Stelian Moculescu freut sich fast wie ein Kind auf Peking - aber auch auf den Abschied danach. Der Erfolgscoach, der die deutschen Volleyballer erstmals seit 36 Jahren wieder zu Olympia geführt hat, wird sich auf dem Höhepunkt seiner rund neunjährigen Aufbauarbeit als Bundestrainer verabschieden.

Moculescu: "Freue mich, dass es vorbei ist"

Olympia als Höhepunkt für Volleyball-Bundestrainer

sid
24. Juli 2008, 14:09 Uhr

Stelian Moculescu freut sich fast wie ein Kind auf Peking - aber auch auf den Abschied danach. Der Erfolgscoach, der die deutschen Volleyballer erstmals seit 36 Jahren wieder zu Olympia geführt hat, wird sich auf dem Höhepunkt seiner rund neunjährigen Aufbauarbeit als Bundestrainer verabschieden.

"Es war ein langer Weg, es war ein schöner Weg. Jetzt freue ich mich, dass es vorbei ist", sagt Moculescu: "Jetzt soll ein Anderer kommen und neue Impulse setzen. Ich wünsche den Jungs, dass sie einen guten Trainer bekommen." In diesen Worten schwingt Stolz über die geleistete Arbeit mit, aber auch Bitterkeit über das seit langem gestörte Verhältnis zum Deutschen Volleyball-Verband (DVV).

Viel darüber sagen mag er so kurz vor Olympia nicht mehr, nur, dass neun Jahre Zusammenarbeit "in diesem Geschäft eine Ewigkeit sind, wie in einer Ehe". Die Partner haben sich über die Jahre auseinandergelebt, obwohl Moculescu seit seinem Amtsantritt 1999 aus einer Verlierertruppe auf mittelmäßigem europäischen Niveau ein Weltklasseteam geformt hat.

Der Erfolgscoach fühlte sich über die Jahre oft ungerecht kritisiert. Der Honorar-Bundestrainer vermisst die Wertschätzung für seine für den Verband billige, aber sportlich unbezahlbare Tätigkeit.

Dass er nach Olympia als Bundestrainer geht, hätte der DVV sicher verhindern können - er wollte es aber nicht. "Stelu war immer eine Überperson, aber auch eine Reizfigur, an der sich viele gerieben haben", sagt Sportdirektor Günter Hamel. Das soll jetzt anders werden, deshalb hat die Suche nach einem Nachfolger längst begonnen.

Mit Julio Velasco wurde verhandelt, einem Mann, der Italien zum Weltmeister machte. Das zeigt das Anforderungsprofil an den Neuen, denn Moculescu hat hohe Maßstäbe gesetzt, und Deutschland ist wieder zu einer Top-Adresse im Männer-Volleyball geworden.

Deshalb werden dem deutschen Topkandidaten Michael Warm (SCC Berlin), der Moculescu einst schon mal beerben sollte und dem DVV jetzt bereits seine Ideen für die Zukunft vorgestellt hat, nur Außenseiterchancen eingeräumt.

Verbandschef Werner von Moltke will Moculescu in die Trainersuche einbeziehen. "Wenn sie mich fragen, werde ich meine Meinung sagen. Wenn nicht, dann nicht", sagt Mocolescu. Er denkt lieber an die Tage in Peking, in denen sich für ihn ein Kreis schließt.

1972 in München war er bei der bislang letzten Olympiateilnahme eines deutschen Männer-Volleyballteams als Spieler für Rumänien dabei. Damals flüchtete er nach Deutschland und vollendet jetzt seine Karriere: "Als Spieler und Trainer bei Olympia zu sein, das haben nicht so viele geschafft. Ich freue mich riesig."

Er will mit seiner Mannschaft mit dem Einzug ins Viertelfinale ein letztes Ausrufezeichen setzen - vor allem sollen seine Jungs aber Erlebnis Olympia genießen: "Eine WM oder EM rauscht vorbei - aber Olympia vergisst du nie."

Danach wird er sich von seinen Nationalspielern verabschieden und ganz seinem Job als Vereinstrainer beim deutschen Meister VfB Friedrichshafen widmen. Er hat den Verein zum größten Titelsammler im deutschen Volleyball gemacht und 2007 sensationell zum Sieg in der europäischen Champions League geführt. Am Bodensee erfährt er die Wertschätzung, die er vom Verband bis jetzt nicht so recht gefühlt hat.

Autor: sid

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