Zittern musste sie um das Olympia-Ticket nicht. Denise Hinrichs konnte in dieser Saison bereits mehrfach unter Beweis stellen, dass sie mit der Kugel umgehen kann. Die Athletin des TV Wattenscheid will jetzt auch in Peking zeigen, dass sie in Sachen Kugelstoßen noch Großes vor hat. Mit RevierSport sprach die Dritte der Deutschen Meisterschaften über ihre Ambitionen, ihren Coach und was Trainingsumstellungen bewirken können.

Kugelstoßen: Denise Hinrichs ist stolz auf Nominierung

Die Liebe zum „Wegwerfen“

Sarah Landsiedel
16. Juli 2008, 09:47 Uhr

Zittern musste sie um das Olympia-Ticket nicht. Denise Hinrichs konnte in dieser Saison bereits mehrfach unter Beweis stellen, dass sie mit der Kugel umgehen kann. Die Athletin des TV Wattenscheid will jetzt auch in Peking zeigen, dass sie in Sachen Kugelstoßen noch Großes vor hat. Mit RevierSport sprach die Dritte der Deutschen Meisterschaften über ihre Ambitionen, ihren Coach und was Trainingsumstellungen bewirken können.

Denise Hinrichs, wie sind Sie mit Ihrem Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg zufrieden?

Mit dem dritten Platz und der Weite von 18,60m bin ich zufrieden, zumal diese wieder deutlich über der Olympianorm von 18,35m liegt.

Nach Ihrem Wechsel nach Wattenscheid sagten Sie einmal, dass der Umzug ins Ruhgebiet gewöhnungsbedürftig war. Haben Sie sich inzwischen eingelebt?
Natürlich ist es zu Hause immer noch am Schönsten, aber mittlerweile fühle ich mich hier auch recht wohl.
[infobox-left]Zur Person
Denise Hinrichs, geb. am 7. Juni 1987, Trainer: Miroslaw Jasinski, Erfolge: 3. Platz Deutsche Meisterschaften 2008, 9. Platz Hallen-Weltmeisterschaften 2008, Deutsche Hallenmeisterin 2008, Hallen-Europa-Cup Siegerin 2008, U23-Vize-Europameisterin 2007, U20-Vize-Weltmeisterin 2006, U20-Europameisterin 2005, 4. Platz U18-Weltmeisterschaften 2003, 8-malige Deutsche Jugend- und Juniorenmeisterin.
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Welchen Anteil hat Ihr Trainer Miroslaw Jasinski daran?
Definitiv den größten Anteil an meiner Leistungsentwicklung. Wir haben das Training etwas umgestellt, machen nicht mehr so viel Kraft wie vorher, und vor allem hat er mir den Spaß am Kugelstoßen zurückgegeben.
Wie haben sich Ihre Übungen verändert?
Ich trainiere jetzt nur noch maximal elf Einheiten die Woche, mache weniger Krafttraining, dafür mehr Techniktraining sowie mehr Sprünge für die Füße.
Beschreiben Sie doch mal einen normalen Trainingstag!
Die Vormittagseinheit beinhaltet meistens etwas Techniktraining bzw. allgemeine athletische Übungen. Am Nachmittag stoße ich Kugel, danach eine Kraftübung und zum Abschluss wieder etwas athletisches.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Sport?
Ich bin Angehörige der Sportfördergruppe der Bundespolizei. In der Zeit von September bis Weihnachten absolviere ich meine Ausbildung in Cottbus und die restlichen acht Monate bin ich frei gestellt. In dieser Zeit kann ich mich dann nur auf den Sport konzentrieren.

Warum haben Sie sich für das Kugelstoßen entschieden?
Kugelstoßen lag mir nun mal am Besten von allen leichtathletischen Disziplinen. Auch ist Kugelstoßen technisch sehr anspruchsvoll, das beherrscht nicht jeder. Es macht mir Spaß, etwas weit wegzuwerfen, um es dann wiederzuholen und noch weiter wegzuwerfen.

Das Ticket für Peking haben Sie in der Tasche, und das haben Sie sich souverän gesichert. Welche Last ist da von Ihnen abgefallen?
Ich bin sehr glücklich über die Nominierung. Für mich ist es etwas ganz besonderes. Es gibt nicht viele Leute beim Kugelstoßen, die bereits mit 21 Jahren bei den Olympischen Spielen starten dürfen. Das macht mich sehr stolz.

Wird Ihr Trainer in Peking dabei sein?
Leider wird er nicht vom Deutschen Leichtathletikverband aus fahren können. Wir versuchen allerdings, dass es doch möglich wird, dass Miro mitfahren kann. Es ist schon nicht einfach, zweieinhalb Wochen ohne eigenen Coach zu trainieren.

Was erwarten Sie von Ihrem Olympia-Debüt?
Ich habe keine besonderen Ziele. Ich möchte einfach einen guten Wettkampf machen und möglichst mein Bestleistungsniveau erreichen.
Was ist für Sie realistisch?
Mit etwas Glück das Finale der besten zwölf zu erreichen, was aber aufgrund der starken Konkurrenz nicht einfach werden wird.

Haben Sie sportliche Vorbilder?
Astrid Kumbernuss. Sie hat alles erreicht, was man in diesem Sport erreichen kann und hat das Kugelstoßen in Deutschland populär gemacht.

Sie sind noch jung und können gerade in Ihrer Disziplin noch einige Jahre in der Weltspitze dabei sein. Welche Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesteckt?
Natürlich möchte ich noch an weiteren Großereignissen teilnehmen und London 2012 ist ja auch nicht mehr so weit weg. Außerdem möchte ich mich kontinuierlich entwickeln. Das funktioniert aber nur, wenn ich verletzungsfrei bleibe.

Lars Riedel hat in einem Interview kürzlich beklagt, dass die Dopingkontrollen nicht „menschenwürdig“ seien. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Lars hat natürlich viel mehr Erfahrungen als ich, aber für mich sind die Dopingkontrollen ein ganz normaler Prozess, die helfen Sünder zu überführen.
Ihr Sport ist bestimmt nicht gerade gelenkschonend. Wie stark wird Ihr Körper bei Training und Wettkampf belastet?
Die Belastung durch die vielen Stöße und auch gerade das Krafttraining ist schon sehr hoch, aber ich bin noch jung und verkrafte das sehr gut.
Liegt Ihre Zukunft in Wattenscheid?
Wenn die Situation weiter so bleibt, dann auf jeden Fall.
Wenn Sie in Peking Zeit finden, welche Sportarten interessieren Sie als Zuschauer?
Erstmal alle anderen Leichtathletikdisziplinen. Vielleicht finde ich mal Zeit beim Bahnradsport zuzuschauen, da startet ein Freund aus meiner Ausbildungsgruppe der Bundespolizei.

Autor: Sarah Landsiedel

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