Von Rost bis Trojan: Die Spieler des FC Schalke 04 in der Einzelkritik zur Saison 2002/03

Schalke 04 - Entlarvende Einzelkritik

hb
06. Juni 2003, 09:36 Uhr

Von Rost bis Trojan: Die Spieler des FC Schalke 04 in der Einzelkritik zur Saison 2002/03

Die Spieler des FC Schalke 04 in der Einzelkritik zur Saison 2002/03
Frank Rost (33 benotete Spiele, Note: 2,77): Schon nach der Hinrunde ganz oben in der Bewertung der Mannschaft, ist es keine Überraschung, dass der Schlussmann beim Noten-Durchschnitt am besten weg kommt. Zwar halten Kritiker Rost vor, er würde keine unhaltbaren Bälle entschärfen, doch gerade im Duell eins gegen eins hat er das Gegenteil oft genug bewiesen. Wenigen schwache Vorstellungen wie etwa gegen Bochum und in Rostock stehen ein Dutzend starker Leistungen gegenüber.
Christian Poulsen (24/2,72): Bis zu seinem Bänderriss Ende März ein stabilisierender Faktor in der Mannschaft. Der Däne war schon von seinen ersten Einsätzen an nicht aus mehr der Schalker Mannschaft weg zu denken. Ob im defensiven Mittelfeld oder als „Notnagel“ in der rechten Verteidiger-Position erfüllte der Däne tadellos seinen Job. Im Zweikampf eben so stark wie wie in der Spieleröffnung. Von Poulsens Aggressivität, die nur in den seltensten Fällen wie bei der Gelb-Roten Karte in Hamburg über die Grenze des Erlaubten hinaus ging, hätte sich der Rest der Truppe eine Scheibe abschneiden können.
Nico van Kerckhoven (14/2,85): Stand beim 0:0 in München erstmals nach seiner langen Knieverletzung in der Anfangs-Formation und hatte mit Beginn der Rückrunde seine stärkste Phase. Hier wurde überdeutlich, dass der Belgier auf der linken Deckungs-Position unersetzlich war. Seine Formkurve zeigte erst mit dem kuriosen Fast-Eigentor in Leverkusen nach unten. In der Folge dessen fing sich van Kerckhoven nicht mehr und wurde zum Spiegelbild der auf der Zielgeraden schwächelnden Schalker Mannschaft.
Jörg Böhme (23/3,07): Wie es für einen Fußballer seine genialen Art typisch ist: Böhme zeigte im Saisonverlauf Licht und Schatten. Das „enfant terrible“ lief bisweilen gerade in Zeiten größter Kritik von außen zu Höchstform auf (wie in Hannover), wurde aber oft auch Opfer seiner Übermotivation. Zwischen Genie und Wahnsinn liegen bei Böhme immer noch dicht beieinander. Traumtore wie in Leverkusen relativierten sich durch die hohe Zahl an Fahrkarten, die der Linksfuß mit dem ruhenden Ball insgesamt produzierte.
Emile Mpenza (17/3,20): Allein schon für die Anzahl der Einsätze hat sich der Belgier einen Rüffel verdient. Fast die halbe Saison wegen seiner immer noch nicht hinreichend therapierten Muskelprobleme fehlend, startete der Sprinter viel zu selten durch. Neben ständigen Verletzungen litt Mpenza auch unter der anhaltenden Formschwäche eines Ebbe Sand, so dass mit dem Begriff „Schalker Traumsturm“ besonders nach dem 3:0 gegen Stuttgart das Duo Mpenza/Agali verbunden wurde.
Niels Oude Kamphuis (25/3,26): Wie sein Pendant Nico van Kerckhoven auf der rechten Außenbahn nahezu unverzichtbar. Der Holländer startete nach seiner Auszeit zu Beginn der Saison zwar erst im September letzten Jahres richtig durch, zeigte aber dann, wie wertvoll er für die Truppe ist. Ab März dann wegen eines Bänderrisses wieder außer Gefecht gesetzt, deutete Kamphuis gegen Ende der Runde auch seine Qualitäten im Mittelfeld an.
Gustavo Varela (20/3,41): Bis zu seiner Schädelfraktur Anfang November mit der beste Schalker Feldspieler. Fand nach knapp dreimonatiger Auszeit nicht mehr zu seiner ursprünglichen Form zurück. Dem „Uru“ muss man zu Gute halten, dass er ohne jegliche Sommerpause den Wechsel von Südamerika nach Deutschland vollziehen musste und am Ende körperlich einfach nicht mehr in der Lage war, auf höchstem Bundesliga-Niveau zu kicken.
Sven Kmetsch (19/3,53): Feierte das „Comeback des Jahres“: Unter Huub Stevens nie mehr als ein „Notnagel“, kam der Ex-Hamburger in der abgelaufenen Serie auf stolze 23 Einsätze (davon 19 von RS benotet). In den englischen Wochen von September bis Mitte Dezember immer wieder wegen diverser Ausfälle benötigt, wurde Kmetsch bis zur Niederlage ausgerechnet bei seinem Ex-Klub HSV zum Schalker Erfolgs-Garanten. Das 1:3 in der „AOL-Arena“ bedeutete auf dem Platz stand, verlor Schalke kein Bundesliga-Spiel mit dem „Malocher“.
Anibal Matellan (17/3,60): Der Argentinier stand nur in der Hinrund ein zwei Drittel der Partien von Beginn an auf dem Feld und deutete dort an, dass er den lang ersehnten Durchbruch packen könnte. Mit der Rückkehr von Nico van Kerckhoven ins Team dann wieder meist außen vor du mit dem negativem Höhepunkt beim Platzverweis i Hamburg.
Tomasz Hajto (29/3,61): Die Kritiken an seiner Spielweise prallen am Polen ab wie die meisten Gegenspieler an seiner breiten Brust. Hajto zog sich den Unmut der Verantwortlichen vor allem mit etlichen überflüssigen Fouls in Strafraum-Nähe zu. Aus Freistößen resultierende Gegentreffer wie zuletzt in Bremen und die dumme „Ampelkarte“ in Rostock sind noch gut im Gedächtnis.
Marco van Hoogdalem (22/3,66): Vor allem im ersten Saisondrittel ein starker Abwehrchef, der den verletzten Kapitän Waldoch nicht vermissen ließ. Zweikampfstark und schnörkellos interpretierte der Holländer die Rolle des zentralen Deckungsspielers so lange, bis ihn seine anhaltenden Hüftbeschwerden außer Gefecht setzten. Sein legendäres Eigentor gegen 1860 München wird allerdings Bundesliga-Geschichte schreiben.
Andreas Möller (20/3,76): Seine letzten Saison nach 18 Jahren Profi-Fußball hätte sich der 35-Jährige sicher anders vorgestellt. Von Ex-Trainer Neubarth bei Zeiten angezählt, weil er den Regisseur in Kampfspielen wie in Warschau nicht gebrauchen konnte, kam Möller nach der Winterpause überhaupt nicht mehr auf die Beine. Schöne Geste aber von Teamchef Marc Wilmots, dass er seinem einstigen „Intimfeind“ noch die Abschieds-Vorstellung gegen Bayern gönnte.
Gerald Asamoah (18/3,83): Bis auf den Platz zwischen den Pfosten bekleidete der Vize-Weltmeister so gut wie alle Rollen auf dem Feld. War sich anfangs nicht zu schade, als rechter Außenverteidiger seinen angeborenen Vorwärtsdrang zu zügeln. In seiner angestammten Position weiter vorn oft unglücklich und schließlich wegen seiner Leisten-OP für sechs Wochen ausgebremst.
Sven Vermant (19/3,91): Der Spezialist für Last-Minute-Treffer konnte auch in seiner zweiten Saison die Kritiker nicht mundtot machen, die dem Belgier vorwerfen, dass er sein Potenzial nicht ausschöpft. Obschon mit insgesamt 24 Liga-Einsätzen endlich zum Stammspieler gereift, konnte Vermant die große Chance, die sich ihm durch den Ausfall von Andy Möller bot, nie richtig nutzen.
Ebbe Sand (31/3,94): Ohne Zweifel der große Verlierer der Saison. Am Beispiel des Dänen lassen sich die Probleme, die der FC Schalke im vergangenen Spieljahr hatte, deutlich ablesen. Nach der WM 2002 ausgelaugt und schon zu Beginn der Runde nicht in Form, war der Gala-Auftritt beim 5:0 über Borussia Mönchengladbach im Pokal das letzte wirklich gute Spiel des einstigen Top-Torjägers. Die Krise des Ebbe Sand hatte auch nichts mit der ungewohnten Position zu tun, die den gelerntem Stürmer zu oft ins Mittelfeld zwang. Der Vize-Kapitän hätte längst eine schöpferische Pause auf der Bank erhalten, wenn nicht die Sturmkollegen Mpenza und Agali in schönem Wechsel ausgefallen wären..

Auf weniger als die Hälfte aller möglichen benoteten Einsätze kamen:
Sergio Pinto (8/3,00): Der „Shooting Star“ des Jahres 2003. In Nürnberg aus der personellen Not vom neuen Teamchef Marc Wilmots erstmals gebracht, packte der 22-jährige Portugiese den Sprung vom „Problemfall“ zur Bundesliga-Tauglichkeit.
Victor Agali (16/3,15): Obwohl der Nigerianer fast die Hälfte der Saison wegen Knie- oder anderen Verletzungen fehlte, holte er sich mit sieben „Buden“ die interne Torjäger-Krone. Symbolisch für den lahmenden Angriff der Königsblauen, die mit Agali ihre schönsten Feste feierten.
Tomasz Waldoch (13/3,60): Stand nach über einem halben Jahr Pause erstmals im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wieder in der Schalker Startelf. Bei seinem „Comeback“ überragend, aber in den letzten Wochen wie die gesamte Schalker Abwehr mit großen Schwächen. Waldoch ist halt nicht mehr der Schnellste und kann oft gefährliche Situationen nicht mehr allein mit seinem nach wie guten Stellungsspiel wett machen.
Dario Rodriguez (12/4,50): Ein glatter Fehleinkauf! In der Hinrunde noch ein halbwegs brauchbarer van Kerckhoven-Vertreter, wirkte der Mann aus Montevideo später völlig überfordert. Ein Nervenbündel, der teils noch nicht einmal einen simplen Einwurf zu Stande bekam.

Auf weniger als fünf benotete Einsätze kamen:
Mike Hanke (3/4,00), Oliver Reck (1/2,00), Abdul Iyodo (1/2,00) und Filip Trojan (1/4,00).

Autor: hb

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