Mitten in die Diskussion um die Anschaffung von sogenannten Nacktscannern an Flughäfen hat der FC Schalke mit einer etwas anderen Form der Leibesvisitation auf sich aufmerksam gemacht.

Schalke: Kritik am rigorosen Vorgehen gegen PSG-Fans ungerechtfertigt

Die Verhältnismäßigkeit der Mittel

30. Oktober 2008, 08:30 Uhr

Mitten in die Diskussion um die Anschaffung von sogenannten Nacktscannern an Flughäfen hat der FC Schalke mit einer etwas anderen Form der Leibesvisitation auf sich aufmerksam gemacht.

Vor dem UEFA-Cup-Match am vergangenen Donnerstag gegen Paris St. Germain musste sich ein Teil der als gewaltbereit eingestuften Gästeanhänger bis auf die Unterhose ausziehen. "Das Spiel gegen PSG ist von Anfang an von der UEFA und den Sicherheitsbehörden als Hochrisikospiel eingestuft worden", erläutert Schalkes Sicherheitschef Volker Fürderer die ungewöhnliche Maßnahme.

"Hintergrund dafür ist das Verhalten der Pariser Fans, und zwar nicht nur in der eigenen Liga, sondern gerade auch in den Europapokalspielen. Dazu gab es seitens der französischen sowie der deutschen Polizei Erkenntnisse, dass gerade das Spiel auf Schalke zum Anlass für Gewalttaten genommen werden könnte. Es waren auch viele Fans der sogenannten Kategorie C, zu der die gewaltbereiten Fans zählen, nach Schalke unterwegs", betont der Geschäftsführer der S04-Stadionbetriebsgesellschaft.

Amar, der auf Schalke dabei war und nur seinen Vornamen nennen will, sagt: "So etwas haben wir als PSG-Fans noch nicht erlebt. Wir wissen, dass wir in Europa bekannt ist. Aber nur weil es einige Aggressive gibt kann man nicht den gesamten Fanblock so behandeln - das erinnert ja an ganz andere Zeiten in Deutschland. Das ist doch illegal." Schalkes Pressesprecher Gerd Voss hingegen erklärt im Gespräch mit RevierSport, warum Verein und zuständige Behörden diese Maßnahmen getroffen haben.

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Gerd Voss, die Vorfälle rund um das UEFA-Cup-Heimspiel gegen Paris St. Germain beschäftigen auch noch eine Woche nach dem Match die Fanszenen. Warum hat Schalke die Gäste aus Frankreich wenig herzlich empfangen?

Uns lagen nach Rücksprache mit der örtlichen und der französischen Polizei sowie deren szenekundigen Beamten Erkenntnisse vor, dass die Pariser Fanszene mit vielen rechtsgerichteten Personen in ihren Reihen sehr gewalttätig sei und gerne mit Pyrotechnik arbeitet. In der Vergangenheit hat es auch schon demolierte Autos und Stadien und sogar einen Todesfall bei einer Auseinandersetzung gegeben. Außerdem hatten wir Informationen über sogenannte Drittortverabredungen, das heißt, Treffen in einer Nachbarstadt mit dem Ziel körperlicher Auseinandersetzungen. Daher haben wir nach deutlicher Empfehlung der Polizei am Gästeeingang sehr intensive Einlasskontrollen mit umfangreichen Leibesvisitationen durchgeführt und dabei sechs Einzelkabinen aufgestellt, in denen 100 bis 150 von den PSG-Fans sehr genau überprüft wurde.

In diversen Fanforen wird das restriktive Vorgehen sogar als Eingriff in die Privatsphäre bezeichnet. Ist der Vorwurf gerechtfertigt?
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/008/870-9189_preview.jpeg Schalkes Pressesprecher Gerd Voss (Foto: firo).[/imgbox]
Man muss immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel prüfen. Und das ist alles andere als leicht. Wir haben jedoch 50.000 Zuschauer in der Arena, deren Sicherheit wir garantieren müssen. Dass wir diese intensiven Kontrollen durchgeführt haben, ist alles andere als schön und wir sind nicht stolz darauf, Gäste so zu empfangen. Aber das war eine ungewöhnliche, sehr seltene Aktion und ist in sieben Jahren bei rund 170 Spielen in der Arena erst das zweite Mal vorgekommen. Es ist auch nicht der Fall, dass sich alle 1200 Pariser Fans ausziehen mussten und alle kontrolliert worden sind. Auch bei den Stichproben gab es übrigens Empfehlungen der französischen Polizei.

Dennoch kam es zu Zwischenfällen im Gästeblock, in der zweiten Halbzeit wurde Rauchpulver gezündet. Ist das Sicherheitskonzept nicht ganz aufgegangen?

Doch! Wenn man sieht, dass rund um das Spiel bis auf diese Geschichte nichts passiert ist, hat uns diese Maßnahme Recht gegeben. Denn nachdem die ersten Fans gemerkt haben, dass die Kontrollen derart intensiv waren, setzte rege Handytätigkeit ein. Man informierte sich untereinander und es wurde aus Solidarität mit den Fans, die noch draußen waren, vereinbart nicht ins Stadion zu gehen. So hat sich der Gästeblock während des Spiels auch sehr langsam gefüllt. Übrigens haben wir bei den Kontrollen unter anderem 29 Messer gefunden. Da frage ich mich schon, warum man die mit ins Stadion nimmt und überhaupt mit sich rumträgt.

Würde Schalke wieder so vorgehen, wenn der Verdacht auf ein Sicherheitsrisiko bestünde?

Noch einmal: Das war keine Aktion, die wir gerne machen. Wir wünschen auch nicht, dass dies unseren Fans im Ausland widerfährt. Man muss aber sagen, dass sich unsere Anhänger in den vergangenen Jahren gerade im Ausland unterm Strich vorbildlich verhalten und sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, obwohl auch sie teils mit verschärften Maßnahmen gegen sich klarkommen mussten, zuletzt noch im Spiel bei Atletico Madrid. Wir werden das hier nicht bei jedem Verein so durchführen, aber diesmal war es sicher die richtige Entscheidung. Auf der anderen Seite: Was wäre passiert wenn zum Beispiel aus dem Pariser Fanblock bengalische Fackeln in die angrenzenden Zuschauerränge geworfen worden wären? Dann hätten wir uns weitaus unangenehmeren Fragen stellen müssen. Nämlich denen, warum wir trotz einer klaren Erkenntnislage nicht intensiver kontrolliert haben.

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