Das ganze Leben von Daniel Beine dreht sich nur um Tore. Wenn er nicht für den Landesligisten SV Sonsbeck das Runde ins Eckige befördern will, versucht er das Gleiche vor dem PC. Dann liegen seine Füße aber im Regelfall ziemlich ruhig unter dem Schreibtisch und er beweist seine Fingerfertigkeit am Joypad.

Sonsbeck: Stürmer Beine Vize-Meister in der eSport Bundesliga

„Ich könnte auch vom Zocken leben“

Christian Krumm
16. Juli 2008, 09:46 Uhr

Das ganze Leben von Daniel Beine dreht sich nur um Tore. Wenn er nicht für den Landesligisten SV Sonsbeck das Runde ins Eckige befördern will, versucht er das Gleiche vor dem PC. Dann liegen seine Füße aber im Regelfall ziemlich ruhig unter dem Schreibtisch und er beweist seine Fingerfertigkeit am Joypad.

Beine ist nämlich einer der führenden EA-Sports FIFA-Spieler in Deutschland. In der letzten Saison der eSport Bundesliga steuerte der 20-Jährige seine Mannschaft L’Oréal Men Expert United zum Vize-Titel und musste sich nur Nicolas Eleftheriadis geschlagen geben. „Man kann schon sagen, dass ich zu den Besten in Deutschland gehöre“, sagt Beine selbstbewusst.

Kann er auch, denn in den vorherigen beiden Spielzeiten wurde er Meister und belegte den vierten Platz. Aus dem Nationalteam ist er gar nicht mehr wegzudenken. „Ich wurde auch in diesem Jahr wieder für die Europameisterschaft nominiert“, erklärt Beine, der im August auf der Game Convention in Leipzig, die größte Spielemesse bundesweit, zum vierten Mal den EM-Titel holen möchte: „Das wäre toll. Aber auch die Konkurrenz ist zimelich stark. Auf die Ungarn, die Portugiesen und die Russen müssen wir besonders aufpassen.“
[infobox-right]Info: eSport Bundesliga

In der eSport Bundesliga kannst Du mit deiner Mannschaft an einem organisierten Ligabetrieb teilnehmen und hast die Möglichkeit eSport Profi zu werden. Auf Basis des Computerspiels FIFA von EA Sports treten die besten Spieler Deutschlands gegeneinander an um am Ende der Saison den deutschen Meister zu küren. Die Profis der 1. eSport Bundesliga tragen ihre Spieltage im Berliner eSport-Stadion vor zahlreichen Fans aus. Mit Hertha BSC Berlin oder 1. FC Lokomotive Leipzig haben schon die ersten Fußballvereine die eSport Bundesliga entdeckt und treten mit einer eigenen eSport Mannschaft an. Die erste Liga ist zu vergleichen mit der „richtigen“ Fußball-Bundesliga: 18 Teams treffen aufeinander und ermitteln an 34 Spieltagen den Deutschen Meister. Auch das Punktesystem ist identisch: Für einen Sieg fährt man drei Punkte ein, für ein Remis gibt es einen Zähler.
Im L'Oréal Men Expert eSport Pokal treffen Spieler aus allen Ligen aufeinander und es kommt zu Begegnungen zwischen Amateuren aus der Oberliga und den Profis aus der 1. eSport Bundesliga. Wie im echten Fußball kommt es dabei immer wieder zu Überraschungen und auch die vermeintlichen Underdogs können sich hier auf der großen Bühne beweisen.
Wir wollen den eSport (elektronischen Sport) für den Großteil der Bevölkerung zugänglich und attraktiv zu machen. Um dies zu erreichen und den eSport zu etablieren verzichten wir gänzlich auf die sog. First Person Shooter Spiele. Außerdem setzt die eSport Bundesliga gezielt auf bekannte und von der Öffentlichkeit anerkannte Ligasysteme, wie z.B. im Bereich Fußball das der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL).
eSport ist nach unserem Verständnis eine eigene Sportdisziplin, welche sowohl Spielkönnen (Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit), als auch taktisches Verständnis (Spielübersicht, Spielverständnis) erfordert. Aus diesem Grund ist es erklärtes Ziel der eSport Bundesliga langfristig Anerkennung bei Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit seinen eSport Disziplinen zu finden. (Quelle: www.esportbl.de).
[/infobox]
Die Frage, die sich nun die meisten Leute stellen: Verbringt er die komplette Zeit nur noch vor dem Computer? „Momentan trainiere ich alle zwei Tage eine Stunde. Aber andere Top-Spieler sind täglich drei Stunden am Ball. Dafür habe ich nicht immer Zeit“, berichtet Beine, der betont: „Ich könnte auch vom Zocken leben. Durch Sponsoren verdienen wir schon gutes Geld.“

Die ermöglichen ihm dann auch während der Saison alle zwei Wochen nach Berlin zu fliegen, um zwei Spieltage der Bundesliga zu absolvieren. „Genau, das bekomme ich auch von meinem Sponsor L’Oréal bezahlt. Daher auch der Name meines Teams.“

Beine in jungen Jahren schon ganz oben. Aber wie begann seine Karriere? Seine Antwort: „2004 habe ich richtig angefangen. Zuvor habe ich schon mal ein kleineres Turnier gespielt. Damals war die Freude über ein T-Shirt oder ein Gamepad schon riesig groß.“ Die Zeiten sind vorbei, „denn für solche Wettbewerbe habe ich schon lange keine Zeit mehr.“ Inzwischen hat Beine schon mehrfach vor laufenden Fernseh-Kameras gezockt.

„Dadurch habe ich auch schon viele interessante Leute kennengelernt, die ich sonst wahrscheinlich nie in meinem Leben live gesehen hätte. Ich durfte Franz Beckenbauer sogar schon mal die Hand schütteln. Das war schon eine große Ehre“, denkt er immer noch an die Begegnung mit dem Kaiser.

Seine Freunde wollen schon lange nicht mehr mit ihm spielen. „Ab und zu mal. Aber dann nur auf der Playstation, weil der Unterschied zum PC schon ganz schön groß ist. Aber ich habe ja auch keinen Spaß daran, wenn ich gegen deutlich schlechtere Gegner antrete“, grübelt Beine, der ohnehin kaum noch freie Zeit genießen kann. „Eine Freundin passt nicht in meinen Terminkalender“, lacht er. „Dafür ist meine Oma mein größter Supporter. Sie unterstützt mich wirklich gut, obwohl sie am Anfang wahrscheinlich auch nicht gedacht hätte, dass es mal so gut laufen würde.“

Die Frage, die sich stellt: Wo macht es dem Sonsbecker Youngster mehr Spaß? Auf dem Rasen oder am Computer? „Es ist beides eine geile Sache, aber man kann es eben nicht vergleichen“, erklärt Beine, der derzeit in der Vorbereitung mit seinem SVS steckt. „In Sonsbeck zu kicken, macht mir riesig Spaß. Es ist klasse, was wir für einen Zusammenhalt in der Truppe haben. Das ist unsere größte Stärke.“

Auch sein Trainer Thomas Geist ist begeistert von seinem Schützling: „Er ist für mich ein ganz wichtiger Baustein und gehört mit seinen 20 Jahren schon zu den Stützen des Teams.“ Große Worte, auf die der Goalgetter eher schüchtern reagiert: „Es ehrt mich, so etwas in meinem zweiten Seniorenjahr zu hören. Ich versuche mich einfach so gut wie möglich einzubringen und der Mannschaft zu helfen. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden.“

Aber es gibt noch etwas, das ihn noch glücklicher werden ließ. „Ich würde total gerne mal mit Sonsbeck in der Verbandsliga auflaufen. Das wäre mein Traum und das hätten sich auch unsere Zuschauer verdient, denn für Landesliga-Verhältnisse haben wir in jedem Heimspiel eine ganz tolle Kulisse. 300 Besucher haben wir fast immer am Platz“, ist Beine von den Anhängern begeistert. Was traut er sich und seinen Jungs in der kommenden Spielzeit zu? „Wenn wir unter die ersten Drei kämen, wäre das super.“

Autor: Christian Krumm

Kommentieren