Ein Jahr noch, voraussichtlich in der Landesliga, dann soll langsam Schluss sein. Issa Allouche, in der abgelaufenen Saison noch für den FC Kray aktiv, möchte seine Karriere ausklingen lassen. Es wäre der stille Schlussakkord einer illustren Laufbahn: Profi bei Rot-Weiss Essen, libanesischer Nationalspieler, asiatische Champions League, Landesliga - Kreisliga C?

Allouche: Issas wechselhafte Karriere

Zwischen Champions League und Kreisliga C

Aaron Knopp
15. Juli 2008, 09:14 Uhr

Ein Jahr noch, voraussichtlich in der Landesliga, dann soll langsam Schluss sein. Issa Allouche, in der abgelaufenen Saison noch für den FC Kray aktiv, möchte seine Karriere ausklingen lassen. Es wäre der stille Schlussakkord einer illustren Laufbahn: Profi bei Rot-Weiss Essen, libanesischer Nationalspieler, asiatische Champions League, Landesliga - Kreisliga C?

Denkbar, denn vielleicht will Allouche sogar noch eine allerletzte Saison beim ersten libanesischen Fußball-Club Deutschlands dranhängen. Aber der Reihe nach.

Bereits in jungen Jahren mangelte es Issa nicht an Talent, was auch den Spähern des größten Essener Clubs nicht verborgen blieb: In der C-Jugend wechselte der Mittelfeld-Techniker zu Rot-Weiss Essen. Die nächsten Jahre lesen sich wie die klassische Vita eines angehenden Jungprofis: Allouche durchlief alle Jugendmannschaften und schaffte schließlich den Sprung ins Reserve-Team. „Nach einem Jahr dort habe ich dann gleich meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben“, erinnert sich der Familienvater. Auch dort feierte er alsbald seine ersten Einsätze. Doch plötzlich erlitt seine steile Karriere den ersten Knacks - im Handgelenk. „Ein Bruch“, berichtet der Offensiv-Mann, „normalerweise keine große Sache.“

Dennoch mit weitreichenden Konsequenzen. Der Rekonvaleszent verabschiedete sich kurzfristig in die libanesische Heimat, wo er das Angebot erhielt, beim Erstligisten Al-Nejmeh Sporting Club mitzutrainieren. „Ich wollte mich nur ein bisschen fit halten“, beteuert der Mittelfeld-Spezialist. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Schuld daran: Der schwedische Coach des Teams. „Er sah mich eine halbe Stunde und hat mich gleich zur Seite genommen und gefragt, wo ich herkäme. Als er hörte, wo ich spiele, fragte er mich in perfektem Deutsch, ob ich nicht bleiben wolle.“

Natürlich habe er zunächst verneint, bekräftigt Allouche. Schließlich hat er sich dennoch bezirzen lassen und telefonisch um die Auflösung seines Kontrakts gebeten. „Ich habe dem Club mitgeteilt, dass ich im Libanon bleiben möchte. Im Nachhinein war das vielleicht ein Fehler“, sagt der mittlerweile 35-Jährige heute.

In jedem Fall der Anfang vom Ende seiner fußballerisch erfolgreichsten Zeit. Dabei stellte sich beim Beiruter Club zunächst auch schnell der Erfolg ein. Das Team qualifizierte sich 1996 für die asiatische Champions League und überstand sogar die erste Runde. Ein großer Erfolg für die Libanesen, die echte Sensation folgte aber erst. Das Hinspiel der zweiten Runde gegen Al-Nasr aus Saudi-Arabien konnte man mit 1:0 für sich entscheiden. „Das war schon ein historischer Tag für den Libanon, alles kam live im Fernsehen, wirklich etwas ganz Besonderes.“

Immerhin nimmt sich das fußballerische Niveau des Landes für gewöhnlich sehr überschaubar aus. „Gegen die Teams aus Japan und Südkorea oder Saudi-Arabien hat man normalerweise keine Chance. Die Liga kann man vielleicht mit der Regionalliga vergleichen, die Top-Mannschaften spielen gerade noch auf Zweitliga-Niveau, aber das war’s“, schätzt Allouche. Doch die Freude währte nur kurz – das Rückspiel verlor Al-Nejmeh sang-und klanglos 0:4, die libanesische Nationalmannschaft wurde dennoch auf ihn aufmerksam.

Fast schon tragisch, dass der heutige Krankenhaus-Mitarbeiter nun quasi höherer Gewalt zum Opfer fiel. „Es gab einen Bestechungsfall, da waren sogar einige Minister verwickelt, die komplette Liga wurde gesperrt.“ Allouche stand ohne Verein da – und trollte sich zurück in Richtung Deutschland. Fußball war erstmal gestorben. Heute räumt er Fehler ein, gesteht: „Ich war ein bisschen faul, wollte eigentlich nicht mehr spielen.“ Bis das Angebot von Türkspor 86/88 Essen kam. „Die waren gerade in die Landesliga aufgestiegen und haben mich gefragt, ob ich ihnen helfen würde“, erläutert Allouche.

Kurzum: er sagte zu, Türkspor stieg in der selben Saison wieder ab. Doch der gebürtige Beiruter blieb der ehemals sechsthöchsten Spielklasse treu, heuerte beim FC Kray an. Doch auch dieses Engagement ist mittlerweile Geschichte – den Testspiel-Knaller gegen den VfB Speldorf am Sonntag bestritt er aber schon nicht mehr für den Club von der Buderusstraße.
Vielleicht geht es stattdessen in die Essener Kreisliga C – zu Al-Arz Libanon 2008, einem Club, der für sich in Anspruch nimmt, der erste libanesische Fußball-Verein Deutschlands zu sein.

Doch die Motivation, noch einmal in die Niederungen des Amateur-Fußballs zu steigen, ist wohl anderer Natur. Alleine im vorläufigen Kader des C-Ligisten stehen acht „Allouches“. „Alles Neffen und Cousins“, strahlt der ehemalige Internationale. Voraussichtlich muss sich die Familie jedoch noch ein wenig gedulden, denn es lockt ein Angebot aus der Landesliga.

Spätestens in der übernächsten Saison könnte es aber vielleicht doch noch etwas werden mit der Familien-Zusammenführung in der Kreisklasse. Möglicherweise als kickender Coach: „Ich habe mir die Unterlagen für den Trainerschein mal zukommen lassen.“ Es wäre das Ziel einer umtriebigen Karriere. Zumindest für den Spieler Issa Allouche...

Autor: Aaron Knopp

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