Heute ist Parkstadion-Gegengeraden-Wetter. Gefühlte acht Grad, peitschender Regen und ein fieser Wind lassen den Sommer in Stegersbach, wo es laut Tourist-Info 300 Sonnentage im Jahr gibt, zu einer Karikatur verkommen.

Tagebuch aus dem Schalker Trainingslager

(Rafinha-) Tag 3, Mittwoch, 23. Juli

23. Juli 2008, 21:34 Uhr

Heute ist Parkstadion-Gegengeraden-Wetter. Gefühlte acht Grad, peitschender Regen und ein fieser Wind lassen den Sommer in Stegersbach, wo es laut Tourist-Info 300 Sonnentage im Jahr gibt, zu einer Karikatur verkommen.

Wie gut, dass uns das Thema Rafinha, der in FIFA-Boss Sepp Blatter einen neuen Freund gefunden hat, rund um die Uhr warm hält.
Beim morgendlichen Training haben die Kondi-Bolzer Christos Papadopoulos und Rouven Schirp an die verkümmerte Armmuskulatur der Spieler gedacht, die schon beim Anblick der stählern blitzenden Hanteln in Verzückung geraten. Vor allem Jefferson Farfan, wahrlich kein Freund des gepflegten Flachpasses, geht so an die Arbeit, als wenn er die ganze Zeit auf diese Übung gewartet hätte. Womöglich reist er morgen seinem hier wegen des Wetters abwesenden Kollegen Rafinha hinterher, um bei den Olympischen Spielen als Gewichtheber anzutreten. Das soll ja eh eine peruanische Spezialdisziplin sein.

Am Rande komme ich mit Uwe Fuchs ins Gespräch. Den ehemaligen Wuppertaler Trainer hatte ich bisher für einen arroganten Ar... gehalten, doch diese Meinung muss ich revidieren. Fuchs ist ein angenehmer wie fachkundiger Gesprächspartner, der nicht unerwähnt lässt, dass er kürzlich sogar die eineinhalb Jahre anhaltende Funkstille mit einem gewissen Kai Griepenkerl beendet hat.

Bis zur Einheit am Nachmittag standen im Mannschaftshotel noch Gesprächsrunden mit Farfan und Engelaar an. Der Stürmer quält sich etwas gelangweilt durch die von einem spanisch sprechenden Kollegen vom ZDF moderierte Gesellschaft und ballt nach einer knappen halben Stunde erleichtert die Faust, als er weiß, dass die letzte Frage gestellt ist. Mit einem ehrlichen „ich bin müde“ zieht der Zehn-Millionen-Euro-Mann von dannen. Vielleicht will er auch gar nicht schlafen, sondern geht heimlich zum Pumpen in den Kraftraum.

Engelaar ist keine fünf Minuten später da. Er versteht schon so gut Deutsch, dass nicht übersetzt werden muss. Die Antworten gibt er in Englisch, das kriegen selbst wir Hinterwäldler von der heimischen Presse hin. Der Holländer weiß mit seiner offenen, intelligenten Art zu punkten, ihm scheint die Begegnung mit Journalisten kein Gräuel, bevor auch er nach 30 Minuten vorerst alles gesagt hat.

Gegen 18 Uhr stellt sich Manager Andreas Müller noch einmal der Presse, um Blatter bildlich ein Blatt vor den Mund zu legen. Das Thema Rafinha wird uns wohl erst am Freitag wieder umtreiben, dann wird ein Urteil des CAS erwartet.

Trotzdem bis morgen,

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