Noch dauert es fast einen ganzen Monat, bis die Fußball-Bundesliga in ihre nunmehr 46. Saison geht.

RS-Kommentar: Wie sich Schalke wieder an Sprüchen überbietet

Meister im Reden

von Heiko Buschmann
17. Juli 2008, 18:05 Uhr

Noch dauert es fast einen ganzen Monat, bis die Fußball-Bundesliga in ihre nunmehr 46. Saison geht.

Doch beim FC Schalke üben sich die Verantwortlichen schon mal vorab im Wettbewerb: Wer haut die besten Sprüche raus? Unangefochtener Spitzenreiter in dieser Disziplin ist und bleibt Josef Schnusenberg. Als Diplom-Finanzwirt und selbständiger Steuerberater hat der 67-Jährige beruflich viel mit drögem Zahlenwerk zu tun. Buchhalterische Dinge eben, die erledigt werden müssen, damit die Bilanz stimmt.

In seiner Eigenschaft als Schalkes Vorsitzender allerdings hat er die Möglichkeit, mit kernigen Aussagen große Aufmerksamkeit zu erlangen. Dies tut Schnusenberg in schöner Regelmäßigkeit. Mal sieht er die Königsblauen bald auf Augenhöhe mit dem Branchenführer Bayern München, mal weiß er gar nicht mehr wohin mit dem ganzen Geld, wenn der Verein in zehn Jahren die Arena abbezahlt haben sollte. Als in der vergangenen Saison sportlicher Erfolg und spielerischer Genuss selten in Einklang kamen, übernahm er die Rolle des schärfsten Kritikers von Ex-Trainer Mirko Slomka.

Oft und anscheinend nur zu gerne bewertete Schnusenberg auch sportliche Belange, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich von Andreas Müller fallen. So konnte sich der Manager in seiner moderaten Art meist gut hinter dem ersten Mann im Club verstecken. Und falls Schnusenberg mal zu laut wurde, wiegelte Müller gerne ab, denn "manchmal müsse man den Jupp einfach bremsen".

Der Zeitpunkt scheint schon gekommen, obwohl noch kein Pflichtspiel absolviert wurde. Während Müller gebetsmühlenartig wiederholt, Schalker strebe erneut einen Platz unter den ersten Drei in der Bundesliga an und dabei wolle man das große Ziel Deutsche Meisterschaft nicht aus den Augen verlieren, ist Schnusenberg schon wieder vorangeprescht. Er sehe die mit über 15 Millionen Euro verstärkte Truppe im nächsten Mai auf Rang eins oder zwei.

Dass er mit derlei Forderungen den neuen Trainer Fred Rutten, der sich bei der Formulierung der Ziele bisher betont zurückgehalten hat, vorab mächtig unter Druck setzt, weiß Schnusenberg ganz genau. Auf der anderen Seite kündigt an, für die weitere Verstärkung des Kaders stünden im Winter noch einmal 15 Millionen Euro bereit. Was ist denn, falls Schalke im Dezember auf Platz eins steht, das sportliche Konzept wunderbar aufgeht, die Truppe unter Rutten erfolgreichen und sogar guten Fußball spielt?

So lange dies nur ein königsblauer Traum ist, sollten sich alle, die mit Schalke zu tun haben, besser zurückhalten. Es wäre freilich umso schöner, sollten sich Schnusenbergs Wünsche bewahrheiten.

Autor: von Heiko Buschmann

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