Erste Bundesligapartie mit Schalke, und gleich das

Heynckes hohe Hürde beim Bundesliga-Comeback

ac
02. August 2003, 15:18 Uhr

Erste Bundesligapartie mit Schalke, und gleich das "Spiel der Spiele": Der neue Trainer der "Knappen", Jupp Heynckes, steht am heutigen Samstag im Derby gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund vor einer echten Feuertaufe.

Er hat als Spieler fast alle Hexenkessel der Fußballwelt kennengelernt, als Trainer von Real Madrid mehrmals im Mittelpunkt beim spanischen Hass-Derby gegen den FC Barcelona gestanden. Eigentlich dürfte Jupp Heynckes, Neu-Trainer des Bundesligisten Schalke 04, vor der Aufgabe bei den Königsblauen alles andere als Angst und bange sein. Dass aber ausgerechnet in seinem ersten Bundesligaspiel mit den Schalkern die "Mutter aller Derbies", der 122. Ruhrgebiets-Klassiker gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund auf dem Programm steht, geht auch an dem Erfolgscoach, der mit den Madrilenen bereits die Champions League gewann, nicht spurlos vorbei. "Das ist wie Barcelona gegen Real Madrid. In Spanien würden die aber nie am ersten Spieltag gegeneinander spielen", sagt der Heimkehrer, der nach acht Jahren sein Bundesliga-Comeback feiert.

Vorgänger haben Latte hoch gelegt

Die Terminplaner der Deutschen Fußball Liga (DFL) nahmen indes keine Rücksicht auf den 58-Jährigen und schicken ihn bereits am heutigen Samstag (ab 15.30 Uhr) in der ausverkauften Arena AufSchalke in die aus Sicht der königsblauen Fans ultimative Feuertaufe. Denn die Vorgänger des Welt- und Europameisters, der nach einer 0:3-Heimpleite am 31. März 1995 gegen seinen neuen Arbeitgeber als Coach von Eintracht Frankfurt entlassen worden war, haben die Latte in den Revierderbys der jüngsten Vergangenheit hoch gelegt.

Schalke seit fast fünf Jahren ohne Derby-Niederlage

Seit fast fünf Jahren haben die Königsblauen nicht mehr gegen den BVB verloren. Erfolgstrainer Huub Stevens blieb nach dem 0:3 am 14. November 1998 im Westfalenstadion neun Derbys in Folge unbesiegt, selbst der im März gefeuerte Frank Neubarth verlor nicht gegen Dortmund. "Ich weiß, dass es für Schalke ein besonderes Spiel ist", sagt Heynckes und spricht gar von "ungeheurer Wichtigkeit".

Auf Grund der Verletztenmisere mit dem Ausfall eines halben Dutzends Stammspieler ist Heynckes gezwungen zu improvisieren. "Etablierte Spieler fehlen, ich muss zu viele Leute ins kalte Wasser werfen", sagt der Coach, der beim 2:1-Sieg am Mittwoch im UI-Cup-Halbfinale gegen Slovan Liberec zahlreiche bewährte Kräfte schonte. Gegen Dortmund hofft Heynckes noch auf die Rückkehr von Emile Mpenza oder Victor Agali und damit mehr Alternativen im Sturm. Ähnliche Probleme hat BVB-Coach Matthias Sammer, der nach der Sechs-Wochen-Sperre von Sebastian Kehl sowie den Kreuzbandrissen von Torsten Frings und des Brasilianers Evanilson plötzlich ein Riesenloch im Mittelfeld stopfen muss.

Conceicao im Derby wohl noch nicht dabei

Der spanische Brasilianer Flavio Conceicao, von Real Madrid ausgeliehen und erst am Mittwoch in Dortmund eingetroffen, ist erst seit einer Woche aus dem Urlaub zurück und hat nach eigener Aussage nur Laufeinheiten absolviert und daheim im Fitnessraum Hanteln gestemmt. Möglicherweise muss Sammer deshalb Ex-Kapitän Stefan Reuter aus der Viererkette ins Mittelfeld ziehen.

Im Blickpunkt steht bei den Schwarz-Gelben aber Torhüter Roman Weidenfeller. Die neue Nummer eins im Dortmunder Tor, die im ersten Spiel nach dem Weggang von Jens Lehmann beim 2:4 im Ligapokal-Finale gegen den Hamburger SV patzte, steht im Revierderby unter besonderem Druck. "Er wird auf Schalke seine Nerven in den Griff bekommen und eine Topleistung zeigen", glaubt Sportmanager Michael Zorc. Und Trainer Sammer stellt klar: "Ich habe 100-prozentiges Vertrauen zu ihm."

Autor: ac

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