Möhlmann: "Hatten einfach nicht mehr die Kraft"

25. Mai 2003, 10:10 Uhr

Benno Möhlmann muss mit seinem Klub Arminia Bielefeld den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Nach dem letzten Spieltag sprach der Arminen-Coach über die Gründe für den sechsten Abstieg aus der Eliteklasse.

Nach dem sechsten Bundesliga-Abstieg für Arminia Bielefeld stellte sich Trainer Benno Möhlmann den Fragen der Presse.

Frage: "Herr Möhlmann, Arminia Bielefeld ist zum sechsten Mal in der Vereinsgeschichte abgestiegen. Die Trauer auf der Alm scheint sich aber in Grenzen zu halten."

Benno Möhlmann: "Das ist alles sehr deprimierend, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken, sondern können erhobenen Hauptes und mit Selbstbewusstsein nach Hause gehen. Wir waren für viele vor der Saison Absteiger Nummer eins. Aber wir haben uns lange gewehrt, fast 30 Spiele lang, auf durchaus ansehnlichem spielerischen und kämpferischem Niveau. Leider haben wir dann in den letzten sechs Wochen doch so gespielt, wie es viele Experten schon vom ersten Spieltag an von uns erwartet haben."

Frage: "Arminia schien am 28. Spieltag so gut wie gerettet, holte dann aus sechs Endspielen gegen direkte Konkurrenten nur noch zwei Punkte. Wie erklären Sie sich diesen Einbruch?"

Möhlmann: "Wir hatten einfach nicht mehr die Kraft. Hinzu kamen große Verletzungsprobleme, die wir zu dieser Phase einfach nicht mehr kompensieren konnten. Entscheidend war für mich das 0:0 in Nürnberg, als wir gegen ganz schwache Nürnberger in Überzahl nie das Gefühl vermitteln konnten, dass wir gewinnen wollen. Ab da hatte ich ein Scheiß-Gefühl. Unter dem Strich lügt die Tabelle aber nicht. Wir waren eben nicht so gut wie die 15 Mannschaften vor uns."

Frage: "Sie scheinen trotz der jüngsten Talfahrt bei den Fans und den Klubverantwortlichen außerhalb jeder Kritik zu stehen. Machen Sie sich selbst Vorwürfe?"

Möhlmann: "Wir haben alle zusammen unser Ziel verfehlt. Jeder hat gute Gründe, bei sich nach Fehlern zu suchen. Es lag an vielen kleinen Dingen, dass wir es nicht geschafft haben."

Frage: "Ist dieser Zustand als Fahrstuhlmannschaft mit nun jeweils sechs Bundesliga-Auf- und -Abstiegen nicht frustrierend?"

Möhlmann: "Ich bin hier angetreten mit dem Ziel, den Verein mal drei oder vier Jahre in der ersten Liga zu halten, um ihn auf eine gesunde Basis stellen zu können. Grundsätzlich gehört ein Verein wie Bielefeld in der ersten Liga immer zu den kleinen Vereinen und in der zweiten zu den Favoriten. Das muss man akzeptieren."

Frage: "Also kann das Saisonziel im nächsten Jahr nur Wiederaufstieg lauten?"

Möhlmann: "Erst einmal muss der Klub bis zum 10. Juni bei der DFL Auflagen erfüllen, dann können wir sehen, welche Mittel wir haben. Außerdem haben einige der jetzigen Spieler Ausstiegsklauseln. Ein Bastian Reinhardt wird schwer zu halten sein. Er hat sich in der ersten Liga bewiesen, die zweite Liga wäre ein Rückschritt für ihn. Klar ist aber, dass man den Fans schwer etwas anderes als das Ziel Aufstieg verkaufen kann. Und ich hoffe, dass wir eine Mannschaft haben, die diesen Ansprüchen gerecht werden kann."

Frage: "Würden Sie persönliche Konsequenzen ziehen, falls dies nicht der Fall wäre?"

Möhlmann: "Nein, dann müssen eben die Ansprüche runter. Wenn wir nur mit 18-Jährigen spielen, muss man die Zielsetzung eben auf drei bis fünf Jahre auslegen."

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