Immer wenn man meint, es geht nicht schlimmer, dann passiert es doch:

2. Liga: Kaiserslautern feiert Schützenfest gegen Rostock

Schlünz: "Team fiel auseinander"

Oliver Gerulat
17. November 2008, 22:23 Uhr

Immer wenn man meint, es geht nicht schlimmer, dann passiert es doch:

Das merkte Rostock beim Gastspiel in Kaiserslautern, das mit einem kapitalen 0:6 (0:3) in die Hansa-Hose ging. Kaiserslauterns Coach Milan Sasic strahlte: "Alles hat gepasst. In Durchgang eins hatten wir es mit einem spielerisch starken Gegner zu tun." Nach dem Wiederanpfiff stand nur noch eine Schießbude als Gegner auf dem Feld. Rostocks Verantwortlicher Juri Schlünz: "Das war eine Strafe. Bei Standards haben wir uns dumm angestellt, das war ganz schwach. Die Akteure müssen einmal scharf darüber nachdenken, was sie angerichtet haben."

Die Teufel machen Zweitliga-Primus Mainz 05 nach dem Heimerfolg als Verfolger mit einem Punkt Rückstand als Zweiter höllisches Tabellen-Feuer, während Rostock nach fünf sieglosen Matches als 14. ungemüdlich logiert. Schlünz: "Mit der aktuellen Punkteausbeute sind wir dicht an den Abstiegsplätzen. Es gibt nur den Blick nach unten."

Kevin Schindler, von Bremen an Rostock ausgeliehen, wollte nicht widersprechen: "Ich denke, dass ist Abstiegskampf. Wir müssen uns auf unten konzentrieren." Kai Bülow musste das abnicken: "Das geht gar nicht. Wir kriegen es nicht gebacken. Wir präsentieren uns wie ein Absteiger."

Srdjan Lakic prägte durch seine beiden Tore (8. 45.) den ersten Durchgang: Der Kroate markierte durch zwei Kopfballtore seine Saison-Erfolgserlebnisse sieben und acht. Nach dem Seitenwechsel hatte Erik Jendrisek (54.. 83) nach sechs Spielen ohne eigenen Treffer seinen zweifachen Auftritt, dazu durfte auch Kanadas Nationalspieler Josh Simpson "doppeln" (69., 76.). Simpson war nach über fünfmonatiger Verletzungspause und zwei Kurzzeiteinsätzen überglücklich: "So will ich das. Das war für meinen Kopf perfekt."

Der zwischenzeitliche rote Abgang von Hansas Heath Pearce (64.) war für die Ostdeutschen auch nicht förderlich, was auch für den verschlampten Foulelfmeter von Kapitän Enrico Kern galt, den FCK-Keeper Luis Robles (72.) meisterte. Rostocks Manager Herbert Maronn: "Ich bin total geschockt. Die Mannschaft hat alles verkehrt gemacht, was man im Fußball verkehrt machen kann. Das muss ich erst einmal verdauen."

Und parallel muss der Mann noch einen neuen Coach suchen, denn Schlünz macht den Job nur übergangsweise. Es ist die dritte Interims-Zeit des Urgesteins nach den Perioden 7. Juli bis 19. September 2000 und 2. Dezember 2001 bis 2. Januar 2002. Vom 15. Oktober 2003 bis 14. November 2004 war er Cheftrainer.

Schlünz: "Es kann durchaus sein, dass ich auch beim nächsen Match noch auf der Bank sitze." Keine Sorgen, die den Pfälzern in dieser Form aktuell bekannt sind. Vorstands-Chef Stefan Kuntz konnte zufrieden "die richtigen Handlungen zum richtigen Zeitpunkt" bilanzieren. Gleichzeitig forderte der Ex-Nationalspieler aber auch "die nächste Reaktion in einem Auswärtsspiel."

Das am Sonntag, 23. November, in Augsburg ansteht, während Rostock Montag, 24. November, ab 20.15 Uhr das gleichfalls taumelnde 1860 München empfängt: Ein Krisen-Gipfel. Maronn: "Wir dachten, die Truppe könnte den Schalter umlegen, aber davon war nichts zu sehen, das war desolat." Gegen die Löwen darf die Kogge nicht wieder sinken. Schlünz: "Wenn man mit dem Anspruch nach Kaiserslautern fährt, etwas zu holen, dann kann man nicht kurz vor der Pause stehen bleiben. Alle gucken sich an. Das ist schlechtes Niveau."

Der 47-Jährige legte bereitwillig nach und bescheinigte: "Wir haben Akteure, die haben schon Bundesliga gespielt, davon hat man nichts gesehen." Dafür registrierte nicht nur der Mann mit den meisten Hansa-Pflichtspieleinsätzen, dass "das Team auseinander fiel, das war bedenklich." Kaiserslautern konnte dafür auf eine beeindruckende Statistik verweisen: Von acht Matches zuhause wurden sieben gewonnen, eines endete Remis. Basis für den Spitzenkampf.

Autor: Oliver Gerulat

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