Am vergangenen Sonntag musste Linda Bresonik Komplimente abwehren.

Linda Bresonik feiert Comeback in der DFB-Auswahl

"Ich hatte ein Jahr keine Lust auf Fußball"

01. Februar 2007, 20:09 Uhr

Am vergangenen Sonntag musste Linda Bresonik Komplimente abwehren.

Am vergangenen Sonntag musste Linda Bresonik Komplimente abwehren. Nach ihrem gelungenen Auftritt in der Frauen-Nationalmannschaft des DFB gegen China beim Vier-Nationen-Turnier in Guangzhou bekam die Spielerin der SG Essen-Schönebeck von verschiedenen Seiten zu hören, dass ihr Spiel so leichtfüßig ausgesehen hätte. Doch derartige Eindrücke muss sie revidieren. "Das täuscht. Ich laufe hier nicht einfach so locker flockig mit. Im Gegenteil: Das ist ganz schön anstrengend, auf internationalem Niveau mitzuhalten", erklärt sie.

Doch dieses Gefühl hat Bresonik lange vermisst. Mehr als drei Jahre wartete sie darauf, wieder einmal das Trikot der DFB-Auswahl tragen zu dürfen. Entsprechend groß war ihre Freude, als sie erfuhr, von Bundestrainerin Silvia Neid für das Turnier im Gastgeberland der WM 2007 eingeladen zu werden. Und ihre Begeisterung war sichtbar, nicht nur auf dem Feld, sondern auch wie sie sich im Kreis der Mannschaft bewegte.

Warum der 23-Jährigen das Dabeisein so viel bedeutet, ist einfach erklärt. "Ich hatte ein Jahr keine Lust auf Fußball, aber danach habe ich es mir zum Ziel gesetzt, wieder in die Nationalmannschaft zu kommen", sagt Bresonik. Mit höchster Priorität versah sie diesen Wunsch. "Ich spiele derzeit nur Fußball", berichtet sie. An der WM vom 10. bis 30. September teilzunehmen, wäre für sie die Realisierung eines Traums.
Ihre Chancen dürften sich nach dem Vier-Nationen-Turnier nicht verschlechtert haben. Neid stellte ihr zumindest ein positives Zeugnis aus. "Im ersten Spiel gegen die USA musste sie sich erst wieder an die internationale Härte gewöhnen. Aber in der zweiten Partie gegen China hat sie ein gutes Zweikampf-Verhalten gezeigt. Sie war sehr aufmerksam, hat eine schnelle Spielauffassung gezeigt und gute Pässe in die Tiefe gespielt."

Das hört Bresonik gerne. Aber sie kann die Komplimente zurückgeben. "Ich bin so aufgenommen worden, als wäre ich nie weg gewesen." Den Weg für ihre Rückkehr hatte ihr Neid geebnet. Anfang Dezember ging die Bundestrainerin auf die Technikerin zu. Zunächst wurde sie zu dem von Konditionstrainer Dr. Norbert Stein durchgeführten Leistungstest in die Sporthochschule Köln eingeladen. Kurze Zeit später wurde sie für das Vier-Nationen-Turnier berufen. "In dem Moment kam das überraschend für mich, umso mehr habe ich mich aber gefreut", erinnert sich Bresonik.

Außerdem registrierte sie das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Spielte sie früher in der Nationalmannschaft in der Viererkette auf der linke Seite, so durfte sie in Guangzhou im zentralen defensiven Mittelfeld ran. Eine Rolle, die ihr mehr behagt. "Ich spiele lieber im Zentrum, weil man dort mehr Ballkontakte hat." Aber die Verschiebung auf eine Schlüsselposition spricht auch für ihre persönliche Entwicklung. "Ich bin in den vergangenen Jahren gereift, trage jetzt mehr Verantwortung", erklärt die Essenerin.

Entsprechend differenziert bewertet sie ihre Leistungen beim Vier-Nationen-Turnier. "Mit manchen Defensivsituationen war ich nicht so einverstanden, in der Offensive konnte ich mich dagegen gut zeigen. Für den Einstieg bin ich ganz zufrieden." Summasummarum ist der Wiedereinstieg gelungen. Sie kann an ihrem Traum weiterarbeiten.NB

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