Wer über einen Kunstrasen verfügt, gibt ihn freiwillig normalerweise nicht mehr her. In Bochum muss er das. Hier will das Sportamt für Gerechtigkeit in den Wintermonaten sorgen, wenn viele Rasen- und Aschenplätze gesperrt sind, und schickt die Teams zum Nachbarn. So viel zur Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus: Gibt es ein Gerangel um die Plätze und müssen Teams sogar ein Nachttraining absolvieren, weil die Kunstrasenplätze völlig überfüllt sind? RevierSport online hat nachgefragt.

Bochum: Kunstrasenkonzept soll Gleichberechtigung garantieren

In der Praxis nach wie vor Defizite

Desirée Kraczyk
26. November 2008, 20:17 Uhr

Wer über einen Kunstrasen verfügt, gibt ihn freiwillig normalerweise nicht mehr her. In Bochum muss er das. Hier will das Sportamt für Gerechtigkeit in den Wintermonaten sorgen, wenn viele Rasen- und Aschenplätze gesperrt sind, und schickt die Teams zum Nachbarn. So viel zur Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus: Gibt es ein Gerangel um die Plätze und müssen Teams sogar ein Nachttraining absolvieren, weil die Kunstrasenplätze völlig überfüllt sind? RevierSport online hat nachgefragt.

Jutta Nicolaus vom Sport- und Bäderamt hat eine ganz eigene Meinung in Bezug auf die Kunstrasenanlagen-Besitzer. "Diese Vereine lachen sich ins Fäustchen, weil sie ungestört trainieren können. Es ist auch eine Art Wettbewerbsverzerrung", sagt Nicolaus. Und hat reagiert. Damit sich die Benachteiligungen und Beschwerden in Grenzen halten, hat sich die Stadt Bochum etwas einfallen lassen. Das so genannte Kunstrasenkonzept greift erstmals seit dieser Saison. "Alle 18 Kunsrasenplätze wurden von uns neu vergeben. Jeder Verein verfügt über einen Plan, der ihnen zumindest eine Trainingseinheit in der Woche garantiert", erklärt die Initiatorin Nicolaus. Die jeweilige Ligazugehörigkeit und das damit verbundene Leistungsniveau werden ebenso berücksichtigt.

Einfach war die Aufteilung nicht, denn im Norden Bochums gibt es mehr Kunstrasenanlagen als im Süden. "Es soll natürlich vermieden werden, dass die Teams durch die ganze Stadt fahren müssen", betont Nicolaus. Die Verantwortlichen müssen genauso wie die Klubs noch ihre Erfahrungen mit dem System sammeln. Die erbosten Anrufe blieben aber bisher aus: "Ich bin selbst darüber verwundert, dass es anscheinend noch keine Probleme gab." An der Abstimmung zwischen den Vereinen soll allerdings noch etwas gepfeilt werden.

RevierSport online hat sich in der Praxis umgehört: Wie bereiten sich die durch die Platzsperrung Bertroffenen auf ihr Meisterschaftsspiel am Sonntag vor? Wird durch das Konzept Gleichberechtigung gewährleistet?

Jamal El Hassani (Trainer SV Phönix Bochum, Rasenplatz):

Gestern sind wir zunächst 45 Minuten gelaufen, anschließend sind wir aus Eigeninitiative nach Gelsenkirchen gefahren und haben in der Halle trainiert. Für Donnerstag wurde uns der Kunstrasen in Hordel zugeteilt. Am Wochenende spielen wir gegen Rasensport Weitmar, die über einen eigenen Kunstrasen verfügen und dementsprechend drei Einheiten absolvieren können. Ich glaube nicht, dass die Nachteile durch dieses Konzept behoben werden. Freiwillig schränken sich die Vereine in ihrem Trainingsbetrieb nicht ein.

Carsten Eversberg (Spielertrainer SV Teutonia Riemke, Aschenplatz):

Am Dienstag haben wir eine Laufeinheit im Stadtpark eingeschoben. Für morgen hat uns freundlicherweise unser Nachbar Adler Riemke die Anlage zur Verfügung gestellt. Von dem Verteilungsplan der Stadt ist mir bisher nichts bekannt. Sicherlich sind wir im Spielbetrieb stark benachteiligt. Es ist traurig, dass wir keinen Kunstrasen haben und ich glaube auch nicht, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird. Die Gelder werden nun für die Fußball Frauen-Weltmeisterschaft und damit für das Rewirpowerstadion benötigt.

Dieter Mondroch (stellvertretender Vorsitzender TuS Hordel, Kunstrasen):

Unser Kunstrasen wird bereits seit längerem von anderen Vereinen mitgenutzt, unter anderem Wattenscheid 09 und Betriebssportlern. Eine weitere Belastung ist kaum möglich, da wir zudem auch sehr viele Jugendmannschaften haben. Natürlich achten wir darauf, dass unser Betrieb normal aufrecht erhalten wird und wir uns nicht einschränken müssen. Der eigene Verein hat Vorrang. Dafür spielen unsere Mannschaften zudem zu hochklassig. In den letzten Tagen haben wir aber auch keine Anfragen erhalten. Eine weitere Platznutzung wäre lediglich vormittags möglich.

Wolfram Heger (Geschäftsführer SW Eppendorf, Kunstrasen):

Der Kunstrasen wird während der Platzsperre von vier weiteren Vereinen genutzt, unter anderem Höntrop 80 und Hasretspor. Die Senioren von Eppendorf haben Dienstag und Donnerstag Training, am Mittwoch und Freitag können die anderen auf die Anlage. Ich halte das Konzept der Stadt Bochum für einen guten Ansatz. Ich verstehe das Problem. Die SWE-Arena ist außerdem ein städtischer Platz und wir zahlen dementsprechend alle die Steuern.

Autor: Desirée Kraczyk

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