Wenn schwerwiegende Verletzungen im Profi- sowie Amateurfußball den Sport blitzartig zur Nebensache werden lassen, beginnt für den Betroffenen meist eine lange Leidenszeit. RevierSport online hat sich einigen Beispielen gewidmet und nachgefragt: Wie ging es nach der Verletzung weiter? Teil 1: Ein Karate-Tritt ins Gesicht und 1000 Euro Schmerzensgeld.

Serie: Brutale Verletzungen und ihre Folgen

"Ich dachte, ich verliere mein Augenlicht!"

Patrick Ryg
12. November 2008, 16:32 Uhr

Wenn schwerwiegende Verletzungen im Profi- sowie Amateurfußball den Sport blitzartig zur Nebensache werden lassen, beginnt für den Betroffenen meist eine lange Leidenszeit. RevierSport online hat sich einigen Beispielen gewidmet und nachgefragt: Wie ging es nach der Verletzung weiter? Teil 1: Ein Karate-Tritt ins Gesicht und 1000 Euro Schmerzensgeld.

Es geschah in der Partie der B-Kreisligisten VfB Langendreerholz und SF Durcholz. Nach einem langen Ball stürmte VfB-Torhüter Ruben Grote aus seinem Kasten um den Ball mit dem Kopf zu klären. Doch anstelle des Balls trifft ihn das gestreckte Bein des übermotivierten Stürmer voll im Gesicht. "Im ersten Moment dachte ich, dass ich mein rechtes Auge verlieren müsste", erinnert sich Grote an das schreckliche Foul.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/005/621-5705_preview.jpeg Ruben Grote nach dem Tritt.[/imgbox]
Der Torhüter wurde umgehend ins Krankenhaus eingeliefert und musste dort mit 16 Stichen genäht werden. "Der Spieler hat mich lange gesehen, lief auf mich zu und hätte die Aktion ohne Probleme verhindern können", erklärte er später und zeigte den Akteur der SFD sogar an (RS Online berichtete).

Kurz nach der Attacke kam Grote ins Grübeln. "Ich habe ernsthaft überlegt, ob es sich dafür lohnt weiter Fußball zu spielen", gibt er ein Jahr später zu. Denn letztlich hatte der Torhüter Glück im Unglück, denn die Ärzte erklärten ihm später, dass er durchaus das Augenlicht auf dem rechten Auge, hätte verlieren können. "Da fehlten nur Zentimeter", fügt Grote hinzu.

Doch der junge Schlussmann erwies sich als "harter Hund" und kehrte zwei Wochen später zurück in den Kasten seines VfB. Dennoch blieb seitdem die Angst in ähnlichen Situationen. "Daraus habe ich gelernt und halte mich in brenzlichen Situationen eher zurück", sagt er über die Folgen des Zusammenpralls.

Eine Entschuldigung des Übeltäters hat es bis heute nicht gegeben und auch von den zugesprochenen 1000 Euro Schmerzensgeld hat Grote lange nichts gesehen. Erst jetzt, fast ein Jahr nach dem Vorfall und dem Gerichtsurteil, hat Grote die ersten 300 Euro erhalten. "Es hieß immer, er hat kein Geld und kann dafür nicht aufkommen", erklärt er den mageren Betrag des Angeklagten.

Seine schnelle Rückkehr hat sich jedoch bezahlt, denn Grotes Team ist in der Kreisliga B 3 das Non-Plus-Ultra und führt die Tabelle mit 36 Punkten aus 12 Spielen eindrucksvoll an. Der Aufstieg ist das erklärte Ziel des VfB und scheint durchaus plausibel. Maßgeblich daran könnte auch Grote sein, der seinem Team derzeit allerdings wieder fehlt. "Ich habe einen Kreuzbandriss", klagt er über die Verletzung, die er deutlich besser vertragen kann als die Risswunde und Blutergüsse, die sein Gesicht vor einem Jahr entstellten.

Autor: Patrick Ryg

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