100 Tage AufSchalke und Jupp Heynckes ist kein bisschen glücklich. Als Hoffnungsträger kam

Heynckes erste Bilanz in Schalke ist ernüchternd

02. Oktober 2003, 13:47 Uhr

100 Tage AufSchalke und Jupp Heynckes ist kein bisschen glücklich. Als Hoffnungsträger kam "Don Jupp" als neuer Coach zu den Königsblauen, doch statt Europapokal rückt zurzeit die Abstiegszone immer näher.

"Dass es so werden würde, hätte sich ja keiner vorstellen können", - nach 100 Tagen im Traineramt bei Bundesligist Schalke 04 muss Jupp Heynckes seine Ziele und Erwartungen mächtig runterschrauben. Nur sieben Punkte aus sieben Bundesligaspielen, nur acht Tore, Platz zwölf. Der Traditionsklub aus dem Revier ist den Abstiegsplätzen viel näher als dem Saisonziel Europapokal.

Die Euphorie, die die Verpflichtung des Star-Trainers auslöste, ist längst verflogen, die Probleme sind größer, als "Don Jupp" erwartet hat: Die Verletztenmisere nimmt kein Ende, Jungstar Hamit Altintop ist bereits der 13. Spieler, der in dieser Saison längere Zeit verletzt pausieren muss. Das vermeintliche Prunkstück Angriff kommt nicht auf Touren. "Ich bin davon ausgegangen, dass wir da gut bestückt sind. Aber das ist ja nicht die Realität", sagte der 58-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Auch Mpenza konnte Heynckes nicht halten

Vor allem "Sorgenkind" Emile Mpenza, das nach Belgien zurückkehrte, trauert Heynckes nach: "Ich hatte die Illusion, dass er mit einem neuen Trainer und im letzten Vertragsjahr wieder in die Reihe kommt." Doch Mpenza ist weg, Ebbe Sand und Victor Agali plagen sich mit Verletzungen herum und suchen ihre Form, und aus der angedachten Verpflichtung eines Starstürmers wie Fernando Morientes (Real Madrid) wurde nichts. So ist die augenblickliche Situation "ganz prekär". Vom Saisonziel Platz fünf will der Welt- und Europameister nicht mehr reden: "Man darf nicht blauäugig sein. Wir müssen alle unsere Kräfte bündeln, um aus der jetzigen Situation herauszufinden, uns zu konsolidieren und wieder Anschluss ans Mittelfeld zu finden. Alles andere wäre Augenwischerei."

"In der Mannschaft fehlt die Hierarchie"

Die Symptome sind für den erfahrenen Coach klar: In der Mannschaft fehlt die Hierarchie. "Es gibt niemanden, der die Kommandos gibt, an dem sich die Jungen aufrichten können", hat Heynckes festgestellt. Und weil der Champions-League-Sieger von 1998 erkannt hat, dass die Schalker Mannschaft in den vergangenen Jahren überschätzt wurde, bittet er jetzt um Geduld für die "Umstrukturierung". "Eine Mannschaft muss organisch wachsen. Man muss sie immer wieder perspektivisch modifizieren, um sie auf dem Level halten zu können. Die Bayern machen das vor", erklärt der frühere Münchner Meistercoach.

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