Als sich der Schalker Mannschaftsbus am Mittwoch-Morgen um zehn Uhr in Richtung Kassel auf den Weg machte, war für Chef-Trainer Jupp Heynckes das UI-Cup-Heimspiel gegen Vardar Skopje noch kein Thema.

SCHALKE - Zwei Brasilianer die Stars in Skopje

hb
17. Juli 2004, 15:55 Uhr

Als sich der Schalker Mannschaftsbus am Mittwoch-Morgen um zehn Uhr in Richtung Kassel auf den Weg machte, war für Chef-Trainer Jupp Heynckes das UI-Cup-Heimspiel gegen Vardar Skopje noch kein Thema.

Als sich der Schalker Mannschaftsbus am Mittwoch-Morgen um zehn Uhr in Richtung Kassel auf den Weg machte, war für Chef-Trainer Jupp Heynckes das UI-Cup-Heimspiel gegen Vardar Skopje noch kein Thema. „Wir sind erst am Montag aus dem Trainingslager zurück gekommen. Ich hatte bisher noch keine Zeit, mich mit dem Gegner von Samstag zu beschäftigen“, gibt der 59-jährige Fußball-Lehrer zu.

Erst am Donnerstag kam Heynckes dazu, sich mit den Qualitäten des mazedonischen Vorzeige-Clubs auseinander zu setzen. Das gemeinsam mit Scout Uwe Scherr, der Skopje an den vergangenen beiden Wochenenden in den Duellen mit dem belgischen Vertreter KAA Gent beobachtete. Vardar hatte sich in der ersten Intertoto-Runde gegen Zyperns Ethnikos Achnas jeweils mit 5:1 durchgesetzt. Nach einem 1:0 in Skopje musste am vergangenen Samstag in Gent ein 4:3-Sieg im Elfmeterschießen her, um sich für den Auftritt in der Arena zu qualifizieren.

Das Weiterkommen verdankt der Verein vom Balkan in erster Linie Oliveira Dos Santos Vandair. Der 24-jährige Brasilianer hat sieben von bisher elf UI-Cup-Treffer für Skopje erzielt. Dos Santos ist einer von insgesamt vier Ausländern im Team von Trainer Gildo Rodriguez, der erst im April den Posten seines Vorgängers Toni Jakimovski übernahm und den Vorjahres-Meister auf Platz drei in der Abschluss-Tabelle führte. Rogerio Da Costa (28) kommt wie Vandair und der 64-jährige Coach ebenfalls vom Zuckerhut. Abwehrspieler Bless´ng Chiendu Anyanviu (27) ist Nigerianer, Torwart Velimir Zdravkovic (30) stammt, wie S04-Neuzugang Mladen Krstajic, aus Serbien-Montenegro.

Neben Vandair und Zdravkovic gehören Kapitän Nikola Djoševski und Nationalspieler Aleksander Vasovski zu den Stützen der Mannschaft. Ideengeber für die beiden Goalgetter Vandair und Da Costa ist Vlatko Grozdanovski, ebenfalls mazedonischer Auswahl-Kicker.

Der bekannteste Vardar-Spieler aller Zeiten ist Darko Pancev, der sechs Jahre für Skopje spielte, ehe er 1988 zu Roter Stern Belgrad wechselte und dort 1991 den Europapokal der Landesmeister gewann. Aus Skopje kommt auch Sasa Ciric. Der Angreifer, der für Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg 42 Bundesligatore erzielte, traf in der Saison 1992/93 36 Mal für seinen Heimat-Verein. Ältere S04-Fans werden sich dagegen sicher noch an Dragan Mutibaric erinnern. Der Mazedonier trug in der Saison 1975/76 das Torwart-Trikot des FC Schalke, kam jedoch an Norbert Nigbur nicht vorbei und bestritt lediglich zwei Bundesligaspiele.

Seine Heimspiele trägt der 1947 gegründete Verein im Stadion Gradski aus, das 25.000 Zuschauer fasst, davon 18.000 Sitzplätze. Im vergangenen Jahr scheiterte Skopje in der Qualifikation zur Champions League an Sparta Prag und schied dann in der ersten Runde des UEFA-Cups gegen AS Rom aus. „Ich kann den Gegner noch nicht einschätzen, aber wir müssen versuchen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Für uns zählt nur, dass wir eine Runde weiter kommen“, macht Heynckes klar.

Voraussichtliche Aufstellungen:
Schalke: Rost – Kläsener, Waldoch, Krstajic – Oude Kamphuis, Vermant, Kobiashvili – Altintop, Lincoln (Böhme) – Asamoah, Ailton
Skopje: Zdravkovic – Dosevski, Vasoski, Anyanviu – Grozdanovski, Trajcev, da Costa, Serafimovski, dos Santos – Taševski, Markoski
SR: Milan Sedivy (Tschechien)

Nachgefragt
Jupp Heynckes, wo steht Ihre Mannschaft am Tag vor dem ersten Pflichtspiel?
Noch mitten in der Testphase. Wir haben jetzt gut zwei Wochen absolviert, aber bisher ist es nicht die Vorbereitung, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Drei Spieler sind in Südamerika, einer in der Schweiz und zwei noch im Urlaub. Zudem konnten Mladen Krstajic und Mike Hanke fast eine komplette Woche nicht richtig trainieren.

Dennoch werden die Fans am Samstag einen klaren Schalker Sieg erwarten.
Das warten wir erst einmal ab. Wir wollen zu Null spielen, um eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel zu haben. Damit wäre ich schon zufrieden. Es ist verständlich, dass die Zuschauer ein Spektakel wünschen, aber wichtig ist das Weiterkommen.

Ab dem Halbfinale drängen sich die Termine. Drei Tage vor dem Bundesliga-Auftakt in Bremen müssten Sie nach Dänemark oder Litauen. Eine zu große Belastung vor dem eigentlichen Saison-Start?
Darin sehe ich kein Problem. Bisher haben wir sehr viele Spiele mit nicht so vielen Spielern absolviert. Aber am Sonntag sind Ebbe Sand und Christian Poulsen wieder zurück, mit den beiden Uruguayern ist auch in den nächsten Tagen zu rechnen. Bei Marcelo Bordon und Michael Delura müssen wir dagegen abwarten, wie weit sie kommen. Die personelle Situation sieht aber dann weitaus besser aus.

Nachgefragt
Jörg Böhme, wie sehen Sie Ihre Chancen auf einen Stammplatz in der ersten Schalker Elf?
Bisher habe ich die meisten Testspiele mitgemacht, daher gehe ich davon aus, dass ich dabei bin. Die Konkurrenz ist zwar groß, aber ich habe mich optimal vorbereitet und fühle mich sehr gut.

Trainer Jupp Heynckes hat Sie von der linken Außenbahn mehr in die Zentrale gezogen. Schmeckt Ihnen die Position?
Ich laufe da auf, wo der Trainer mich hin stellt. Wir spielen ein 3-5-2-System mit zwei offensiven Mittelfeld-Leuten hinter den Spitzen, wovon ich oft der linke Part war. Ich habe in den letzten sechs Jahren immer linker Flügel gespielt, davon vier Jahre auf Schalke. Das ist eine Umstellung für mich, aber die Vorbereitung ist dafür da, um etwas auszuprobieren.

Wie kommen Sie mit Ailton zurecht?
Keine Probleme! Toni ist ein ähnlicher Typ wie Emile Mpenza, mit dem hat es super funktioniert. Warum sollte es nun anders sein?

Was dürfen die Fans am Samstag erwarten?
Einen Sieg! Unabhängig davon, gegen wen es geht. Unser Ziel ist der Einzug in den UEFA-Cup, alles andere wäre ein Rückschlag.

Autor: hb

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