Die Essener spielten sicher keine gute Hinrunde. Trotzdem gibt es neben den Absteigern auch den einen Aufsteiger.

RWE: Die Auf- und Absteiger der Hinrunde

Mölders und dann lange nichts

Oliver Gerulat
01. Januar 2009, 10:57 Uhr

Die Essener spielten sicher keine gute Hinrunde. Trotzdem gibt es neben den Absteigern auch den einen Aufsteiger.

Aufsteiger
An Sascha Mölders kommt man natürlich nicht vorbei, 20 Saisontore sprechen einfach eine zu deutliche Sprache. Man könnte den gebürtigen Essener gewissermaßen als offensive Lebensversicherung des Teams darstellen. Vielleicht sogar als finanzielle, wenn man Gedanken folgt, die davon ausgehen, dass man den Torjäger vielleicht in der Winterpause - als Tafelsilber - verscherbelt, um dann durch die Liquiditätssteigerung mit dem vielleicht sechsstelligen Ertrag die Truppe in der Breite verstärkt. Es wäre nicht das erste Mal an der Hafenstraße, dass man einem solchen Ansinnen nachgibt.

Absteiger
Als Absteiger muss man zwei Youngster bezeichnen, die sich selbst in die Schusslinie brachten. Tayfun Cakiroglu kickte sich schon früh selbst aus dem Kader, am Ende des Jahres folgte Kai von der Gathen, von dem sich Coach Michael Kulm nach Ablauf der Sommer-Vorbereitung noch mächtig begeistert zeigte. Imageprobleme hat auch ein Stefan Kühne, der sich nach einem überragenden Saisonauftakt zum 2008-Abschluss auf der Ersatzbank wiederfand und oft als Lieblingsziel der Kritik gilt.

Bewirkt auch dadurch, dass der 29-Jährige immer als spielmachender "Zehner" angesehen wurde - der er nicht ist. Interessant ist die Entwicklung rund um die Brüder Stefan und Michael Lorenz, die ehemals als die passenden Akteure für die Hafenstraße gefeiert wurden, jetzt auch im Visier sind. Ehrliche Aussagen werden nicht immer mit Wertschätzung belohnt. Silvio Pagano gibt Rätsel auf, ein Spieler, der eigentlich alles mitbringt, um sich in dieser Klasse voll durchzusetzen - zu wenig.

Problem
Es ist einfach nicht wegzudiskutieren. RWE hat elf Stammakteure, die dem Team in der Klasse Dominanz verleihen sollten. Diese elf Spieler galten (gelten??) auch als Basis für eine nächste Saison - eine Klasse höher. So war das Vorhaben, das es immer noch gibt, nur wird es mittlerweile leise geflüstert. Danach gibt es Haluk Türkeri als Nummer zwölf sowie etliche Youngster, auf deren Entwicklung man baute. Wenn man ehrlich ist, konnte sich in den letzten knapp sechs Monaten keiner wirklich konstant in die Truppe spielen.

RS berichtete bereits darüber, dass sich Veränderungen ankündigen, so wird Chamdin Said mit Verl in Verbindung gebracht. Die imposante Quote von Mölders verdeutlicht eine enorme Abhängigkeit, die Torgefährlichkeit eines Routiniers wie Markus Kurth, der mittlerweile kritisch beobachtet wird, und eines Robert Mainka reichte 2008 nicht. Was bei Gastspielen in der Liga abläuft, ist nichts anderes als dürftig.
Zukunft
Die fängt am 11. Januar an, Coach Michael Kulm bittet zum Auftakt der Vorbereitung auf die Restrunde. Der Club reagierte auf das Mittelfelddefizit, das lange nicht öffentlich analysiert wurde, durch die Verpflichtung eines ziemlich klassischen zentralen Mittelfeldakteurs: Mike Wunderlich, der von der U23 des 1. FC Köln kommt. Der 22-Jährige passt vom Alter komplett, dürfte die Finanzen nicht überreizen, bringt auch die notwendige Qualität mit. Die Notwendigkeit, den Kader weiter zu verändern, bleibt. Dazu beobachten die Verantwortlichen das Handeln der Stadt, wenn es um das Verhältnis zum ehemaligen Rechteverwerter Dr. Michael Kölmel geht, das bald keines mehr sein soll - so Oberstadtdirektor Christian Hülsmann auf einer öffentlichen Ratsitzung.

Kölmel erhält noch mächtig Kohle, eine Einigung soll kurz bevor stehen. Was versteht die Stadt unter "kurz"? Dazu gibt es die Absichtserklärung, den Baubeschluss für das Stadion - in welcher Ausprägung auch immer - zu vollziehen. Die Absicht ist da - mehr noch nicht. RWE wartet, gab das Ruder bei diesen existenziellen Problematiken - nicht dumm - aus der Hand. Die Pläne, den Club professioneller aufzustellen, sind öffentlich bekannt, der Startschuss muss fallen. Rein sportlich hat man unglaublichen Druck - weitere Strippen werden im Rathaus gezogen.

Autor: Oliver Gerulat

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