Torhüter genießen den Ruf, eine ganz besondere Spezies in der Fußballer-Szene darzustellen.

BVB: Ruhiger Kruse widerspricht Keeper-Klischee

„Situation gar nicht so wild“

Matthias Dersch
24. Juli 2008, 18:49 Uhr

Torhüter genießen den Ruf, eine ganz besondere Spezies in der Fußballer-Szene darzustellen.

Man denke nur an die extrovertierten, teils sogar beängstigenden Auftritte von Oliver Kahn, Jens Lehmann oder Tim Wiese. Beim BVB dagegen hat jetzt ein Keeper seinen Spind bezogen, der als eher ruhiger Vertreter seiner Art gilt: Lukas Kruse.

Der 25-Jährige, vom Zweitliga-Absteiger SC Paderborn in den „Pott“ gewechselt, bestätigt diesen Eindruck, wenn er in den imaginären Spiegel schaut: „Ich denke eigentlich nicht, dass es große Unterschiede zwischen dem privaten Lukas Kruse und dem auf dem Platz gibt. Höchstens die Grundstimmung ist eine andere.“ Genauso gelassen und abgeklärt wie im Gespräch präsentierte sich der gebürtige Paderborner, der seit der C-Jugend für den SC kickte, auch bei seinen bisherigen Auftritten im Trikot der Schwarz-Gelben.

Selbst bengalischen Feuer, die in seinem Rücken beim Test im Schweizerischen Grenchen das Tornetz in Brand setzten, konnten den „Goalie“ nicht aus der Ruhe bringen. „Die Situation habe ich als gar nicht so wild empfunden“, erinnert sich Kruse an die gefährlich aussehenden Szenen gegen den FC Basel: „Natürlich war es komisch, als die Dinger auf den Platz flogen. Aber ich war so auf das Spiel konzentriert, dass ich nicht groß darüber nachgedacht habe.“

Das gilt auch für seine mit 1,85 Meter eher überschaubare Körpergröße für einen Torhüter. „Als ich mich damals dazu entschieden habe, in den Kasten zu gehen, konnte man das noch nicht absehen“, zuckt der Keeper nur mit den Schultern und schiebt lapidar hinterher: „Und mehr wird es jetzt wohl auch nicht mehr.“

Dass man kein Hüne sein muss, um sich als Nummer eins zu behaupten, wurde in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Und auch aktuell sieht der 38-fache Zweitliga-Kicker einige positive Beispiele: „Bei der EM konnte man das gut sehen, die Russen und Spanier hatten beispielsweise starke, aber nicht sonderlich große Spieler im Tor.“

Dass Kruse ein Guter ist, bewies er im vergangenen Winter, als er zunächst Alexander Bade aus dem Paderborner Tor verdrängte und danach eine starke Rückrunde spielte. In seinem Engagement als dritter Keeper beim BVB sieht er trotzdem keinen Rückschritt: „Ich musste nicht lange zögern, als das Angebot kam. Das ist eine sehr große Herausforderung für mich. Ich möchte mich weiterentwickeln, alles andere ist ein positiver Zusatz.“

Autor: Matthias Dersch

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