Raue Sitten auf den Fußballplätzen. In letzter Zeit mehren sich die Spielabbrüche, weil Schiedsrichter von Spielern angegangen werden. Was hat der Kreis-Schiedsrichterausschuss (KSA) dazu zu sagen? Ein Interview mit dem KSA-Vorsitzenden Markus Häbel.

Castrop-Rauxel: Häbel-Interview zu den vermehrten Spielabbrüchen

"Da kann einem Angst und Bange werden"

Felix zur Nieden & Ralf Schacht
11. Dezember 2008, 12:57 Uhr

Raue Sitten auf den Fußballplätzen. In letzter Zeit mehren sich die Spielabbrüche, weil Schiedsrichter von Spielern angegangen werden. Was hat der Kreis-Schiedsrichterausschuss (KSA) dazu zu sagen? Ein Interview mit dem KSA-Vorsitzenden Markus Häbel.

An den letzten beiden Spieltagen ist es zu mehreren Spielabbrüchen durch die Schiedsrichter gekommen. Grund dafür war das unsportliche Verhalten einiger Aktiver. Wie kann dieses letzte Mittel, zu dem der Schiedsrichter greifen kann, verhindert werden?

Häbel: Es ist wichtig, dass der Schiedsrichter selbst zu jeder Zeit der handelnde Charakter auf dem Feld ist. Er muss sich in jeder Situation einbringen. Unsere Schiedsrichter werden zum Thema Deeskalation geschult, damit sie auch in kniffligen Situationen beruhigend einwirken können. Wichtig ist vor allem das Auftreten des Schiedsrichters auf dem Feld. Es muss aber immer berücksichtigt werden, dass wir alle nur einem Hobby nachgehen, und bei aller Verbissenheit im Kampf um den Sieg darf die Vernunft nicht abhanden kommen.
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Junge Schiedsrichter sehen sich oft Anfeindungen ausgesetzt. Welchen Einfluss hat das auf die ihre Laufbahn?

Häbel: Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Ehrenamt Schiedsrichter oft von Heranwachsenden ausgeübt wird, die sich ein kleines zusätzliches Taschengeld verdienen wollen. Würden Sie sich für sieben Euro von Erwachsenen mit übelsten Kraftausdrücken beschimpfen lassen? Ohne viel Erfahrung können sie solche Situationen nur schwer meistern. Das geht schon bei Beschimpfungen der Eltern in Jugendspielen los, und das kann nicht sein. Es wird dem Nachwuchs keine Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Alle erwarten, dass wir fertige Schiedsrichter auf jeden Platz schicken, aber das kann nicht gehen, denn Erfahrung bekomme ich nur durch die regelmäßige Spielleitung.

Wie kann man die Situation speziell für den Nachwuchs verbessern?

Häbel: Wir haben das Problem erkannt und ein Patensystem installiert. Nachwuchsschiedsrichter bekommen in den ersten Spielen einen Paten an die Seite, der in Notfällen eingreift und den Unparteiischen Tipps gibt, wie sie sich verbessern können. Man muss aber auch beachten, dass viele Vereine um ihre Quote zu halten ungeeignete Leute zu den Ausbildungen schicken. Deshalb versuchen wir, selbst unseren Nachwuchs zu suchen. Zum Beispiel in Schulen. In diesem Jahr haben wir 70 Neuschiedsrichter ausgebildet, aber 15 haben die Tätigkeit wieder eingestellt. Und das kommt nicht von Ungefähr.

Wäre dann nicht eine „Verhaltensschule" für die Spieler sinnvoll?

Häbel: Das ist so nicht umsetzbar. Wir versuchen auf den Staffeltagen die Verantwortlichen der Vereine auf die Situation aufmerksam zu machen und bitten sie, das in ihre Vereine zu tragen. Ob das passiert, können wir nicht prüfen. Was die Spieler zu Ausrastern verleitet, ist oft auch das soziale Umfeld, aus dem Spieler Probleme mitbringen und ihren Frust dann fälschlicher Weise auf dem Feld ablassen. Und da kann einem schon manchmal Angst und Bange werden, bei dem was da passiert. Als Schiedsrichter bist du nicht mehr nur das wandelnde Regelwerk, sondern auch Sozialarbeiter. Wobei auch gesagt werden muss, dass die meisten Vereine viel dafür tun, die Unparteiischen zu schützen.

Autor: Felix zur Nieden & Ralf Schacht

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