Seinen schwächsten Moment hat Ben Redelings' neuestes Buch

Ben Redelings Fußball-Geschichten

Von Ehefrauen und dem VfL

18. September 2008, 12:54 Uhr

Seinen schwächsten Moment hat Ben Redelings' neuestes Buch "Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige" auf der Rückseite. Dort lässt sich Redelings-Spezi Frank Goosen zu einem dieser inflationär gebrauchten Nick-Hornby-Vergleiche hinreißen. Was dem geschulten Leser mittlerweile als sicheres Indiz für den hinterletzten Fußball-Schund dient, ist in diesem Fall irreführend.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/009/182-9529_preview.jpeg Ben Redelings: Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige, Verlag Die Werkstatt, Göttingen, ISBN 978-3895336171, 9,90 Euro.[/imgbox]Denn auf den 192 Seiten verbergen sich 25 Geschichten aus dem Alltag des Bochumers, die mitunter vor Banalität strotzen und dennoch das Prädikat "äußerst lesenswert" verdienen. Schließlich beschäftigt sich der bekennende VfL-Fan als "Fußball-Kulturschaffender" hauptberuflich mit seinem Lieblingsthema, was unter anderen auf www.scudetto.de amüsant nachzuverfolgen ist.

Jedenfalls hat Redelings seine bürgerliche Karriere an den Nagel gehängt und lebt "nur noch" für den Fußball. Und da kommen ständig kuriose Situationen zustande.
Das fängt damit an, dass Redelings auf "Herren" im Stadion einen Spruch aufschnappt und sich dann für dessen Wiedergabe vor Publikum schämt: "Ey, mehr als dreimal Schütteln ist Wichsen!" Immerhin: Ex-Profi Peter Közle treibt es Tränen in die Augen. Wenn der Autor mal wieder auf eine harte Probe gestellt wird, weil seine Frau Nadine da "einen Klaus Fischer" für ihn am Telefon hat, ist das durchaus vergnüglich.

Und wenn sein Kumpel Gerry als Stadionbratwurst "Pelle" verkleidet sein Rendezvous empfängt, muss man kein eingefleischter Fußballfan sein, um zu schmunzeln. Für ein wenig Tragik ist auch noch Platz, wenn Redelings aus der Ferne eine Niederlage seines Herzens-Clubs miterleben muss und seinen Frust in heißem Flaschenbier ertränkt.

Man muss kein Bochumer sein, um Gefallen an den Geschichten zu finden. Von Vorteil wäre es trotzdem, weil sich die VfL-Lastigkeit nicht wegdiskutieren lässt. Ex-Trainer wie Peter Neururer und Ennatz Dietz, alte Recken von Közle bis Frank Benatelli – sie alle kommen im Buch vor, weil sie auch im Leben des Autors eine Rolle einnehmen. Letztlich lässt sich festhalten: Redelings ist nicht Hornby. Er ist Redelings. Und das ist schon eine ganze Menge.

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