Im Zuge der Fusion des TSV Berge und des SC Westtünnen zum Hammer SC sprach RS mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer des Vereins, Kai Hegemann (44). Seit 1994 übte er diese Funktion bereits beim TSV Berge aus und redet hier über die Ziele des Vereins sowie die gesellschaftliche Veränderung im Breitensport.

Hamm: HSC-Geschäftsführer Kai Hegemann im Interview

"Oberstes Ziel ist der Spaß am Sport"

Christopher Weckwerth
10. Juli 2008, 20:14 Uhr

Im Zuge der Fusion des TSV Berge und des SC Westtünnen zum Hammer SC sprach RS mit dem hauptamtlichen Geschäftsführer des Vereins, Kai Hegemann (44). Seit 1994 übte er diese Funktion bereits beim TSV Berge aus und redet hier über die Ziele des Vereins sowie die gesellschaftliche Veränderung im Breitensport.

Herr Hegemann, wie schätzen Sie die Verschmelzung beider Vereine ein?

Wir freuen uns, einen guten Zusammenschluss von zwei gesunden Vereinen geschafft zu haben. Der SC Westtünnen hatte zuletzt Schwierigkeiten, ehrenamtlich geführt zu werden und ist dann an Berge herangetreten, wo schon seit längerer Zeit hauptamtlich gearbeitet wird.

Wann kam dieses Thema erstmals konkret auf?

Die ersten Gespräche wurden im April 2007 geführt, um klar zu kriegen, ob eine Zusammenarbeit überhaupt funktionieren kann. Denn wir hatten die Grundeinstellung, dass wir ein Breitensport-Verein sind und Geld lieber in Jugendförderung oder Infrastruktur stecken als in die Bezahlung von Spitzensportlern. Das steht so auch in der Satzung. Generell sind wir erst einmal die inhaltlichen Themen angegangen und haben uns erst zum Schluss mit Darstellungsaspekten wie der Namensgebung beschäftigt.

Spielten beim Zusammenschluss auch finanzielle Gründe eine Rolle?

Es waren auch vorher zwei solvente Vereine, aber die Zusammenlegung kann trotzdem ein Vorteil sein. Wichtiger war aber die Möglichkeit als ein einziger großer Verein fungieren zu können. In Zukunft wird das notwendig sein, weil die Mannschaftssportarten nur noch zehn Prozent des Angebots ausmachen. Dafür wächst der Breitensport, der hobbymäßig betrieben wird, das sind etwa 50 Prozent. Dazu kommt ein Punkt, mit dem vor 20 Jahren keiner gerechnet hätte: Gesundheitskurse nehmen heute 40 Prozent des Vereins in Anspruch - das ist eine neue Verantwortung, die kleine Vereine nicht stemmen können.

Was macht den HSC im Vergleich zu seinen Vorgängern aus?

Vor allem der sportliche Mehrwert durch die Zusammenlegung der Sportabteilungen und das vielfältigere Angebot. Vorher wurden viele Ressourcen verschwendet, die in einem großen Verein geradliniger genutzt werden können, zum Beispiel bei den Verbandsabgaben. Wir wollen die Identifikation und ein gutes Klima innerhalb des Clubs fördern.

Gab es auch kritische Stimmen zur geplanten Fusion?

Die beiden Jahreshauptversammlungen, bei denen darüber abgestimmt wurde, verliefen gut. In Westtünnen stimmten gerade mal acht von 240 Anwesenden dagegen, in Berge gab es nur drei Enthaltungen. Aber ich will auch nicht verhehlen, dass es einen gewissen Prozentsatz gibt, der nicht damit einverstanden ist. Wir können nicht alle so weit kriegen, dass sie sagen "toll und klasse". Wir haben jetzt eine Phase von etwa zwei Jahren vor uns, um zu sehen, wie unsere Pläne angenommen werden. Es gab aber während des ganzen Prozesses keine Opposition und auch keine Klagen. Allerdings gibt es mittlerweile so etwas wie eine Neid-Debatte bei den anderen Vereinen gegenüber dem HSC, obwohl wir überhaupt keine Expansionspläne verfolgen.

Gibt es schon sportliche Ambitionen, zum Beispiel im Bereich Fußball?

Da müssen wir jetzt erstmal die neue erste Mannschaft etablieren (der Trainer und 15 Spieler sind gegangen, Anm. d. Red.) und setzen uns je nach Entwicklung in zwei Jahren vielleicht höhere Ziele. Wir haben dabei ja den Vorteil, dass wir nicht auf den Fußball fixiert sind. Bei uns ist der Fußball eine von 14 gleichberechtigten Abteilungen, nicht mehr und nicht weniger.

Wie wollen Sie der sozialen Verantwortung als Hamms größter Verein gerecht werden?

2.100 unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Auf die haben wir Zugriff, sie lernen hier sich unterzuordnen und wie man sich in einer Gruppe verhält. Leider werden wir von der Stadt dabei kaum gefördert, da befinden wir uns in Gesprächen. Neben dem Sportprogramm bieten wir Ferienfreizeiten und Betreuungsangebote für jede Generation an. Unser offener Sportpark bietet zusätzliche Möglichkeiten zur Entfaltung. Zudem sind wir stark im Behindertensport engagiert - wir bekommen jetzt unter anderem eine Rollstuhl-Basketball-Mannschaft. Insgesamt sehen wir die Integration als Aufgabe eines Vereins an. Ohne die Abteilungen hervorzuheben, nehmen auch Behinderte am Vereinsleben teil. Unser oberstes Ziel ist dabei immer der Spaß am Sport.

Autor: Christopher Weckwerth

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