Kreisliga B, Gelsenkirchen, 10. Spieltag. Preußen Gladbeck II gastiert beim Gelsenkirchener Vertreter SC Schaffrath. Bis Mitte der zweiten Halbzeit passierte nicht viel, doch dann das: Der Unparteiische der Begegnung bricht das Spiel beim Stand von 3:0 für die Gastgeber aus heiterem Himmel ab. Über den genauen Grund herrscht auch Tage danach noch Uneinigkeit. Nun muss die Spruchkammer entscheiden, wie das Spiel gewertet wird und die Vorfälle näher beleuchten. Revierkick.de fragte bei Preußen-Trainer Roland Thiele, SC-Geschäftsführer Karl-Dieter Wittler und Schiedsrichter-Obmann Fritz Grun nach: [i]Was war da los?[/i].

Gelsenkirchen: Spielabbruch nach Aufruf zur Körperverletzung?

"Es kann nicht mehr so weiter gehen“

Thomas Ziehn
03. November 2006, 19:18 Uhr

Kreisliga B, Gelsenkirchen, 10. Spieltag. Preußen Gladbeck II gastiert beim Gelsenkirchener Vertreter SC Schaffrath. Bis Mitte der zweiten Halbzeit passierte nicht viel, doch dann das: Der Unparteiische der Begegnung bricht das Spiel beim Stand von 3:0 für die Gastgeber aus heiterem Himmel ab. Über den genauen Grund herrscht auch Tage danach noch Uneinigkeit. Nun muss die Spruchkammer entscheiden, wie das Spiel gewertet wird und die Vorfälle näher beleuchten. Revierkick.de fragte bei Preußen-Trainer Roland Thiele, SC-Geschäftsführer Karl-Dieter Wittler und Schiedsrichter-Obmann Fritz Grun nach: [i]Was war da los?[/i].

Roland Thiele (Trainer Preußen Gladbeck II)

"Man soll sich ja eigentlich nicht über den Schiedsrichter beschweren. Aber von Anfang von an hatte ich bei dem Mann ein komisches Gefühl. Es begann damit, dass er auf die Platzanlage kam und erst einmal alle Schaffrather Spieler mit Handschlag begrüßte. Bereits in der ersten Spielminute dann die erste Fehlentscheidung: Unser Angreifer markiert das 1:0, doch der Schiedsrichter gibt das Tor wegen eines angeblichen Stürmerfouls nicht. Selbst die Zuschauer haben gesehen, dass der Verteidiger ausgerutscht ist. Daraufhin sind die Schaffrather nervös geworden. Schließlich spielen sie im oberen Tabellendrittel und hatten die drei Punkte gegen uns fest eingeplant. In der 42. Minute fiel dann aber doch das 1:0 für die Gastgeber. Bis dato gab es eigentlich nur eine einzige Situation, über die ich mich richtig geärgert habe. Nach einem Foulspiel krümmte sich einer meiner Spieler vor Schmerzen auf dem Boden. Der Schiedsrichter hätte unterbrechen müssen. Ich habe das dann von der Seitenlinie in das Spiel hinein gerufen. Plötzlich geht der Unparteiische zum Schaffrather Trainer und bespricht kurz etwas mit ihm. Daraufhin wurde ich aufgefordert, die Platzanlage zu verlassen. Um Ärger zu vermeiden, habe ich mich dann zu den Zuschauern hinter die Absperrung gestellt und mich in der Halbzeit sogar beim Schiedsrichter entschuldigt. Leider setzten sich die Fehlentscheidungen auch in Hälfte zwei fort. Dem 0:2 ging eine klare Abstellungsstellung von gleich zwei Schaffrathern voraus und das 0:3 wurde mit der Hand vorbereitet. Als einer meiner Spieler den "Mann in schwarz" darauf aufmerksam machte, bekam er die Rote Karte. Ich wollte genau wissen, was er gesagt hat und bin mit ihm in die Kabine gegangen. Als ich kurze Zeit später wieder auf den Platz wollte, kamen mir meine verbliebenen Spieler bereits entgegen und erzählten mir, dass der Schiedsrichter die Partie abgebrochen hatte. Angeblich hätte einer meiner Spieler gesagt, dass wir jetzt "richtig zur Sache" gehen sollten, um die Partie noch zu drehen. Im Spielbericht stand zu lesen, dass der Schiedsrichter abgebrochen hat, weil er sich von meinen Spielern bedroht gefühlt habe. Ganz ehrlich: Das verstehe ich alles nicht. Trotz der Fehlentscheidungen sind meine Spieler korrekt mit dem Schiedsrichter umgegangen."
Karl-Dieter Wittler (Geschäftsführer SC Schaffrath):

„In der ersten Halbzeit sah es nach einem ganz normalen Sonntagnachmittag aus. Wegen unserer Überlegenheit haben sich einige Preußen-Spieler vom Schiedsrichter in einigen Situationen benachteiligt gefühlt. Die Hinausstellung des Gladbecker Trainers war übrigens überflüssig. Das war zu kleinlich vom Unparteiischen, da Herr Thiele nicht ausfallend geworden ist. Aufregend wurde es erst nach dem 2:0 in der zweiten Hälfte und der Hinausstellung des Gladbecker Torwarts. Der Schlussmann wollte den Platz erst gar nicht verlassen und ich musste ihn überreden, vom Feld zu gehen. In diesen Minuten fiel dann das 3:0 und beim folgenden Anstoß eroberten wir den Ball direkt zurück. Ein Gladbecker brachte dann den ballführenden Spieler mit einem harten Einsteigen zu Fall. Laut Schiedsrichter hat ein Preußen-Spieler gerufen: „Tritt ihm in die Knochen.“ Daraufhin ist der Gladbecker Spielführer zum Schiedsrichter gegangen und hat um den Abbruch der Partie gebeten. Meiner Meinung hätte er das nicht tun müssen, doch der Unparteiische war der Ansicht, dass unsere Spieler geschützt werden müssten.“

Fritz Grun (Lehrwart für Schiedsrichter im Kreis Gelsenkirchen)

„Der Schiedsrichter hat mich noch am selben Abend informiert. Mittlerweile liegt auch sein Sonderbericht vor. In dem steht, dass auch nachdem zwei Gladbecker des Feldes verwiesen wurden, die harte Gangart nicht aufhörte. Der Unparteiische ist dann zum Gladbecker Spielführer gegangen und hat ihn gebeten, mit dieser ruppigen Spielweise aufzuhören und auf die Gesundheit aller Beteiligten Rücksicht zu nehmen. Nach dem dritten Platzverweis soll einer der Gladbecker Spieler Folgendes gesagt haben: „Geht rein und tretet die zusammen.“ Daraufhin hat der Schiedsrichter das Spiel sofort abgebrochen. Nun muss die Spruchkammer entscheiden, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

Ich möchte hier kurz die Gelegenheit ergreifen und etwas Allgemeines zu diesem Thema sagen. Es kann nicht mehr so weiter gehen! Was sich in den unteren Ligen Woche für Woche teilweise abspielt, ist beschämend. Da müssen die Funktionäre noch härter als bisher durchgreifen. Und noch etwas: Wehret den Anfängen. Schon neun bis zehnjährige Fußballer bekommen wegen Schiedsrichter-Beleidigung Rote Karten. Die Worte die da fallen, möchte ich hier jetzt gar nicht kommentieren. Aber schon in der Jugend fängt das Dilemma an und setzt sich bis in den Senioren-Bereich fort.“

Autor: Thomas Ziehn

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