Als Schalke 04 im April Mitglied Nummer 22 aus den Niederlanden zurück nach Gelsenkirchen holte, war im Hause ten Vergert die Freude groß.

Fan: Heimspiel für "Blau und Weiß Enschede"

Henny ten Vergert: "Schalke-Stadt steht Kopf"

02. Dezember 2008, 09:07 Uhr

Als Schalke 04 im April Mitglied Nummer 22 aus den Niederlanden zurück nach Gelsenkirchen holte, war im Hause ten Vergert die Freude groß. "Youri Mulder war schließlich einer der Auslöser für unsere Fan-Club-Gründung", sagt Familienvorstand Henny ten Vergert.

Der ist in ganz Enschede als "Mr. Schalke" bekannt. Anlässlich der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer musste er als Insider noch vor der offiziellen Präsentation Ruttens in Schalke in Interviews mit der örtlichen Presse die Verhältnisse beim Bundesligisten aus Deutschland erklären.

Seitdem jedoch bekannt ist, dass die Königsblauen am kommenden Mittwoch ihr letztes Spiel der Gruppenphase im UEFA-Cup beim FC Twente austragen, steht das Telefon in Schalkes Fanzentrale in Enschede nicht mehr still. "Am 3. Dezember", verspricht ten Vergert, "steht die Schalke-Stadt Enschede Kopf. Alleine wir hätten über 500 Karten an S04-Fans aus ganz Holland absetzen können. Die Vorfreude ist riesengroß". Ten Vergert benutzt selbst das deutsche Synonym für die Niederlande, obwohl Enschede gar nicht in Holland, sondern in der Provinz Overijssel liegt. 5486 Schalke-Fans hatten sich um die knapp zugeteilten 1.000 Tickets beworben. Er kann getrost als die Keimzelle der Fanfreundschaft zwischen den Anhängern der "Knappen" und denen der "Tukkers" bezeichnet werden, auch wenn mittlerweile auch besonders zwischen den "Ultras Gelsenkirchen" und der Enscheder Ultrabewegung "Vak-P" intensive Beziehungen bestehen.

Familiäre Bande haben den Vorsitzenden des "Fan-Clubs Blau und Weiß Enschede" bereits 1969 zum ersten Mal in die Glückauf-Kampfbahn geführt. "Mein Schwager ist ein Neffe des ehemaligen Schalker Spielers Werner Cremers", erklärt der 60-Jährige. Cremers hatte in der Saison 1948/1949 sieben Oberligaspiele für die Knappen bestritten. Seitdem liebt ten Vergert, der hin und wieder auch die Heimspiele von Twente besucht, die "friedliche und einzigartig emotionale Atmosphäre auf Schalke". Das auch deshalb, weil in den Niederlanden der Besuch eines Fußballspiels immer noch "wesentlich mehr von Aggressivität geprägt" sei, als in Deutschland.

Mit einer Hand voll Leute gründete er vor 13 Jahren den Fan-Club. Heute ist "BWE" die mit inzwischen 290 Mitgliedern größte Schalker Enklave in den Niederlanden. Neben Mulder, seit 1996 dabei, gehören auch Rene Eijkelkamp und Eddy Achterberg dem Fan-Club an. "Seit Youri wieder und Fred Rutten neu auf Schalke dabei sind, haben wir noch mal einen riesigen Schub erhalten", lacht ten Vergert. Zu jedem Heimspiel in der Arena setzt der Vorruheständler mindestens einen Bus aus der Grenzstadt ein und begrüßte jüngst bereits den 10.000 Mitfahrer.

Am Mittwoch gastiert Schalke zum ersten Mal direkt vor der eigenen Haustür. Deshalb haben sich die Enscheder zu "ihrem" Heimspiel zusammen mit dem Schalker Fan-Club Verband etwas einfallen lassen. In der nicht weit vom "Stadion Grolsch Veste" entfernt liegenden Stammkneipe "Doedelzak" (Alleeweg 38) steigt vor dem Spiel eine gemeinsame Fanparty für Anhänger beider Clubs. Wegen der gegenseitigen Sympathie der Anhänger beider Vereine wurde auf die sonst üblichen Sicherheitsauflagen verzichtet. "Wir wollen beiden Nationen zeigen, dass deutsche und holländische Fans friedlich und fröhlich zusammen feiern können", möchte ten Vergert diesen Umstand nutzen und ein ganz neues Kapitel in der Geschichte deutsch-niederländischer Duelle aufschlagen. Für wen sein Herz dann schlagen wird, daraus macht er aber keine Mördergrube: "Für Schalke, natürlich!"

Wie sehr er sich mit den Gelsenkirchenern verbunden fühlt, zeigt dies: Nach der Geburt seines Sohnes im WM-Jahr 1974 stand nicht etwa der niederländische Jahrhundertspieler Johan Cruyff als Namensgeber Pate, sondern der Schalker Linksaußen Erwin Kremers. Seitdem teilt Erwin ten Vergert die Leidenschaft seines Vaters.

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