Belgische Kälte statt spanischer Sonne: Während sich Borussia Dortmund seit Donnerstag in Marbella auf die Rückrunde vorbereitet, unterschrieb Marc-André Kruska einen Vertrag beim belgischen Spitzenklub FC Brügge.

Nach dem Kruska-Abgang auf der Suche nach der „eierlegenden Wollmilchsau“

„Wir sind nicht blind und nicht blöd“

Matthias Dersch
11. Januar 2009, 12:47 Uhr

Belgische Kälte statt spanischer Sonne: Während sich Borussia Dortmund seit Donnerstag in Marbella auf die Rückrunde vorbereitet, unterschrieb Marc-André Kruska einen Vertrag beim belgischen Spitzenklub FC Brügge.

Der 21-Jährige zog damit die Konsequenzen aus einer enttäuschenden Hinserie, in der der defensive Mittelfeldspieler nur 82 Minuten auf dem Platz stand. Zu wenig für den U21-Nationalspieler, der um seinen Platz im Team von Neu-Coach Rainer Adrion fürchtete.

Zwei Wochen zuvor hatte Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer, heute Berater von Kruska, dem BVB mitgeteilt, dass sein Schützling den zum Saisonende auslaufenden Vertrag auf keinen Fall verlägern würde.

„Es war daher auch eine ökonomische Entscheidung“, begründete BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Blitz-Transfer, der den Dortmundern, laut des 49-Jährigen, mit einer „exorbitant guten Ablösesumme“ - geschätzte 750.000 Euro - schmackhaft gemacht wurde.

Doch nicht nur der finanzielle Rahmen spielte eine Rolle: „Marc-André ist ein charakterlich überragender Junge aus unseren eigenen Reihen. Deshalb mussten wir auch die menschliche Seite miteinbeziehen, und haben uns deshalb entschlossen, seiner Bitte nachzugehen.“

Nach Diego Klimowicz (für unter 400.000 Euro zum VfL Bochum) und Giovanni Federico (auf Leihbasis zum Karlsruher SC) ist Kruska bereits der dritte Akteur, der den BVB in der Winterpause verlässt.

Nimmt man die Verletzten Mats Hummels (Anriss des Innen- und Außenbandes im rechten Sprunggelenk), Jakub Blaszczykowski (Muskelfaserriss im Oberschenkel), Dede (Reha nach Kreuzbandriss) und Sebastian Kehl (Knochenstauchung und Einblutung im Sprunggelenk), ergibt sich ein stark ausgedünnter Kader, mit dem sich Jürgen Klopp auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten muss.

Als erste Reaktion darauf nominierte der 41-Jährige die U23-Spieler Yasin Öztekin (21 Jahre, Außenbahn), Damir Vrancic (23, zentral-defensiv) und Christopher Kullmann (22, Sturm) sowie die A-Jugendlichen Marc Hornschuh (17, zentral-defensiv) und Tolgay Arslan (18, zentral-offensiv) fürs Trainingslager, damit „sie sich Selbstvertrauen aneignen können“.

Doch es ist nicht zu erwarten, dass „die Zukunft der Borussia“ (Klopp) bereits jetzt dauerhaft zur Bewältigung der gegenwärtigen Probleme herangezogen wird.

Wahrscheinlicher ist es, dass der BVB doch noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird. Watzke bestätigt: „Wir werden das gemeinsam intensiv diskutieren. Ich schließe nichts aus.“

War man noch im Sommer auf der Suche nach einem Kicker der Kategorie „günstig, aber Weltklasse“, formuliert Klopp jetzt: „Umsonst, aber Weltklasse. Wir brauchen die berühmte eierlegende Wollmilchsau.“

Konkreter: „Läuft uns so ein Schweinchen über den Weg, holen wir es. Wir sind aber nicht blind und nicht blöd. Es wird keine Panikreaktionen von uns geben.“

Zumal ein „Licht am Ende des Tunnels“ zu erkennen ist: Dede macht große Fortschritte bei der Reha in Donaustauf, und auch bei Kehl gibt es eine positive Entwicklung: „Sein Körper ist im maximalen Training, nur der Fuß nicht. Er ist derjenige, der am wenigsten verloren hat.“

Autor: Matthias Dersch

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