Bezirksliga 9 NR: Sieben Platzverweise beim Spiel in Dinslaken

"Diese 90 Minuten waren filmreif"

Thomas Ziehn
30. Oktober 2006, 19:06 Uhr

Der VfB Lohberg schlägt den RSV Klosterhardt 2:1. Soweit nichts Besonderes: Ein 2:1 kann man getrost als "Standard-Ergebnis" bezeichnen. Alles andere als alltäglich war allerdings der Spielverlauf im Duell der beiden Bezirksligisten. Besonders über die sieben (!) Feldverweise (fünf Mal Rot, zwei Mal Gelb-Rot) dürfte man in Dinslaken-Lohberg und Oberhausen-Klosterhardt noch lange diskutieren. Revierkick.de fragte bei VfB-Trainer Klaus Schnurbusch, RSV-Geschäftsführer Achim Herden und RSV-Präsident Winfried Volkar nach. Was war da los?

Achim Herden (Geschäftsführer des RSV Klosterhardt):

"In der ersten Halbzeit war es eigentlich ein ganz normales Fußballspiel. Erst ab der 75. Minute wurde es ruppiger. Den ersten drei Platzverweisen ging ein grobes Foulspiel von RSV-Spieler Daniel Schweiter an Sinan Calik voraus. Plötzlich gab es Rudelbildung auf dem Platz. Manuel Viltuznik, Spieler des VfB, kam sogar vom anderen Ende des Platzes angelaufen und schlug einen Klosterhardter. Der handgreiflich gewordene Spieler, Schweiter und Calik, der nachgetreten hatte, mussten mit der Roten Karte vom Feld. Keine zehn Minuten später bekam dann unser Spieler Dennis Lang die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels.

Kurz vor Schluss gerieten noch Christian Gutzmann und der Lohberger Selcuk Calik aneinander. Wieder blieb dem Schiedsrichter nichts anderes übrig, als beiden die Rote Karte zu zeigen. In den Schlussminuten sah Klaus Stelzer die "Ampelkarte", so dass wir das Spiel mit nur sechs Feldspielern beenden mussten. Leider war das Foulspiel von Stelzer im Strafraum, so dass die Lohberger per Foulelfmeter zum 2:1-Endstand trafen.

Auch auf der Tribüne war die Stimmung extrem gereizt. Einige weniger Zuschauern fielen durch ihr aggressives Verhalten auf. Die VfB-Verantwortlichen, die sich absolut korrekt verhielten, haben sich dafür nach der Partie entschuldigt. Dem Schiedsrichter ist übrigens kein Vorwurf zu machen. Er hatte die Partie gut im Griff und auch in der hektischen Schlussphase ist er ruhig und besonnen geblieben. Nur beim Schreiben des Spielberichts dürfte er sich etwas geärgert haben. Der geriet nämlich sehr viel länger als sonst üblich."

Klaus Schnurbusch (Trainer VfB Lohberg):

Ich bin seit 1984 Trainer! Ich dachte eigentlich, ich hätte als Trainer so gut wie alles gesehen, aber was sich in diesen 90 Minuten abgespielt hat, war filmreif. Ausschlaggebend waren meiner Meinung nach nur 60 Sekunden. Nach einem Foulspiel im 16-Meter-Raum Anfang der ersten Halbzeit bekommen wir einen Elfmeter. Manuel Viltuznik, der normalerweise ein Spieler ist, der mit seinem Schuss fast das Tornetz durchschießt, bekommt nur eine bessere Rückgabe zu Stande, die der Torhüter locker aufnimmt. Der Klosterhardter Schlussmann schlägt den Ball fast bis zu unserem Tor ab und ausgerechnet Zafer Akay, einer meiner erfahrensten Spieler, lenkt das Leder ins eigene Tor.

Die drei Platzverweise gegen uns waren Dummheiten meiner Spieler. Auch als erfahrener Trainer kann man so etwas nicht beeinflussen. Alle drei werden nun gesperrt und fehlen uns in den nächsten schweren Wochen. Sinan Calik ist Wiederholungstäter und wird mir gar anderthalb Monate nicht zur Verfügung stehen. Ich möchte da auch nicht näher drauf eingehen. Glücklicherweise haben wir das Spiel gewonnen und so meine Vorgabe, sieben Punkte aus den letzten drei Spielen, erfüllt. Fest steht: Das war das kurioseste Spiel meiner Fußball-Karriere. Eine Verfilmung dieser 90 Minuten, würde garantiert ein Bestseller werden."

Winfried Volkar (Vereinspräsident RSV Klosterhardt):

"Das war schon kurios. Die Platzverweise waren meiner Meinung nach allesamt berechtigt. Dagegen kann man nichts sagen. Die Leistung unserer Mannschaft, die auch in Unterzahl nie aufgegeben hat, stimmt mich sehr positiv für die Zukunft. Vor der Saison mussten wir schließlich eine völlig neue Truppe zusammenstellen, weil uns gleich 18 Spieler verließen. Mit der Ausbeute von neun Punkten und dem zwölften Tabellenplatz sind wir zwar nicht zufrieden, aber wir wussten, dass es für uns in erster Linie darauf ankommt, die Klasse zu halten. Mit solch tollen kämpferischen Leistungen wie in Lohberg bin ich sicher, dass wir in der Liga bleiben werden."

Autor: Thomas Ziehn

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