SGS: Agolli fordert "neidvollen" Blick auf Melanie Hoffmann

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13. Oktober 2006, 20:39 Uhr

So ganz hatte Ralf Agolli seine Gesichtszüge nicht im Griff!

So ganz hatte Ralf Agolli seine Gesichtszüge nicht im Griff! Als der Trainer der SG Schönebeck sieben Sekunden nach dem Abpfiff des Matches gegen den Hamburger SV (4:1) auf die hingehaltene Tabelle mit der SGS an der Spitze blickte, das sah man den inneren "Reichsparteitag" in seinen Augen leuchten. Kurze Zeit später behauptete er tatsächlich, "das interessiert mich jetzt alles nicht." Klar, so ist der 44-Jährige, kein großes Theater in der Öffentlichkeit, nicht nach einem Erfolg, allerdings auch nicht nach einer Niederlage. "Das ist jetzt eine schöne Momentaufnahme", vollzog Willi Wißing, Manager der SGS, den Schulterschluss mit seinem Coach. Das wird auch Andreas Kuhn so sehen, der neue Sportliche Leiter des Clubs, der am gleichen Tag flockige 40 Lenze wurde, somit man später im Vip-Raum an der Ardelhütte zwei Anlässe hatte, noch auf den Putz zu hauen.

Agolli spricht auch lieber analytisch, betonte, dass er auf die gesperrte Steffi Schubert, also seine Spielführerin, verzichten musste, "somit die Abwehr auch neu formiert war." Am kommenden Sonntag, 15. Oktober, ist "Schubi" wieder an Bord, dann geht es zum SC Bad Neuenahr, "so was wie unser Angstgegner", grübelt Agolli, dem aber auch klar ist, dass er von dieser Emotion in seiner Truppe nach den drei Auftaktsiegen nicht unbedingt viel sieht. Neuenahr ist sicherlich eine hohe Qualitätshürde, es muss mehr Klasse abgerufen werden als gegen den HSV. Agolli: "Die Leistung gegen Hamburg war sicher nicht so toll, allerdings haben wir gewonnen, das stehe ich meiner Auswahl absolut zu."

Die auch nur eine halbe Stunde auf Steffi Weichelt zurückgreifen konnte, Agolli erlöste die Ex-Frankfurterin, die nach einer Fußgelenksverletzung sichtlich nicht Chef ihres Körpers war. "Trotzdem bereitete sie den ersten Treffer vor", zuckt Agolli mit den Schultern. Weichelt: "Gut, dass ich raus war, hinterher verletzt man sich nur umso mehr, weil man nicht richtig durchzieht." Ein Band "ist wohl gerissen", überlegt Agolli. Weichelt wird sich das Auflaufen bei den Bäderstädterinnen nicht nehmen lassen, auch von ihren Problemen bei der Abgabe der Doping-Probe nach dem Hamburg-Spiel - sie orderte zwei Flaschen Apfelschorle nach - ließ sie sich nicht beeindrucken. Zocken wird in Neuenahr auch Linda Bresonik, die in der letzten Spielzeit dort noch wirkte, sich allerdings nicht unbedingt herzlich trennte - für Stimmung ist also gesorgt.

Bresonik ist ein Teil seines Mittelfelds, fix ist Agolli im Thema, vor allen Dingen auch dann, wenn er über Bresoniks Pendant Melanie Hoffmann spricht. "Mel war 90 Minuten unterwegs." In der Tat, und belohnte sich mit dem finalen 4:1. "In ihrer Rolle ist sie für mich die aktuell stärkste Mittelfeldspielerin Deutschlands." 2007 findet die WM in China statt, über den Kader macht sich Bundestrainerin Silvia Neid Gedanken. Die bislang 20-fache Internationale Bresonik war bereits Gesprächsinhalt zwischen Agolli und Neid, der Name Hoffmann - ausgestattet mit 36 Einsätzen im DFB-Trikot - wir durch den Ex-Krayer vehement forciert: Mit einiger Berechtigung. "Es darf nicht sein, dass man mit alt oder jung argumentiert", spielt Agolli auf die 31 Jährchen von Hoffmann an, die allerdings so fit wie nie zuvor wirkt, "weil sie jeden Tag ihre Einheit absolviert." Am 22. November steht in Karlsruhe - vor dem Länderspiel gegen Japan (23.November) - eine Trainertagung an, Agolli wird Neid ins Gebet nehmen.

Autor: og

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