BVB: Sammer sauer auf "Diva Marcio"

rk
15. November 2003, 12:19 Uhr

Wenn Matthias Sammer in diesen Tagen den Namen Marcio Amoroso hört, dann tragen diese zwei Worte nicht zur Steigerung seiner Stimmung bei.

Wenn Matthias Sammer in diesen Tagen den Namen Marcio Amoroso hört, dann tragen diese zwei Worte nicht zur Steigerung seiner Stimmung bei. Nicht wegen der Verletzung des Brasilianers: "Es liegt im Interesse aller, dass er so schnell wie möglich wieder gesund wird, denn er ist eine Persönlichkeit, die richtig gut Fußball spielen kann. Mein größter Wunsch ist, dass er fit wird." Doch leider konzentriert sich der 29-Jährige nach Auffassung des Dortmunder Trainers nicht auf das Wesentliche, sondern schießt mit seinen derzeitigen Attacken weit, zu weit, über das Ziel hinaus: "Er ist Angestellter des Vereins und greift unsere medizinische Abteilung an, das ist ein Unding." Insbesondere der Weg der Auseinandersetzung treibt dem Coach die Zornesröte ins Gesicht: "Wir kommen den Spielern schon sehr entgegen, da kann es nicht sein, dass er mit den persönlichen Dingen in die Öffentlichkeit geht. Er zieht über den Trainer, den Verein und den Arzt her."

Doch auch der 36-Jährige weiß, woher der Wind aus Südamerika bläst, nämlich aus der Ecke von Nivaldo Baldo, den Hausarzt von Marcio Amoroso, der sich gerne als dessen Berater aufspielt, zumal sich der Spieler inzwischen von seinem ehemaligen Ratgeber getrennt hat: "Dazu fällt mir nichts mehr ein. Der hat mir ja schon angedichtet, ich würde hier mit Pillen durch die Gegend rennen." Ergänzend fügt der Fußball-Lehrer hinzu: "Er muss begreifen, dass er von der Öffentlichkeit keine Hilfe bekommt, die sein Knie heilen kann."

Was Matthias Sammer meint, liegt klar auf der Hand: Dem Torjäger muss in Dortmund eindeutig klargemacht werden, dass unterschiedliche Ansichten im internen Kreis und nicht in der Öffentlichkeit ausdiskutiert werden müssen. Eine saftige Geldstrafe dürfte nicht der falsche Ansatz sein. Aber die haben den Exzentriker noch nie sonderlich interessiert und auf den Weg zur Besinnung geführt.

Das alles auch anders laufen kann, selbst wenn ein verletzter Kicker in der Fremde den Heilungsprozess absolviert, führt der Coach am Beispiel Evanilson an: "Es läuft alles, wie es sein soll." Auch ansonsten stellt Matthias Sammer trotz des prallgefüllten BVB-Lazaretts die medizinische Versorgung bei den Borussen nicht in Frage: "Ich habe totales Vertrauen in die Abteilung, zumal die meisten unserer Verletzungen auf Unfälle basieren. Einen Wechsel würde ich nur planen, wenn von meiner Seite her dieses Vertrauen nicht mehr vorhanden wäre." Auch mit den Behandlungen quer über den Globus kann sich der Trainer anfreunden: "Das ist zwar ein schweres Thema, doch jeder Spieler hat einen Arzt seines Vertrauens. Auch ich bin zu meiner aktiven Zeit zu Doktor Müller-Wohlfahrt geflogen." Hinzu kommt: "Wir haben noch eine junge Abteilung, die Spezialisten sind alte Hasen, die über eine langjährige Erfahrung verfügen. Überhaupt fällt das alles nur auf, weil wir immerhin 13 Verletzte haben."

Autor: rk

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