Die Einzelkritik zur Hinrunde beweist: Viele Gewinner gab es nicht beim WSV Borussia.

WSV Borussia: Die Hinrunden-Einzelkritik

Maly Notenbester

06. Januar 2009, 08:28 Uhr

Die Einzelkritik zur Hinrunde beweist: Viele Gewinner gab es nicht beim WSV Borussia.

Christian Maly (19 Einsätze/davon 19 benotet/Durchschnittsnote: 3,11): Stand als einziger Wuppertaler in der Hinrunde die vollen 19 Mal 90 Minuten auf dem Platz. Das war nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase nicht zu erwarten, als der damalige Trainer Christoph John offen über einen Wechsel im Kasten nachdachte. Doch Maly behielt das Vertrauen, berappelte sich und war letztlich nicht der Schuldige an der sportlichen Talfahrt des WSV.

Michael Lejan (17/17/3,18): Entwickelte sich als einer der ganz wenigen positiv unter John, weil dieser ihn von Beginn an mit einer wichtigen Rolle bedachte – in der Offensive! Aufgrund der Probleme auf der Linksverteidigerposition muss “Micoud” unter Neu-Coach Uwe Fuchs wohl wieder in der Defensive ran.
Mitja Schäfer (17/17/3,41): Der Ex-Essener konnte als einziger Neuzugang vollauf überzeugen. Verrichtete auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld ebenso wie in der Innenverteidigung grundsolide Arbeit.

Dirk Heinzmann (16/11/3,46): “Air” Heinzmann, jahrelang der Prototyp des kopfballstarken Stoßstürmers, der als Joker in der Schlussphase kommt, profitierte wie kein anderer von der Krise. Denn im Rennen um den Klassenerhalt sind kämpferische Tugenden gefordert, die er jederzeit vollauf erfüllt.

Tim Jerat (13/13/3,46): Durch seinen wochenlangen verletzungsbedingten Ausfall bestätigte er seinen Status als unersetzbarer Leitwolf. Die Leistungen der letzten Wochen vor der Pause machten aber auch deutlich: Er hat noch Luft nach oben.

Benjamin Barg (16/16/3,56): Ab dem vierten Spieltag stand er immer in der Startelf und durfte über die volle Distanz ran. Das hatte er unter anderem auch seiner Flexibilität zu verdanken, durch die er nicht aufs Abwehrzentrum festgelegt war, sondern bei Bedarf auch auf die Außenpositionen wechseln konnte.

Michael Stuckmann (18/18/3,61): Durfte sich nach wie vor als Stammkraft fühlen, ist aber bei weitem nicht mehr so unumstritten wie in den Vorjahren. Ist ein ähnlicher Typ wie Barg, das könnte ihm in der Rückrunde nach der Verpflichtung von Nils Fischer von Arminia Bielefeld zum Verhängnis werden. Zumal der WSV auf seiner Ausweichposition im defensiven Mittelfeld gut aufgestellt ist.

Marcel Reichwein (18/18/3,78): Kam mit hohen Erwartungen von seiner Leihstation Emden zurück und beflügelte die Hoffnungen durch eine bärenstarke Vorbereitung. In der Liga baute er nach anfänglichen Erfolgen jedoch stark ab. Dennoch: Mit sechs Treffern ist Reichwein der beste Torschütze bei den Bergischen.

Björn Weikl (11/11/3,82): Der Ex-Siegener wurde ursprünglich als Rechtsverteidiger geholt, stellte sich auf dieser Position aber als Schwachstelle heraus. Den Anforderungen an einen modernen Abwehraußen konnte er schon aufgrund seiner Defizite in Sachen Wendigkeit nicht gerecht werden. Im defensiven Mittelfeld war er aufgrund seines großen Einsatzes und der passablen Zweikampfquote schon besser aufgehoben.

Tobias Damm (18/12/4,00): Es bleibt dabei: Man wartet, dass bei ihm der Knoten platzt. Allerdings strapaziert der Goalgetter die Geduld, da er mittlerweile schon seit 15 Monaten weit von seiner Topform entfernt ist. Mittlerweile mehren sich die Zweifel, dass er in Wuppertal überhaupt noch zu alter Stärke zurückfindet. Womöglich bringt ihm der Trainerwechsel inklusive Systemumstellung aber tatsächlich einen neuen Schub – denn an Potenzial mangelt es Damm trotz der derzeitigen Torungefährlichkeit nicht.

Stefan Markolf (12/10/4,30): Bislang ist er gemeinsam mit Nermin Celikovic der personifizierte Fehleinkauf. Der Linksverteidiger spielte konstant unterirdisch, seine Auftritte pendelten zwischen „schlecht“ und „sehr schlecht“. Man merkte ihm zu keinem Zeitpunkt an, dass er in der vergangenen Saison auf acht Zweitliga-Einsätze für Mainz 05 kam.

Auf weniger als die Hälfte aller möglichen benoteten Einsätze kamen:

Marco Neppe (5/3/3,33): Der Youngster fiel seit dem fünften Spieltag wegen einer Entzündung des Sitzbeines aus. Sehr ärgerlich, da er wohl regelmäßig zu seinen Einsätzen gekommen wäre. Befindet sich bereits wieder im Mannschaftstraining und ist ein halber Neuzugang für die Rückrunde.

Victor Hugo Lorenzón (6/5/3,40): Erst suspendiert, dann zurückgeholt, danach erneut suspendiert – und nun? Jetzt könnte er sportlich durchaus weiterhelfen. Zumal ein „Problem“ nun aus dem Weg geräumt ist: Ex-Coach Christoph John stellte nicht unbedingt eine Respektperson für ihn dar, wie Lorenzón mehrfach vor versammelter Truppe deutlich machte.

Lars Marten (2/2/3,50): Der 24-Jährige wurde gegen Ende der Hinrunde befördert. Ob die Maßnahme seiner eigenen Stärke oder der Schwäche der anderen Defensivakteure geschuldet war, wird erst die Rückrunde zeigen.

Tim Erfen (9/8/3,53): Der September-Neuzugang aus Essen erinnert in seiner Art, die rechte Schiene zu beackern, stark an seinen Vorgänger Dennis Malura. Wenn nicht eine langwierige Einblutung an der Ferse dazwischengekommen wäre, hätte er sich vermutlich schon als Stammkraft etabliert.
Mike Rietpietsch (12/8/3,63): Der 34-Jährige ist auch im hohen Fußballer-Alter wichtig für den WSV. Stand er zu Beginn der Saison noch auf dem Abstellgleis und wurde nur als Joker gebracht, stand er zuletzt regelmäßig in der Anfangsformation. Das liegt vor allem an seinen Leader-Qualitäten, über die sonst kaum jemand im Kader verfügt – da lässt es sich sogar verschmerzen, dass die Luft nicht mehr für 90 Minuten reicht.

Jan Hammes (4/4/3,75): Fiel wegen eines Leistenbruchs monatelang aus und kehrte erst im November zurück. Von seiner Topform war er in den Einsätzen nach der Auszeit verständlicherweise noch entfernt.

Tobias Willers (15/9/3,78): Der Defensivmann kam nach Wuppertal, um zu lernen und erhielt mehr Einsatzzeiten als er selbst erwartet hätte. Spielte allerdings eine durchwachsene Serie mit viel Luft nach oben. Zeigte gegen Unterhaching eine starke Leistung im für ihn ungewohnten rechten Mittelfeld, die konnte er allerdings nicht konservieren.
Salih Altin (7/5/3,80): Zeigte in Lübeck in der vergangenen Saison eine viel versprechende Rückrunde und kam mit hohen Erwartungen zum WSV. Bislang reichte es zu fünf Startelfeinsätzen, in denen er sich nur bedingt für weitere Aufgaben empfehlen konnte.

Dennis Schulp (5/5/4,00): Ebenso wie Lorenzón pendelte er zwischen Strafmaßnahmen und Spielminuten. Doch anders als sein Leidenspartner stellte er nicht unter Beweis, dass er sportlich eine Bereicherung für die Mannschaft sein könnte.
Glen Akama-Eseme (2/2/4,00): Der 21-Jährige profitierte von den Problemen in der Viererkette und erhielt seine Chance. Ob in der Rückrunde weitere Einsätze hinzukommen, ist fraglich. Denn nicht nur die mangelnde Erfahrung spricht gegen ihn, auch leistungstechnisch scheint die 3. Liga noch zu hoch für ihn zu sein.

Nermin Celikovic (13/9/4,11): Er sollte der neue Mann fürs Kreative sein und Mike Rietpietsch als Offensiv-Lenker beerben. Bislang enttäuschte Celikovic aber so dermaßen, dass für ihn selbst beim krisengeschüttelten WSV nur noch selten Platz war. So verwundert es nicht, dass er bereits beim Regionalligisten Magdeburg im Gespräch ist.

Auf keine benoteten Einsätze kamen:

Mahmout Najdi (4/0/o.N.): Das Talent aus der Schmiede des MSV Duisburg durfte in seinem ersten Senioren-Halbjahr ein wenig reinschnuppern. Ein gutes Omen: Die Joker-Einsätze wurden von Mal zu Mal länger.

Christopher Mahrt (2/0/o.N.): Der Youngster, der vom FC St. Pauli geholt wurde, spielte bislang keine große Rolle. Gut möglich, dass sich seine Einsatzzeit in der Rückrunde erhöht.

Ferhat Ülker (2/0/o.N.): Hatte sich vor der Saison einiges erhofft, tritt aber in Sachen Spielanteile auf der Stelle.

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