Waltrop: Kreisliga-Spiel endet für Eintracht-Spieler im Krankenhaus - Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt

„Mit solchen Leuten wollen wir nichts zu tun haben“

Thomas Ziehn
09. November 2006, 18:04 Uhr

Fußball ohne Emotionen? Undenkbar! Was wäre das Spiel mit dem runden Leder ohne leidenschaftliche Abseitsdiskussionen, ohne strittige Strafstoßentscheidungen und ohne Trainer am Spielfeldrand, die am liebsten mitkicken würden und ihren Gefühlen (manchmal) freien Lauf lassen? Was sich allerdings zwei Spieler von Gençlikspor Recklinghausen II am Sonntag in der Begegnung bei Eintracht Waltrop leisteten, ist weder durch überkochende Emotionen noch durch irgend etwas sonst zu entschuldigen. Sie schlugen einen Gegenspieler so heftig, dass dieser nahezu bewusstlos liegen blieb und mit einer Gehirnerschütterung und Gesichtsprellungen ins Krankenhaus musste. Revierkick.de fragte nach: [i]Was war da los?[/i]

Das Spiel wurde beim Stand von 4:2 für Waltrop abgebrochen und hat sowohl auf strafrechtlicher als auch auf Verbandsebene ein Nachspiel. Gençlikspor hat bereits reagiert und die beiden Aggressoren aus dem Verein geworfen. Revierkick.de fragte bei Guido Siekirka, dem Vorsitzenden von Eintracht Waltrop, Muharrem Gürbüz, Geschäftsführer bei Gençlikspor Recklinghausen und Markus Dröge, Geschäftsführer der Eintracht, nach: Was war da los?

Guido Siekirka (1. Vorsitzender Eintracht Waltrop):

"Die wichtigste Nachricht vorne weg: Dem Spieler geht es den Umständen entsprechend gut! Es sieht so aus, als hätte er Glück im Unglück gehabt. Er hat „nur“ Gesichtsprellungen und eine Gehirnerschütterung abgekommen. In der 60. Spielminute fing das Spiel langsam an, zu kippen. Bis dato war es ein normaler Sonntagnachmittag, an dem zwar viel gemeckert wurde, aber der bis zu diesem Zeitpunkt in keinerlei Weise gewalttätig war. Plötzlich sah ein Genclikspor-Spieler die Rote Karte, weil er den Unparteiischen der Begegnung auf heftigste Weise bedroht hatte. Schon da wollte der Schiedsrichter - aus Angst um seine eigene Sicherheit - die Partie abbrechen, ließ sich aber von den Recklinghäusern noch einmal überreden und pfiff nach fünfminütiger Unterbrechung noch einmal an. Trotz dieses Vorfalls hätte wohl keiner auf der Platzanlage auch nur ansatzweise mit dem gerechnet, was in der 70. Minute geschah. Nach einem Foulspiel beschwerte sich Daniel Bülhoff beim Schiedsrichter über die Entscheidung. Auf einmal gab es die berühmt berüchtigte Rudelbildung und unser Spieler Sascha Bögelholz wollte Daniel beschützen und aus dem Pulk heraus ziehen. Nur Augenblicke später prügelten gleich mehrere Gençlik-Spieler auf Sascha ein. Das Ganze dauerte nicht einmal zehn Sekunden, doch ehe wir auf dem Platz waren, lag Sascha schon benommen auf dem Boden. Wir standen alle unter Schock. Wir haben sofort den Notarzt und die Polizei verständigt. Sascha wurde dann ins Krankenhaus gebracht. Mittlerweile haben Saschas Arbeitgeber und er selber als Geschädigter Strafantrag gegen zwei Recklinghäuser Spieler wegen Körperverletzung eingereicht. Natürlich wird dieser Sonntag auch ein Nachspiel auf Verbandsebene haben. Wir warten jetzt erst einmal ab, was passiert.“

Muharrem Gürbüz (Geschäftsführer Gençlikspor Recklinghausen):

„Ich kann es auch mit ein paar Tagen Abstand nicht fassen. Noch immer bin ich wütend, traurig und sprachlos wegen der Szenen, die sich in Waltrop abgespielt haben. Unsere erste Mannschaft hat am Sonntag in unmittelbarer Nähe des Eintracht-Platzes beim VfB Waltrop gespielt. Ich nutzte die Zeit, um mir vorher noch Spiel der „Zweiten“ anzusehen, weil wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis zur Eintracht pflegen. Leider musste ich die Anlage zur zweiten Hälfte verlassen, aber bis dato gab es auch keine Anzeichen für einen derartigen Ausbruch an Gewalt. Wenig später rief mich einer der Betreuer dann an und erzählte mir, was passiert war. Nach einem Foulspiel soll ein Waltroper einem unserer Spieler den Ball an den Kopf geworfen haben. Im folgenden Handgemenge kam es dann zu den schlimmen Verletzungen von Sascha Bögelholz.

Um eines hier ganz klar zu sagen: Wir distanzieren uns aufs Schärfste von solchen Eskalationen. Das sind Dinge, die nicht auf den Fußballplatz gehören. Ich habe immer gedacht, dass solche Geschichten bei uns nicht vorkommen. Ich bin Beisitzer der Spruchkammer und erlebe Woche für Woche ähnliche Fälle. Da kann man oft nur mit dem Kopf schütteln. Selbst wenn ein Spieler von uns den Ball an den Kopf bekommen hat, rechtfertigt es nicht eine derartige Gewaltanwendung. Wir haben die beiden Spieler sofort und ohne Zögern aus dem Verein geworfen. Mit solchen Leuten wollen wir nichts zu tun haben. Uns gibt es seit 1994 und wir haben immer darauf geachtet, dass wir ein gut geführter Verein sind und vernünftige Spieler in den eigenen Reihen haben. Umso wütender macht mich dieses Vorkommnis. Solche Spieler machen den Ruf des gesamten Vereins kaputt. Ich habe mich direkt nach dem Spiel bei den Verantwortlichen von Eintracht Waltrop im Namen meiner Vorstandskollegen und im Namen aller vernünftigen Menschen bei Gençlikspor entschuldigt und dem Spieler alles Gute gewünscht. Gott sei Dank ist er auf dem Weg der Besserung.

Am Sonntagabend habe ich ernsthaft in Erwägung gezogen, die Mannschaft vom Spielbetrieb zurück zu ziehen. Ich habe mich gefragt, ob das noch Sinn hat, wenn sich solche Szenen in den eigenen Reihen abspielen. Ich bin, zusammen mit unserem Trainer, zu dem Entschluss gekommen, dass man nicht die gesamte Mannschaft für das Fehlverhalten von wenigen bestrafen kann. Ich hoffe, dass die beiden Gewalttäter für ihr Fehlverhalten in aller Härte zur Rechenschaft gezogen werden. Am nächsten Sonntag spielen alle drei Senioren-Mannschaften zu Hause. Ich werde die Gelegenheit nutzen und mit jedem einzelnen Spieler persönlich sprechen. Sollte ich noch einmal nur das kleinste Anzeichen einer solchen Explosion bei einem unserer Spieler beobachten, fliegt er raus. Das muss jedem klar sein, der für uns spielt. Selbst wenn ich am Saisonende nur noch eine Mannschaft beisammen habe - es wird keine Ausnahmen geben. Ich kämpfe hier um den guten Ruf von Gençlikspor Recklinghausen, der durch diese Aktion bereits genug gelitten hat.“

Markus Dröge (Geschäftsführer Eintracht Waltrop):

„Die Szene die zu dem Handgemenge geführt hat, habe ich gar nicht richtig mitbekommen. Alles ging so schnell. Als ich auf das Spielfeld blickte, sah ich Sascha schon auf dem Boden liegen. Da ich als OP-Pfleger arbeite, bin ich sofort zu ihm hingerannt. Mir war innerhalb von Sekunden klar, dass wir einen Krankenwagen holen mussten. Sascha war sehr benommen und kaum ansprechbar. Glücklicherweise ist nichts Schlimmeres passiert. Sascha hatte einen guten Schutzengel. Dass so etwas aber passiert, ist schrecklich. Es ist doch nur die C-Liga, wo es eigentlich freundschaftlich ablaufen sollte. Man spielt Fußball, gibt sich nach der Partie die Hand und trinkt dann ein Bier miteinander. Für so eine Tat gibt es keinerlei Rechtfertigung und die Täter gehören hart bestraft. Herr Gürbüz hat sich noch am selben Tag für das Verhalten der Krawallmacher entschuldigt. Er hat mir versprochen dafür zu sorgen, dass die Spieler auch vor der Spruchkammer umfassend zur Rechenschaft gezogen werden.“

Wie Revierkick.de erfuhr, wird der Vorfall voraussichtlich am 3. Dezember 2006 vor dem Sportgericht verhandelt.

Autor: Thomas Ziehn

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