Den ganzen Tag flackert Sport-ähnliches Gebaren über den Bildschirm: Dressurreiten, Turmspringen, was synchron auch nicht spannender ist, Beach-Volleyball. Wann wird Schlammcatchen endlich olympisch? Da zieht es einen doch dahin, wo echtes Leder herrscht: Nach Bochum, wo Frank Goosen sein neues Buch „Weil Samstag ist“ vorstellt.

Fußballgeschichten von Frank Goosen

Wegen dem VfL auf die Couch!

15. August 2008, 11:52 Uhr

Den ganzen Tag flackert Sport-ähnliches Gebaren über den Bildschirm: Dressurreiten, Turmspringen, was synchron auch nicht spannender ist, Beach-Volleyball. Wann wird Schlammcatchen endlich olympisch? Da zieht es einen doch dahin, wo echtes Leder herrscht: Nach Bochum, wo Frank Goosen sein neues Buch „Weil Samstag ist“ vorstellt.

Aber der „Nick Hornby vonne Castroper Straße“ ist etwas unpässlich. Eine „Kalkschulter“ verhindert den gewohnten filigranen Ganzkörpereinsatz des Entertainers auf der Bühne, der an diesem Abend eher wie eine Inkarnation von Boris Karloff in „Die Mumie“ daherkommt. „Aber für mein BOCHUMER Publikum beiße ich auf die Zähne. Wenn auch nur unter noch mehr Drogen als sonst“, bekennt er und heimst sich so den erhofften Applaus ein.

Leidgeprüft sind sie ja hier im „Riff“ mehr oder weniger alle, denn offensichtlich befinden sich neben dem Autor noch weitere bekennende VfL-Fans im Saal. Jahrelanges Wuseln zwischen Erster und Zweiter Bundesliga verbindet halt.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/008/950-9269_preview.jpeg Ein brillanter Performer trotz Kalkschulter: Frank Goosen stellt im „Riff“ sein neues Buch vor. [/imgbox]
Und das ist genau der Stoff, aus dem Goosen seine fußball-literarischen Erkenntnisse destilliert: „Der echte Fan muss leiden. Und meine Mannschaft, der VfL Bochum, sagt sich immer wieder: Wir geben den Leuten, was sie brauchen. Man muss Täler durchschritten haben, um die Gipfel wirklich schätzen zu können, und in diesem Sinne hat der FC Bayern keine Fans, sondern nur Zuschauer.“

Mit Worten dribbeln, das kann er halt, und auf der Bühne ist er eh eine „Rampensau“. Egal ob es um seinen Panini-Fetischismus geht („Bildersammeln ist eine viel zu ernste Angelegenheit, als dass man sie Kindern überlassen könnte“) oder um präzise Beobachtungen in der „Herrentoilette“ des Ruhrstadions. Goosen ist in seinem Element. Selbstironisch nimmt er sein Fan-Dasein auf die Schippe: „Wir im Ruhrgebiet gehen nicht ins Stadion, um uns zu amüsieren. Wir gehen da hin, um uns aufzuregen. Jedes Jahr wieder: Das erste Heimspiel der neuen Spielzeit ist gerade mal fünf Minuten alt, noch ist nichts passiert, da brüllt der Mann vor mir zum ersten Mal: ‚DAT IS DOCH DIESELBE SCHEISSE WIE IN DER LETZTEN SÄSONG!’“

Bei aller Lobhudelei bleiben ein paar kritische Anmerkungen zur Buchausgabe. Die Geschichten in „Weil Samstag ist“ sind nicht mehr taufrisch und gerade der eingefügte EM-Blog 2008 wirkt letztlich nur als zweitklassiges Füllmaterial. Vielleicht hat sich Goosen auch an dieser Stelle vom VfL inspirieren lassen, bei dem ja auch Spieler Bundesligaluft schnuppern durften, die vielleicht besser in Herne oder Wanne-Eickel aufgehoben gewesen wären.

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Frank Goosen: Weil Samstag ist. Fußballgeschichten, Eichborn, ISBN 978-3-8218-6046-6, 160 Seiten, HC, EUR 12,95.
[/imgbox]Trotzdem bleibt das Buch ein Schmuckstück und dessen Verbreitung wünschenswert. Auch gerade wegen Goosens Kindern! Nicht nur, dass der Autor jede ihrer Entwicklungsphase minutiös festhält und verwertet, wann der „Zweitgeboren“ erstmalig die „bärenförmige Kindertoilette“ für das nutzte, wofür sie gebaut wurde, nein, er hat sie auch noch in voller Absicht mit dem „VfL-Virus“ infiziert. „Und so begab es sich, dass mein Zweitgeborener einen mittelgroßen Schäferhund aus Plüsch geschenkt bekam, der einen Namen brauchte. Kinder, die dann auf so einen Quatsch kommen wie ‚Bello’ oder ‚Fifi’ oder ‚Wau-Wau’, fristen später ein Dasein als soziale Randexistenzen, konsumieren gefährliche Drogen, treiben antriebslos dahin oder werden sogar BVB-Anhänger.“

Das Plüschtier erhielt schließlich den Namen Gekas, in Erinnerung an den einstigen Bochumer Strafraum-Griechen, und Frank Goosen kann heute schon seine Tantiemen aus dem Buchverkauf sorgsam auf ein Sparkonto einzahlen. Spätestens in zwanzig Jahren geht alles drauf für die unzähligen Therapiesitzungen seiner Söhne.

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Ralf Piorr

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