Der erste fest engagierte deutsche Feldspieler in der reichsten Profisport-Liga der Welt kann sein Glück nach wie vor kaum fassen. Constantin Ritzmann startet am Sonntag mit den Buffalo Bills in die Football-Saison.

Ritzmanns Abenteuer NFL beginnt am Sonntag

dit
08. September 2004, 14:16 Uhr

Der erste fest engagierte deutsche Feldspieler in der reichsten Profisport-Liga der Welt kann sein Glück nach wie vor kaum fassen. Constantin Ritzmann startet am Sonntag mit den Buffalo Bills in die Football-Saison.

Der deutsche Football-Profi Constantin Ritzmann starrte in einem Hotelzimmer in Buffalo stundenlang auf sein Mobiltelefon. Aber der gefürchtete Klingelton blieb aus - damit stand fest: Ritzmann gehört in der am Donnerstag beginnenden NFL-Saison zum festen Kader der Buffalo Bills. "Das war sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt", erzählte Ritzmann, "ich bin so glücklich, dass das Telefon nicht geklingelt hat".

Kein Anruf des Headcoaches, keine Entlassung. Der 24 Jahre alte Berliner hatte es als erster deutscher Feldspieler in der Geschichte zu Saisonbeginn in den 53-köpfigen Kader eines Teams aus der nordamerikanischen National Football League (NFL) geschafft.

Nummer 91, Defensive End - Ritzmann ist dabei, wenn die größte und reichste Profiliga der Welt am Wochenende in ihre 39. Saison startet. Die Bills beginnen am Sonntag mit einem Heimspiel gegen die Jacksonville Jaguars. "Für mich ist das alles noch gar nicht richtig wahr geworden", meinte Ritzmann, "ich bin immer noch ein bischen geschockt."

Der Traum ist wahr geworden

Er hat seinen Traum wahr gemacht. Seit er vor sechs Jahren als 18-Jähriger mit einem NFL-Stipendium für große Footballtalente auf eine Highschool nach Florida geschickt wurde, strebte er die Profikarriere im Football-Mutterland an. "Ich denke, ich habe gezeigt, dass man es auch als Deutscher schaffen kann, wenn man hart arbeitet", sagt der 118 Kilo schwere Verteidigungslinienspieler.

Beim Draft, der Spielerauswahl im April, wurde Ritzmann von den NFL-Teams noch ignoriert: "Da habe ich mich gefragt, ob Football wirklich das Richtige für mein Leben ist." Als Free Agent kam er dann doch noch zu den Bills, praktisch ohne Chance. Von 83 Spielern sollten nach der Saisonvorbereitung schließlich nur 53 übrig bleiben. "Das Trainingslager ist physisch und mental sehr hart", erzählte Ritzmann, "das Geschäft ist brutal, einige gute Freunde von mir mussten gehen."

Geld ist erst einmal nicht wichtig

Er nicht, einen Vertrag für zwei Jahre hat er bei den Bills unterschrieben, verdient das Minimalgehalt von 230.000 Dollar pro Saison. Natürlich kein Vergleich mit Super-Quarterback Peyton Manning, der für einen Sieben-Jahres-Vertrag 98 Millionen Dollar in Indianapolis einstreicht. "Das Geld ist erstmal nicht so wichtig", meint der "Germinator", "ich muss mich hier durchsetzen und weiter verbessern. Wenn ich das schaffe, kann ich in zwei Jahren auch einen besseren Vertrag aushandeln."

Ritzmann geht davon aus, dass Coach Mike Mularskey so richtig erst für das kommende Jahr mit ihm plant: "Hätte er auf meiner Position dringenden Handlungsbedarf, hätte er einen Star verpflichtet und mich entlassen." So rechnet er in dieser Saison mit nur wenigen Einsätzen und viel Arbeit im Training.

"Es wäre natürlich toll, wenn es mir mal gelingen würde, einen der großen Quarterbacks wie Donovan McNabb oder Peyton Manning zu sacken", sagt Ritzmann, "und ich bin sicher, dass wird in Zukunft auch passieren." Könnte sein, dass er Recht behält, schließlich hat er bislang seine Ziele alle erreicht.

Autor: dit

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