Wirges und Aindling gegen die Bundesliga-Prominenz

29. August 2003, 17:15 Uhr

Traditionell bietet die erste Runde im DFB-Pokal wieder Stolpersteine in Hülle und Fülle für die deutschen Top-Teams. Ab dem heutigen Freitag gehört die große Bühne wieder Teams wie SW Rehden und dem FC Emmendingen.

Schon lange vor der ersten Partien im DFB-Pokal 2003/04 stand der erste große Gewinner fest: Das große Los Bayern München hat diesmal der saarländische Traditionsverein Borussia Neunkirchen gezogen. Der Oberligist, der in den 60er Jahren immerhin drei Jahre in der Bundesliga spielte, hat gute Erinnerungen an den Rekordmeister. Im Jahr 1964 kreuzten sich bereits die Wege der beiden Klubs in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Die Borussen sorgten durch einen 2:0-Erfolg über die Bayern dafür, dass den Münchnern der Weg in die Eliteklasse noch ein Jahr versperrt blieb, während sie ganz oben angekommen waren. "Wir waren das Dorf der Liga. Neunkirchen zählte damals gerade 30.000 Einwohner. Das Highlight ging bereits vor unserem erstem Spiel über die Bühne. Wir, die kleinen Borussen, gehörten der Bundesliga an. Die Bayern erst ein Jahr später. Allein dies war für die ganze Region schon ein Erfolg", erinnert sich Günter Kuntz, der Vater von Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz, an den Erfolg über den späteren Serienmeister.

Neunkirchen erwartet 23.000 Zuschauer

Rund 39 Jahre später rüstet sich der Regionalliga-Absteiger wieder für einen Fußball-Festtag gegen die Bayern vor 23.000 Zuschauern im bereits restlos ausverkauften Ellenfeldstadion. "Am Samstag kommt endlich der Weihnachtsmann. Das wird ein Fußballfest", erklärt Neunkirchens Präsident Gerhard Alsfasser überschwenglich. Dabei denkt der Klubchef in erster Linie nicht an einen sportlichen Erfolg gegen den übermächtig scheinenden Gegner, sondern an den gelungenen Rahmen: "Das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder ist phantastisch. Doch jetzt wird es wirklich Zeit, dass das Spiel endlich angepfiffen wird. Ab und an liegen bei dem Stress die Nerven blank."

Das Nervenkostüm nicht im Griff hatten offensichtlich auch die Verantwortlichen des Regionalligisten Kickers Offenbach vor dem mit Spannung erwarteten Derby gegen Eintracht Frankfurt. Der selbst ernannte Aufstiegsaspirant hat nach dem mäßigen Saisonstart mit sieben Punkten aus fünf Partien Trainer Ramon Berndroth entlassen und den Sportlichen Leiter Lars Schmidt als Nachfolger präsentiert. Der frühere Bundesliga-Profi des Karlsruher SC soll die Geschicke der Kickers bis zum Saisonende bestimmen und zeigt sich vor dem Derby zuversichtlich: "Ich trete den Job emotionsgeladen an und denke, dass ich noch einiges bewegen kann."

Lautern will wieder nach Berlin

Wie die Offenbacher träumen auch die anderen Amateurteams wie Wirges, Reutlingen, Emmendingen, Bergedorf, Ludwigsfelde und Oberneuland von der ganz großen Pokalsensation gegen einen Bundesligisten. Doch auch für die Klubs aus der Eliteklasse hat der Wettbewerb in den Zeiten wirtschaftlicher Sorgen an Attraktivität gewonnen. "Es hat uns in Berlin sehr gut gefallen und wir wollen wieder dahin", sagt Klubchef Rene C. Jäggi vom 1. FC Kaiserslautern vor dem Gastspiel des Pokalfinalisten beim Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig. Auch der Schweizer hat erkannt, dass der Pokal der kürzeste Weg ins internationale Geschäft und damit zu zusätzlichen Einnahmen ist.

Der Traum vom Uefa-Cup wäre dagegen beim TSV Gerbrunn dann doch zu verwegen, denn der fränkische Klub spielt in der neunten Liga. Noch nie zuvor in der Geschichte des DFB-Pokals hat ein Team aus der Kreisklasse am Wettbewerb teilgenommen. Ein Erfolg über das Zweitliga-Team von Wacker Burghausen wäre für Klubchef Günther Brückner demzufolge auch "das achte Weltwunder".

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