1994 gehörte er zum Tross, der in Berlin Werder Bremen im Pokalfinale unterlag. Am Wochenende läuft er für die Essener Traditionself in Mülheim auf.

„NRW Traditions Masters 2009“: Pickenäcker und sein Heimspiel

Der Mann von der Sicherheit

Ralf Piorr
15. Januar 2009, 13:17 Uhr

1994 gehörte er zum Tross, der in Berlin Werder Bremen im Pokalfinale unterlag. Am Wochenende läuft er für die Essener Traditionself in Mülheim auf.

Ingo Pickenäcker, vor 15 Jahren standen Sie im DFB-Pokalfinale. Redet man darüber heute noch?
Eher weniger, das ist doch Geschichte. Man freut sich einfach, bei so einem Turnier Kollegen und Freunde wieder zu treffen. Gerade auch in den gegnerischen Teams. Beim Warmlaufen wird noch geflachst, aber dann geht es engagiert zur Sache. Den Ehrgeiz kann niemand verleugnen.
Letztes Jahr wurde RWE Dritter. Und diesmal?
Wir haben im letzten Jahr nur gegen den VfL Bochum verloren und wollen diesmal natürlich mehr. Aber das Wollen allein reicht bekanntlich nicht aus. Schließlich sind da noch die anderen Teams, die zum Teil mit ehemaligen Nationalspielern auflaufen. Und die haben auch im Alter ihre Qualitäten.

Ist es schwierig, wenn man nach Beendigung der Profikarriere etwas aus dem Rampenlicht verschwindet?
Teils, teils. Es ist psychologisch schon ein Bruch, und manche können das nicht gut verpacken. Nicht jeder kommt als Bundesligatrainer unter und nicht jeder kann Kommentator beim Fernsehen werden, denn so viele Sender gibt es gar nicht. Ich selbst habe bereits in den letzten Profijahren nebenher etwas anderes gearbeitet, damit das Ende nicht so abrupt einsetzte. Deswegen war der Übergang für mich kein Problem.
Als früherer Defensivmann arbeiten Sie heute bei einer Firma für Daten- und Sicherheitstechnik.
Ja, das Sicherheitsdenken scheint mir zu liegen. (Lacht.)

Zudem sind Sie seit dem 1. Januar Sportmanager beim VfB Speldorf.

Mein Arbeitgeber, die TELBA AG, ist Hauptsponsor des Vereins und so haben sich die Anknüpfungspunkte ergeben. Erklärtes Ziel von mir ist, kurzfristig zum Aufstieg in die NRW-Liga beizutragen. Wir sind in der Niederrheinliga bisher ungeschlagen, allerdings hinter einem anderen Traditionsverein, Union Solingen, nur Zweiter. Aber unserer Kader ist so stark, dass der Aufstieg nur über uns gehen wird.

Wegen des geplanten Umzugs des VfB vom Stadion am Blötter Weg in das Mülheimer Ruhrstadion gibt es Unruhe im Verein.
Das stimmt. Ich kann verstehen, dass ältere Fans an der Blötte hängen. Das ist für sie Tradition und Heimat. Aber sportlich gibt es keine Alternativen. Die Infrastruktur an der Blötte ist bescheiden, die Trainingsmöglichkeiten sind miserabel. Das Ruhrstadion im Stadtteil Styrum bietet einfach mehr Möglichkeiten, und das geplante neue Trainingszentrum mit Kunstrasenplätzen an der Saarner Straße würde dem VfB eine wirkliche Perspektive eröffnen. Besonders für die Jugendarbeit. Als ehemaliger DFB-Stützpunkttrainer für C- und D-Jugendliche weiß ich, dass Jugendliche lieber bei Vereinen mit Kunstrasenplätzen spielen. Vielleicht liegt es auch an den Eltern, die sich nicht mehr ihre Waschmaschinen mit der roten Asche ruinieren lassen wollen.

Also Tradition vs. Perspektive?

Leider gibt es diesen Konflikt. Vielleicht werden wir auch den einen oder anderen Zuschauer verlieren, aber wir wollen sicherlich alle davon überzeugen, dass sich von Speldorf aus die Fahrt nach Styrum lohnt. Dafür brauchen wir die sportlichen Leistungen und die neue Infrastruktur. Bei allen unterschiedlichen Auffassungen zwischen Fangruppen und den Verantwortlichen darf man ja nicht vergessen, dass uns alle die Zukunft des Vereins am Herzen liegt.

Autor: Ralf Piorr

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