Auch nach dem siegreichen Match am Freitagabend gegen Alemannia Aachen ist und bleibt die Stimmung bei einigen „Fans“ des MSV Duisburg angespannt.

MSV: Online-Petition gegen Rudi Bommer – Team steht zum Trainer

Hübner: „Wochen der Wahrheit“

Andreas Gellert
22. September 2008, 08:12 Uhr

Auch nach dem siegreichen Match am Freitagabend gegen Alemannia Aachen ist und bleibt die Stimmung bei einigen „Fans“ des MSV Duisburg angespannt.

In Internetforen diskutieren die „Zebra“-Anhänger weiter über MSV-Trainer Rudi Bommer und fordern seine Entlassung.

Die eigens dafür verfasste Online-Petition (Offizieller Wortlaut der Online-Petition für die Entlassung von Rudi Bommer als Trainer des MSV Duisburg: „Wir – die Fans des MSV Duisburg – wollen und können es nicht mehr mit ansehen, wie unser Traditionsverein von den Herren im Vorstand und Trainerstab buchstäblich gegen die Wand gefahren wird. Die Unterzeichner fordern daher die Entlassung von Rudi Bommer.“), in der die „Fans“ direkt die Demission von Coach Rudi Bommer fordern, haben schon knapp 300 Anhänger virtuell unterschrieben.
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„Was soll ich dazu noch sagen?!“, fragt Bommer, „von außen bringen ein paar Fans Unruhe in die Mannschaft und in den Verein, die ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Wir haben nun mal einen jungen Kader mit vielen neuen Akteuren, die sich noch finden müssen. Das braucht Zeit, daher kommen auch mal so Matches wie gegen Wehen oder 1860. Aber Zeit haben diese Leute wohl nicht, deshalb brüllen sie gegen mich.“ Mannschaft und Spieler stehen aber zu ihrem Trainer.

Das 1:0 gegen Aachen war mehr als nur der folgende Torjubel: Es kam zu emotionalen Szenen, beinahe die gesamte Mannschaft stürmte mit Torschütze Cedrick Makiadi zu Trainer Rudi Bommer, bildete eine Traube um ihren Coach und feierte. Dies war ein klares Bekenntnis zum Trainer und eine große Geste an die „Fans“, welche die Entlassung fordern. Denen schmeckte diese Reaktion natürlich gar nicht. Sie skandierten trotz Führung „Bommer raus“. Selbst nach dem 2:0, sogar dem 3:0 forderten die vereinzelten Anhänger lautstark die Demission des MSV-Übungsleiters.

Als der Schlusspfiff ertönte, kam es endgültig zum Eklat. Ein gellendes Pfeifkonzert, begleitet von „Bommer raus“-Rufen, hallte durch die MSV-Arena. Nach kurzer Besprechung verweigerten die MSV-Spieler den Gang in die Fankurve. Sicher ärgerlich für die zahlreichen treuen MSV-Anhänger, aber gleichzeitig ein weiteres Ausrufezeichen für die negativ-skandierende Minderheit. Auch MSV-Präsident Walter Hellmich zeigte sich enttäuscht: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, hier alle MSV-Fans über einen Kamm zu scheren. Ich bin einfach nur maßlos enttäuscht über das Verhalten Einzelner. Aber das kann uns nichts anhaben. Wir stehen das gemeinsam mit Rudi Bommer durch.“

Die Stimmung im „Zebra“-Lager ist und bliebt auf dem Siedepunkt, die Positionen und Meinungen bei der Online-Petition allerdings klar formuliert: „Es wird höchste Zeit, dass man diesen Trainer entlässt! Er ist allerhöchstens ein durchschnittlicher Zweitligatrainer. Die letzte Saison hätte den Verantwortlichen schon zeigen müssen, dass er nicht geeignet ist, modernen Fußball spielen zu lassen. Sein Training hat nicht einmal Zweitligaformat.

Die Fitness der Mannschaft ist auch in drittem Jahr Bommer miserabel. Was muss noch passieren, dass das Präsidium endlich ein Einsehen hat und einst getroffene Entscheidungen überdenkt? Ich unterstütze diese Aktion und hoffe dass man diesmal endlich Erfolg hat!“, ereifert sich einer der Petitionsunterstützer. „Es reicht, auch wenn wir gegen Aachen gewonnen haben!“, lautet die nächste knackige Aussage. Ein Anhänger spricht gar von „uninspirierten Fußball“.

Der nächste setzt Bommer mit Perspektivlosigkeit gleich: „Es geht nicht darum, Bommer alles in die Schuhe zu schieben. Meines Erachtens ist er nicht der Mann, der mit jungen Spielern arbeiten und aus ihnen eine neue Mannschaft formen kann.“ Letzter Auszug: „Es war ein mal ein Traum. Er wurde zum Albtraum.“

Allein in den vergangenen drei Jahren tätigte der MSV insgesamt 92 Transfers – 47 Zu- stehen 45 Abgängen zu Buche. Eine Zahl, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Selbst die oft verschrieenen Gladbacher wurden im gleichen Zeitraum „nur“ 65 mal aktiv! Knapp 100 neue Spielerwechsel sprechen auch nicht gerade von einer guten Arbeit hinter den Kulissen. Die Schuld also nur bei Bommer zu suchen, ist genauso falsch. Diese ständige Rotation macht es auch Trainer Bommer nicht leicht, das Image der Fahrstuhlmannschaft abzulegen, obwohl er für die Verpflichtungen zusammen mit Club-Boss Walter Hellmich und neuem Sport-Chef Bruno Hübner verantwortlich ist. Dann muss man aber auch bitteschön die anderen beiden Protagonisten genauso an den Pranger stellen. Nicht nur den Fokus auf Bommer richten – das ist zu einfach!

Das Problem dabei ist, dass die Teams dadurch nie ein „klares“ Gesicht haben oder zeigen, dadurch auch nie auf lange Zeit richtig „zusammenwachsen“ können und dadurch auch keine Identifikation der Fans mit den Akteuren möglich ist.
Die Diskussion um den Trainer ist nicht neu. Schon in der letzten Saison brandeten immer wieder neue Störfeuer hoch. Die Statements von Hellmich oder Hübner blieben aber immer gleich „Wir planen und arbeiten weiter mit ihm!“

Dennoch sieht der Sport-Chef diese Entwicklung mit viel Unbehagen. „Uns war klar, dass einige Leute im Umfeld nur darauf gewartet haben, bis Trainer Rudi Bommer das erste Mal verliert. Auf eine solche Stimmungsmache kannst du nicht reagieren. Dass nach der ersten Niederlage solche Kritik aufkommt, ist nicht gerade hilfreich“, redet Hübner Klartext und fordert für die nächsten schweren Spiele die Unterstützung der Fans: „Für uns beginnen jetzt die Wochen der Wahrheit. Die nächsten drei, vier Begegnungen sind richtungsweisend. Wenn wir da nicht erfolgreich sind, dann gibt es Probleme bis zur Winterpause.“ Allerdings nicht mit Bommer. „Er steht nicht zur Frage!“

Ex-„Zebra“ Markus Daun: „Es ist schon bitter welche Macht die Fans haben, wenn es um das Mitspracherecht bei einer möglichen Entlassung eines Trainers geht. Diese Entwicklung ist nicht gut.“ Bleibt abzuwarten, wie die besagten nächsten Wochen verlaufen. Das Beispiel von Thomas von Heesen und dem 1. FC Nürnberg zeigt, dass sich schnell eine gewisse Eigendynamik daraus entwickeln kann...

Autor: Andreas Gellert

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