Nach 27 Minuten war alles anders beim WSV. Aber es war nicht etwa besser, weil Marcel Reichwein zum 1:0 eingenetzt hatte, sondern einfach nur noch peinlich.

WSV: Chaoten provozierten beinahe Spielabbruch

Rauchbomben und Holzlatten

09. November 2008, 16:22 Uhr

Nach 27 Minuten war alles anders beim WSV. Aber es war nicht etwa besser, weil Marcel Reichwein zum 1:0 eingenetzt hatte, sondern einfach nur noch peinlich.

Denn ein paar Unverbesserliche nutzten den Jubel nach dem Führungstreffer, um zunächst Rauchbomben im WSV-Block zu zünden und dann auch noch zwei Leuchtraketen in den Strafraum von Keeper Christian Maly zu schießen. "Ich möchte das eigentlich unkommentiert lassen, das ist einfach idiotisch", betont der Schlussmann, der die brennenden Fackeln an die Feuerwehrleute übergab.
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Es sollte seine letzte Aktion für die kommenden 18 Minuten gewesen sein, denn so lange unterbrach Schiedsrichter Christian Leicher die Partie. In dieser Zeit zog es zunächst Teamkoordinator Markus Bayertz, dann den Sportlichen Leiter Carsten Pröpper und schließlich Präsident Friedhelm Runge an den Zaun. Der WSV-Boss appellierte per Megaphon der Ultras an die Anhänger sich zu beruhigen. Die hatten sich bis auf die Übeltäter auch im Griff.

Im Gegensatz zu Michael Stuckmann, der in seiner ersten Wut in eine Werbebande trat. Die Beschädigung wurde erst sichtbar, als sich der Nebel im Strafraum legte. Und auch Marcel Reichwein war stinksauer: "Das war ein absoluter Bärendienst, den uns da ein paar Leute erwiesen haben. Wir waren gut im Spiel. Das hat uns aus dem Tritt gebracht, danach ist das Match ein bisschen gekippt."

Doch Leitwolf Tim Jerat warnt davor, die Wuppertaler Anhänger in "Sippenhaft" zu nehmen. "Es waren einzelne, die die Leuchtraketen gezündet haben. Die Fans insgesamt zu kritisieren, wäre falsch." Dennoch war auch Jerat sichtlich geschockt angesichts der Tatsache, dass die Brennkörper in der Nähe von Maly aufschlugen: "Wenn eigene Spieler verletzt werden, das wäre der Super-GAU. Das Risiko müsste den einzelnen Leuten schon bewusst sein."

Dabei stellt sich die Frage, wie die Täter ihre "Munition" überhaupt ins Stadion schmuggeln konnten. Schließlich stand das Derby unter erhöhtem Sicherheitsaufwand, der DFB entsandte mit Hans Florin extra einen Beobachter. Der schaute sich vor dem Anpfiff anderthalb Stunden lang die neuralgischen Punkte in der Arena an – gemeinsam mit Wuppertals Sicherheitsbeauftragtem Thomas Schmidt. Der erklärte später: "Das war völlig überraschend für uns. Damit haben wir nicht gerechnet. Das hat uns kalt erwischt. Ich will es nicht beschönigen, aber das ist Fußball. Das kann man nicht steuern, es gibt immer wieder die eine oder andere Person, die da ausreißt. Das muss man hinnehmen."

Jedoch ist damit zu rechnen, dass der Verband zu drakonischen Strafen greift, sobald das Bildmaterial ausgewertet worden ist. "Die Höhe der Geldstrafen ist deutlich angezogen worden", weiß Schmidt.

Und es kommt noch schlimmer: Bereits vor der Partie hielt die erste Rheinbahn, die um 12.30 Uhr an der Arena ankam, fälschlicherweise nicht am Europaplatz vor dem Gästeblock, sondern mitten im Fortuna-Bereich. Nach RS-Informationen nutzten etwa 150 WSV-Chaoten die Fehlplanung – verbunden mit der Abstinenz von Polizeikräften – um mit Zaunlatten und Bierflaschen Jagd auf Düsseldorfer Fans zu machen.

Die Folge: Drei schwerverletzte Personen im Alter von 16 bis 40 Jahren. "Aufgrund dieser Verkettung war es ein leichtes Spiel für die Wuppertaler, wir waren völlig überrascht", erklärte Fortuna-Fanbetreuer Jörg Emgenbroich, der sich mitten im Geschehen befand. Sein Zusatz: "Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht viele Düsseldorfer vor Ort."

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