Nur wenige Tage nach dem „wichtigsten Spiel des Jahres“ gegen Schalke steht der BVB heute schon wieder vor dem „wichtigsten Spiel des Jahres“.

BVB: Gute Bilanz überstrahlt vor Udine Problemfälle

Trio bereitet Sorgen

Matthias Dersch
18. September 2008, 11:37 Uhr

Nur wenige Tage nach dem „wichtigsten Spiel des Jahres“ gegen Schalke steht der BVB heute schon wieder vor dem „wichtigsten Spiel des Jahres“.

Während das Derby in erster Linie für den Fan das höchste aller Gefühle darstellt, setzt BVB-Sportdirektor Michael Zorc andere Prioritäten. Der 46-Jährige schaut eher auf die langfristigen Vorteile, die ein erfolgreiches Abschneiden gegen den italienischen Club mit sich bringen würde. Am einfachsten drückt man diese Vorteile in Zahlen aus: fünf Millionen Euro. Diesen Betrag würden die Dortmunder in etwa einstreichen, wenn sie in die Gruppenphase des UEFA-Cups einziehen würde. Doch auch mental wäre ein Sieg gegen den Siebten der Serie A überaus wichtig.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/008/273-8591_preview.jpeg Roman Weidenfeller ist noch nicht wieder bei 100 Prozent. Foto: firo[/imgbox]
Denn trotz der guten Bilanz von acht Punkten aus vier Bundesligaspielen und dem Einzug in die zweite DFB-Pokalrunde ist längst nicht alles Gold, was derzeit schwarz-gelb glänzt. Speziell im Tor, in der Zentrale und im Angriff lauern aktuell Fragezeichen, die geklärt werden müssen.
Roman Weidenfeller gab gegen Schalke ein denkbar unglückliches Comeback nach seiner Oberschenkel-Verletzung.

Dem Keeper, der sich beim Liga-Auftakt in Leverkusen mit dem eigenen Stollen eine zehn Zentimeter lange Risswunde zugefügt hat, die acht Tage später erneut aufplatzte, fehlt die nötige Spielpraxis, nachdem er schon in der letzten Saison die komplette Rückrunde aussetzen musste. Dieses Manko kann er nur mit Einsätzen überwinden. Patzer, wie die gegen Schalke, dürften seinem Selbstvertrauen allerdings eher schaden und ihm weitere Sicherheit rauben.

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Ähnliches gilt für Sebastian Kehl. Der BVB-Kapitän soll gemeinsam mit Tamas Hajnal die Zentrale dicht machen. In der ungewohnten Funktion als Teil einer „Doppel-Sechs“ fühlt sich der 28-Jährige noch nicht wohl und sucht derzeit seine Form. Speziell im Passspiel und Zweikampfverhalten muss der frühere Freiburger zulegen. Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht, denn mit dem wieder genesenen Tinga lauert ein Stammspieler der letzten Saison auf seine Chance. Noch, so BVB-Coach Jürgen Klopp, sei der Brasilianer allerdings kein Kandidat für die ersten Elf, dazu fehle es dem 30-Jährigen nach seiner langen Pause noch an Fitness. Für den früheren Mainzer ist Kehl ohnehin höchstens ein Teil des Problems, das sich aus dem gesamten taktischen Verhalten des Mittelfelds ergibt.

Der größte Problemfall im Dortmunder Kader ist Neuzugang Mohamed Zidan. Der Ägypter, erst seit vier Wochen beim BVB, scheint seinen Kredit zumindest bei einem Teil der Fans bereits verspielt zu haben. Am vergangenen Samstag setzte es für den Stürmer bei seiner Auswechslung vernichtende Pfiffe des eigenen Anhangs, die sogar zu einer Pro-Zidan-Kampagne der Dortmunder Fanabteilung unter dem Titel „Fremdschämen“ führten.

Unter der Woche wirkte der 26-Jährige, der sich auch noch mit einer Grippe herumschlagen musste, extrem geknickt. Die Hauptaufgabe von Klopp wird es daher sein, die angeknackste Psyche seines „Ziehsohns“, der noch vor einem Monat mit strahlenden Augen von seinem Engagement bei der Borussia geschwärmt hatte, wieder aufzubauen.

Autor: Matthias Dersch

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