Das Derby und ich, wir werden sicherlich keine Freunde mehr. Meine bisherige live-Ausbeute lag bei null Punkten und um das Spiel am Samstag zu verdauen, brauchte ich ein paar Tage länger. Es dauert immer noch an. Darum habe ich mir die Begegnung auch bereits zwei Mal in der Wiederholung KOMPLETT angesehen.

Am Borsigplatz geboren: Der BVB-Fanblog

Der größte Irrtum des Fan-Lebens

Jonas Hessedenz
17. September 2008, 18:09 Uhr

Das Derby und ich, wir werden sicherlich keine Freunde mehr. Meine bisherige live-Ausbeute lag bei null Punkten und um das Spiel am Samstag zu verdauen, brauchte ich ein paar Tage länger. Es dauert immer noch an. Darum habe ich mir die Begegnung auch bereits zwei Mal in der Wiederholung KOMPLETT angesehen.

Doch nicht etwa das bunte Treiben auf dem Rasen hat mein Gemüt so sehr erhitzt, viel mehr habe ich an meinem eigenen Verhalten zu knabbern. Genauer gesagt ereilen mich bereits Nackenschmerzen vom vielen und heftigen Kopfschütteln.
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„Borussia, du bist Leidenschaft“: Schon seit frühester Kindheit drückt BVB-Fan Jonas den Dortmundern die Daumen. Heute steht er in Block 82 des Westfalenstadions oder reist durch die Stadien Fußballdeutschlands und unterstützt die Schwarz-Gelben. Seinen Erlebnissen und Gedanken rund um den Verein verleiht er nun wöchentlich den nötigen Ausdruck und gibt zu jeder Wurst seinen Senf ab.[/infobox]
Bisher wunderte ich mich immer über die Leute, die vor Schlusspfiff das Stadion verlassen. Ich konnte das nie nachvollziehen, denn ein Fußballspiel dauert mindestens 90 Minuten. Auch wenn ein Match bereits entschieden war, für mich kam dieses Verhalten nicht in Frage. Nie! Nie! Nie!

Bis Samstag. Was mich letztendlich zum Aufbruch trieb, daran knabbere ich immer noch. Ich war angepisst vom schwachen Spiel, mich nervten die vielen verlorenen Zweikämpfe und Kopfballduelle und nach dem 0:3 fingen diese Blauen auch noch das Singen an. Die hatten vorher wenigstens ihren Mund gehalten. Als Zidan nach 60 Minuten freistehend den Anschlusstreffer nicht erzielte, platze mir der Kragen. Ich griff mir meine Mitfahrer und schleppte sie zum Ausgang Richtung Auto. Keinerlei Widerstand, anscheinend war das für alle die richtige Entscheidung.

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Auf dem Stadionvorplatz fragte ich dann voller Frust: "Was machen wir eigentlich, wenn da noch das 3:3 fällt?" Einhellige Meinung: "Das passiert eh nicht, aber WENN, dann bist DU Schuld und wir hauen dir einen rein!"

Der Rest ist allen bekannt und wir erfuhren alles irgendwo zwischen B1 und A2 von Manni Breuckmann. Trotz lauter Jubelarien im Auto und obwohl alle ja auch freiwillig mitkamen, spürte ich die vorwurfsvollen Blicke im Rücken und kassierte einen Spruch nach dem anderen. Bei mir begann das Kopfschütteln, jeder kleine Gedanke an die Stimmung im Westfalenstadion und was ich verpasst haben muss, brennen ein großes Loch in meine Fanseele.

Zum Glück steht morgen bereits das nächste Highlight auf dem Plan. Ein Sieg bei der UEFA-Cup-Rückkehr gegen die Italiener aus Udine, das wär's! Eines weiß ich zu 100 Prozent: Ich bleibe bis zum Schlusspfiff.

SGG

Autor: Jonas Hessedenz

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