Das mit Jürgen Klopp frischer Wind bei Borussia Dortmund eingekehrt ist, das hat bereits die erste Trainingswoche unter dem neuen Linienchef gezeigt.

BVB: Klopp wirbelt alte Gewohnheiten durcheinander

„Hatte was von DFB-Pokal“

Matthias Dersch
11. Juli 2008, 10:11 Uhr

Das mit Jürgen Klopp frischer Wind bei Borussia Dortmund eingekehrt ist, das hat bereits die erste Trainingswoche unter dem neuen Linienchef gezeigt.

Der frühere Mainzer kümmert sich nicht groß um alte Marotten, sondern wirbelt lieber Gewohnheiten und Ordnungen gehörig durcheinander. Sein jüngster Coup: Die Zimmerbelegung im Trainingslager wurde ausgelost.

„Als ich mir den alten Plan angeguckt habe, ist mir aufgefallen, dass es sich viele sehr bequem gemacht haben. Da waren häufig beste Freunde gemeinsam in einem Raum, dazu gab es zahlreiche Einzelzimmer“, offenbart der Coach, was ihn dazu veranlasste, dieses neuartige Schlaf-Roulette einzuführen. Kritik aus den Reihen der Spieler gab es, laut Klopp, für diese spezielle Methode nicht, auch wenn einige auf den gewohnten Luxus einer ungestörten Nachtruhe zumindest während des Aufenthalts in Donaueschingen verzichten müssen: „Ich habe nicht gefragt, ob jemand ein Problem damit hat. Es ist aber auch niemand spontan aufgestanden und hat sich beschwert.“

Das Ziel der Auslosung, die direkt nach der Ankunft im Hotel „Öschberghof“ durchgeführt wurde, ist es, aus dem Team schneller eine Einheit zu formen: „Wir haben nur wenig Zeit, um zueinander zu finden. Außerdem lernt man so, Respekt voreinander zu haben.“ Trotzdem verlief die Ermittlung des Zimmerplans nicht ohne Aufregung, so mancher dürfte sich dabei an die Stimmung vor einer Pokalauslosung erinnert gefühlt haben. Und auch der 41-Jährige bestätigt mit seinem gewohnten Humor: „Es hatte was vom DFB-Pokal, schließlich stand auch hier die letzte Paarung vorzeitig fest.“

Wer jetzt jedoch dachte, das wäre es mit den Änderungen gewesen, der irrte gewaltig. Während die Spieler unter Thomas Doll noch die Freiheit besaßen, in ihrer Freizeit zwischen und den Trainingseinheiten auf ihr Zimmer zu gehen und dort Videospiele zu zocken, schmiss Klopp auch diese Gewohnheit kurzerhand über Bord. „Ich möchte, dass die Jungs so viel wie möglich miteinander unternehmen und sich nicht nur beim Training sehen. Deshalb habe ich das Spielen auf den Zimmern verboten und stattdessen einen Entertainment-Room eingerichtet, in dem ein Kickertisch, eine Tischtennisplatte und mehrere Konsolen stehen“, wird der diplomierte Sportwissenschaftler allerdings nicht müde zu betonen, für Alternativen gesorgt zu haben. Von den Kickern scheinen diese Methoden angenommen zu werden, tummelten sich in den letzten beiden Abenden auffallend häufig größere schwarz-gelb gekleidete Grüppchen in den Aufenthaltsräumen des noblen Golfhotels.

Ob die neuen Regeln künftig bei allen längeren Zusammenkünften der BVB-Akteure gelten, ist trotzdem unwahrscheinlich. Sämtliche Änderungen sollen zunächst aufs Trainingslager beschränkt sein: „Vor Spielen geht es natürlich darum, dass die Jungs die bestmögliche Vorbereitung genießen können. Grundsätzlich gilt aber, dass man sich Privilegien erarbeiten muss. Wir starten hier einen kompletten Neuanfang, entsprechend muss man sich auch alte Vorteile wieder neu erkämpfen.“

Autor: Matthias Dersch

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