Derby-Fieber am DFB-Pokal-Dienstag

er
28. Oktober 2003, 21:29 Uhr

Der 1. FC Nürnberg kämpft heute mit Titelverteidiger FC Bayern um die Vormachtstellung im Süden. Im Norden stehen sich Werder Bremen und der VfL Wolfsburg sowie der FC St. Pauli und Zweitligist VfB Lübeck gegenüber.

Nachbarschafts-Rivalitäten besitzen einen sportlich besonders reizvollen Aspekt. Es geht um die Vormachtstellung in der Region, und wo sonst ließe sich dieser Ehrgeiz intensiver ausleben als im Pokalwettbewerb. Die zweite DFB-Pokalrunde steht heute ganz im Zeichen von brisanten Derbys. In drei der sechs Partien (alle 19.30 Uhr) stehen sich lokale Kontrahenten im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale gegenüber. Während sich im Norden der Kiezklub FC St. Pauli und Zweitligist VfB Lübeck sowie Werder Bremen und der VfL Wolfsburg messen, will sich Titelverteidiger Bayern München im Süd-Gipfel gegen den 1. FC Nürnberg keine Blöße geben.

"Wir werden die Nürnberger sicher nicht unterschätzen, denn wir wollen wieder nach Berlin ins Finale. Das ist unser großes Ziel im Pokal-Wettbewerb", erklärte Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel gegen den Zweitligisten Olympiastadion. Obwohl die Profis des Rekord-Pokalsiegers nach dem deutlichen 4:1-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga mit großem Selbstvertrauen in die Begegnung gehen können, warnt Hitzfeld vor den Franken: "Das wird verdammt schwer und kein Selbstläufer. Coach Wolfgang Wolf hat eine gute Mannschaft, die sicher auch wieder aufsteigen wird."

Wenn die Bayern wollen, hält sie nichts auf

Der Trainer der Nürnberger, der nach einer langen sportlichen Durststrecke (sieben Spiele ohne Sieg) und den Querelen um Präsident Michael A. Roth am vergangenen Freitag beim 3:2-Erfolg über Jahn Regensburg in der zweiten Liga endlich wieder einmal Grund zum Jubeln hatte, ist sich allerdings trotz des Lobes von Hitzfeld über die krasse Außenseiterrolle seiner Mannschaft im Klaren. "Wir schenken nichts her. Aber wenn die Bayern wollen, hält sie nichts auf", meinte Wolf pessimistisch.

Auf Grund der mangelnden Erfolgsaussichten erwägt der Nürnberger Coach sogar, einige Leistungsträger für den Kampf um den Bundesliga-Aufstieg zu schonen. Bei den Bayern könnte dagegen Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl nach einer mehrwöchigen Verletzungspause (Muskelfaserriss) sein Comeback feiern, auch wenn Hitzfeld noch nicht von der Fitness des 33-Jährigen überzeugt ist: "Scholls Kraft reicht nicht für 90 Minuten."

Im Gegensatz zu den beiden bayerischen Klubs denken die Bremer Verantwortlichen vor dem Duell gegen Wolfsburg nicht an personelle Alternativen. Der Tabellendritte will mit seiner stärksten Mannschaft auflaufen. "Es kommt nicht in Frage, irgendwen zu schonen", sagte Sportdirektor Klaus Allofs. Deshalb wird voraussichtlich auch der angeschlagene französische Verteidiger Valerin Ismael (Wadenverhärtung) gegen die "Wölfe" auflaufen. Auf den Franzosen und die gesamte Defensivabteiling ist Torwart Andreas Reinke nach acht Gegentoren in den vergangenen drei Spielen allerdings nicht gut zu sprechen. "Wir müssen diese Abwehrfehler abstellen, sonst geht das gegen Wolfsburg schief. Ich habe keinen Bock mehr auf diese scheiß Gegentreffer", formulierte der Keeper und brachte damit seinen Frust trotz des jüngsten 4:2-Erfolgs beim SC Freiburg zum Ausdruck.

Alle DFB-Pokalspiele am Dienstag in der Übersicht: FC St. Pauli - VfB Lübeck; VfL Wolfsburg (A) - 1. FC Köln; Hansa Rostock - Hertha BSC Berlin; Werder Bremen - VfL Wolfsburg; Wacker Burghausen - VfB Stuttgart; Bayern München - 1. FC Nürnberg (alle ab 19.30 Uhr).

Autor: er

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