Die Stimmung in der Mannschaft ist prächtig, obwohl sich der Konkurrenz-Kampf durch die Verpflichtung von Kevin-Prince Boateng noch einmal zugespitzt hat. Die Geschlossenheit könnte sich, wie schon in der Hinrunde, als großes Plus des „neuen BVB“ herausstellen. Gegentore führen nicht mehr zur Resignation, sondern vielmehr zu einer „Jetzt erst recht“-Stimmung. Besonders in diesem Punkt hat sich Klopps Philosophie bereits zu 100 Prozent durchgesetzt. Es ist wieder schwer, die Borussia zu schlagen - das war in den Vorjahren noch deutlich anders.

Die Schwächen
Noch ist der Kader des BVB nicht breit genug besetzt, um langfristige Ausfälle (Sebastian Kehl, Dede, „Kuba“, Mats Hummels) ohne Qualitätsverlust aufzufangen. Zieht sich die Verletzungssträhne, die die Borussia bereits in der Hinrunde schwer erwischt hat, auch durch die zweite Saisonhälfte, könnte ein Einbruch drohen. Außerdem könnte es sich rächen, dass die Borussia derzeit keinen Stürmer in ihren Reihen hat, der Treffer garantiert. Viel wird deshalb davon abhängen, inwieweit Alex Frei seine alte Form erreicht und ob Mohamed Zidan den Aufwärtstrend der letzten Hinrunden-Partien auch im neuen Jahr fortsetzen kann.

Die Prognose
Erneut wartet ein enorm schweres Auftaktprogramm auf den BVB: Zunächst Bremen im Pokal, dann hintereinander Leverkusen, München, Schalke und Hoffenheim in der Liga, einzig unterbrochen von der Pflichtaufgabe gegen Energie Cottbus. Übersteht das Team von Jürgen Klopp den Auftakt weitestgehend schadlos, ist der Uefa-Cup drin. Läuft es dagegen nicht direkt flüssig, droht der Absturz in die grauesten Mittelfeldregionen.

Wunschelf
Weidenfeller - Lee (Owomoyela), Hummels, Subotic, Dede - Kehl - Tinga, Boateng (Kringe) - Hajnal - Frei (Valdez), Kuba (Zidan).

Autor: Matthias Dersch

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren