Der Berliner Constantin Ritzmann hofft darauf, am Samstag bei der jährlichen Talentauswahl der nordamerkanischen Football-Profiliga NFL in New York, als erster deutscher Feldspieler einen Vertrag zu erhalten.

Ritzmann hofft auf Beachtung beim NFL-Draft

ar
23. April 2004, 11:57 Uhr

Der Berliner Constantin Ritzmann hofft darauf, am Samstag bei der jährlichen Talentauswahl der nordamerkanischen Football-Profiliga NFL in New York, als erster deutscher Feldspieler einen Vertrag zu erhalten.

Am Samstag kommt es im New Yorker Madison Square Garden zur offiziellen jährlichen Talentauswahl, dem sogenannten Draft der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL. Dort, wo junge Football-Talente mit Millionen-Verträgen ausgestattet werden, wird dieses Jahr auch ein junger Deutscher hoffen, einen Kontrakt in der NFL zu bekommen. Der gebürtige Berliner Constantin Ritzmann wäre der erste Deutsche, der als Feldspieler verpflichtet wird.

Bei Nicht-Gelingen als Free Agent ins Trainingslager

"Das wäre natürlich etwas ganz Besonderes. Ich habe mich intensiv vorbereitet und erwarte, dass ich in den Runden vier bis sieben gedraftet werde", sagte der bullige Defensive Lineman dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Sollte es jedoch nicht klappen, wäre es kein Weltuntergang. Ich würde dann als Free Agent in eines der Trainingslager der 32 NFL-Teams gehen und mein Bestes geben, um mich doch noch für einen Vertrag zu empfehlen."

Ritzmann schon sechs Jahre in den USA

Vor rund sechs Jahren begann Ritzmanns USA-Abenteuer. Nachdem er seine Karriere in Deutschland bei den Berlin Adler und den Hamburg Blue Devils begonnen und mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, ermöglichte ihm ein Stipendium des NFL-Futures-Programms den Sprung über den großen Teich. Einem Jahr an der Christian High School in Tallahassee (US-Bundesstaat Florida) folgten vier an der University of Tennessee. Zuletzt führte der 24 Jahre alte "Germanator" das dort beheimatete College-Team Volunteers sogar als Mannschaftskapitän aufs Feld.

"Diese Jahre werden immer ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben. Wenn man vor 100.000 Zuschauern seine Heimspiele bestreitet, läuft einem jedes Mal ein Schauer über den Rücken", sagte Ritzmann, der aber auch noch immer Kontakt in die Heimat hat: "Meine gesamte Familie und jede Menge Freunde leben in Berlin. Wir telefonieren regelmäßig und schicken uns E-Mails, damit ich auf dem Laufenden bleibe."

NFL-Europe als Alternative in der Hinterhand

Sollte sich sein Traum von der besten Footballliga der Welt am Wochenende noch nicht erfüllen, könnte sich Ritzmann auch eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen: "Ich denke, ich würde zwei Jahre versuchen, den Sprung zu schaffen. Sollte es mir nicht gelingen, würde ich mein Glück in der NFL Europe versuchen. Bekäme ich dann immer noch keinen Vertrag, müsste ich mir wohl einen Job suchen. Da ich einen Abschluss in Sportmanagement habe, gäbe es da jedoch wohl keine Probleme."

Vor der letzten NFL-Saison hatten die NFL-Europe-Erfahrenen Ralf Kleinmann, Jörg Heckenbach, Daniel Benetka, Patrick Venzke und Peter Hayer um einen Platz in der nordamerikanischen Profiliga gekämpft, waren jedoch von ihren Teams kurz vor Beginn der Spielzeit aus den jeweils 53-köpfigen Aufgeboten gestrichen worden.

Letzter Deutscher in der NFL war der Berliner Kicker Uwe von Schamann, der mit den Miami Dolphins 1983 und 1985 den Super Bowl erreichte. Einen deutschen Feldspieler gab es jenseits des Atlantiks noch nie. Der deutschstämmige Guard Tom Nütten konnte mit den St. Louis Rams 2000 allerdings den Super Bowl gewinnen.

Autor: ar

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