SCHALKE - Von Delura bis Fährmann

04. Dezember 2004, 20:40 Uhr

Der FC Schalke und die Gesamtschule Berger Feld, sie führen eine Ehe, die mittlerweile seit über vier Jahren Stand hält und inzwischen eine Hand voll hoch begabter Kinder in die Welt gesetzt hat. Ab dem kommenden Sommer gehen der Bundesliga-Club und die in Sichtweite der Arena ansässige „Penne“ eine neue Form der Sport-Förderung ein.

Der FC Schalke und die Gesamtschule Berger Feld, sie führen eine Ehe, die mittlerweile seit über vier Jahren Stand hält und inzwischen eine Hand voll hoch begabter Kinder in die Welt gesetzt hat. Ab dem kommenden Sommer gehen der Bundesliga-Club und die in Sichtweite der Arena ansässige „Penne“ eine neue Form der Sport-Förderung ein.

Mit Beginn des Schuljahres 2005/06 richtet die mit über 1.500 Eleven größte Gelsenkirchener Schule Sport-Förderklassen ein. Am Dienstag wurde dem mehrfachen Schul-Fußball-Meister überdies von NRW-Leistungssport-Referent Dietmar Hiersemann das Prädikat einer „Partnerschule des Leistungssports“ verliehen. „Unser Sportminister Dr. Michael Vesper lässt seine Glückwünsche ausrichten. Das kommt nicht von ungefähr, er ist schließlich Schalke-Fan“, grinste der Ministerialrat und schob hinterher: „Gelsenkirchen ist das Aushängeschild in NRW.“ Eine Adelung, das der städtische Schul- und Kultur-Dezernent Manfred Beck gerne aufnahm. „Der Begriff vom Fußball-Land NRW ist kein leeres Wort. Schalke ist das Aushängeschild Gelsenkirchens, die Gesamtschule Berger Feld ebenfalls. Daher ist diese Zusammenarbeit nur logisch.“

Die Schalke-Stadt befindet sich damit in guter Gesellschaft. Die Revier-Nachbarn Dortmund, Essen, Oberhausen und Duisburg führen ebenfalls das Gütesiegel „Partnerschule des Leistungssports“. Bochum besitzt gar eine „Eliteschule des Sports“, derer es nur 38 in ganz Deutschland gibt, und die Berger Feld auch bald sein wird.

Welche Früchte die gezielte Sportförderung in den Schulen in Zusammenarbeit mit einem Groß-Verein wie dem FC Schalke tragen kann, zeigt sich in der aktuellen Lizenzspieler-Kader Kader der Königsbauen. Fabian Lamotte bastelte vor zwei Jahren sein Abi in der Gesamtschule, Kai Hesse in diesem Sommer. Michael Delura verließ das Berger Feld zum gleichen Zeitpunkt mit der Fachhochschul-Reife, Tim Hoogland, Simon Talarek und Youngster Alexander Baumjohann beendeten nach der elften Klasse ihre schulische Ausbildung, um sich ausschließlich dem Sport widmen.

Allen Talenten ist gemein, dass sie aber der Oberstufe zweigleisig fuhren und sich im „Fußballschule auf Schalke“ genannten Teil-Internat auf ihre Fußballer-Karriere vorbereiteten. Einer der nächsten Jung-Profis könnte -B-Jugendkicker Ralf Fährmann werden. Der „U17“-Nationalspieler durchläuft derzeit ebenso das Teil-Internat wie „U23“ –Torwart Manuel Neuer sowie die „U19“-Cracks Marco Klinger und Markus Heppke. Mindestbedingung für die Aufnahme in die königsblaue Fußballschule ist die Einberufung in die Westfalen-Auswahl.

„Manager Rudi Assauer war von Beginn an ein großer Förderer des Projekts, auch Chef-Coach Ralf Rangnick zeigt sich sehr interessiert an der Maßnahme“, weiß Helmut Schulte, Schalkes Sportlicher Leiter der Nachwuchs-Abteilung, die Rückendeckung der Vereins- wie sportlichen Führung hinter der Kooperation mit der Gesamtschule. „Die Schule ermöglicht es Spielern von der C- bis zur A-Jugend, vormittags vier Mal in der Woche jeweils zwei Stunden auf unserem Gelände zu trainieren. Wichtig ist aber der Aspekt der gesamtheitlichen Förderung, nicht nur Fußballer auszubilden, sondern Persönlichkeiten zu entwickeln“, erklärte Schulte. „Wenn die Jungs sich in der Schule daneben benehmen, nehmen wir denen auch mal eine Woche den Ball weg. Und oft haben wir Kandidaten dabei, die nach der Mittleren Reife aufhören wollen. Wir sagen denen auch knallhart: Junge, dann bist du aus dem Projekt raus!“

Die Aufnahme in einer der beiden Sportförderklassen mit je 20 bis 24 Jungen und Mädchen ist an enge Vorgaben geknüpft. Mindestens eine zwei in Sport, eine drei in allen sprachlichen Fächern sowie in Mathe und Sach-Unterricht sowie die Mitgliedschaft in einem Sportverein werden bei den Grundschul-Abgängern vorausgesetzt. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf Fußball, jedoch wird das komplette Spektrum der Sportarten von Gymnastik bis Judo angeboten. „Neben der Sport-Förderung bieten wir selbstverständlich Hausaufgaben-Betreuung, Nachhilfe und Schulmannschafts-Training an“, hob Arthur Preuß, Koordinator Fußball am Berger Feld, noch einmal den ganzheitlichen Aspekt der Maßnahme hervor. „Es muss und wird ein reger Austausch zwischen Schule, Elternhaus und Sportvereinen geben“, bekräftigte Gelsenkirchens DFB-Stützpunkt-Trainer Mike Dierig, der als Sprecher der „Arbeitsgruppe Sportförder-Klasse“ die einzelnen Maßnahmen ab der fünften Klasse präsentierte.

Am 14. Dezember wird um 19.30 Uhr die Gesamtschule in einer Art „Tag der offenen Tür“ Eltern und Kindern das Modell der Sportförder-Klassen vorstellen.

Prominentester Gast bei der Präsentation der Sportförder-Klassen an der Gesamtschule Berger Feld war Michael Skibbe. Der frühere Bundestrainer und jetzige Jugend-Koordinator des DFB ist gebürtiger Gelsenkirchener, wurde 1982 Deutscher B-Jugendmeister mit der SG Wattenscheid, ehe er zum FC Schalke wechselte und dort gemeinsam mit Olaf Thon als einer der größten Hoffnungen im deutschen Nachwuchs-Fußbal galt. Die womöglich große Fußballer-Karriere des seinerzeitigen Kapitäns der A-Junioren-Nationalmannschaft wurde im Alter von 19 Jahren wegen einer irreparablen Knieverletzung jäh beendet.

Herr Skibbe, hätten Sie sich früher als Schüler des Gymnasiums im Schulzentrum Ückendorf nicht auch solche Möglichkeiten gewünscht, wie sie jetzt an der Gesamtschule Berger Feld angeboten werden?
Natürlich. Es muss doch der Traum eines jeden Jungen und Mädchens sein, in der Schule seinem größten Hobby nachjagen zu können, ohne dass darunter die schulische Leistung leidet. Es ist optimal, wenn die Schule pädagogische Betreuung bieten und sportliche Reize setzen kann. Das ist sehr wichtig, denn der frühere Straßen-Fußball ist weggebrochen, Kinder und Jugendliche beschäftigen sich oft lieber mit anderen Dingen als mit Sport.

Was kann der DFB als größter Sportverband der Welt für den Schulsport leisten und inwiefern profitiert er von solchen Maßnahmen wie in Gelsenkirchen?
Durch die Stützpunkte in ganz Deutschland arbeiten wir eng mit Vereinen und Schulen zusammen, die Auswahl beginnt schon in den Fußball-Kreisen. Schulen, Vereine und Verband müssen ein Dreieck bilden, und Perspektiven schaffen, die von der Breitenförderung ab Klasse fünf bis zur Hochbegabten-Förderung ab Klasse 10 geht und die Möglichkeit bietet, eventuell Profi zu werden.

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