David Czyszczon ist ein sehr freundlicher Mensch, der die Leute mit Höflichkeit behandelt.

RWE: Telefonat mit Lottes Trainer Manfred Wölpper

„Karren wieder flott machen“

Oliver Gerulat
10. Juli 2008, 18:06 Uhr

David Czyszczon ist ein sehr freundlicher Mensch, der die Leute mit Höflichkeit behandelt.

Auch nach Niederlagen sucht er nicht das Weite, sondern steht für Aussagen zur Verfügung. Aktuell gibt es keine Niederlagen. Jedenfalls keine, wie die im Endspiel des Halleluja-Cups gegen Wattenscheid, die um den Schlaf bringen. „Bisher ist das sehr positiv, die Jungs ziehen gut mit, es wird super intensiv gearbeitet. Wir freuen uns auf die neue Spielzeit, auf die Herausforderung“, bilanziert der 1,94 Meter-Mann die ersten knapp eineinhalb Wochen der Vorbereitung.

So dass keine negativen Gedanken über den Abstieg mehr zugelassen werden. Der Ex-Wanne-Eickeler: „Ich brauchte schon zwei oder drei Wochen, um den Frust zu verarbeiten, aber das ist jetzt alles anders, wir gehen wieder optimistisch an die Sache heran.“ Was auch notwendig ist. Czyszczon: „Wenn ich zurückblicke, dann würde ich mich ja immer wieder ärgern, deshalb lasse ich das auch, ich sehe nur nach vorne.“ Zum Beispiel bis zum vielleicht ersten aussagekräftigen Probelauf gegen den rumänischen Erstligisten Farul Constanta am kommenden Samstag.

Wenn man dem Training von Coach Michael Kulm beiwohnt, hört man Czyszczon über den gesamten Platz. „Es ist sehr wichtig, dass die älteren Akteure die Youngster führen, wir haben nun einmal eine sehr junge Truppe. Ich habe auch schon in der vergangenen Spielzeit versucht, möglichst viel zu sprechen, vielleicht hat man es damals nicht so vernommen.“

Wenn er von den Kollegen gerufen wird, gibt es nur einen Begriff: „Langer“. Das polnische Wort dafür lautet „Dlugi“, das Czyszczon grinsend und prompt liefert. Seine Frau heißt Ewa, sie nennt ihn allerdings nicht so. „Ich höre selbstverständlich auch auf David, meine Frau ruft mich so, dazu auch Schatz.“ Das macht sie exklusiv.

Die Konkurrenten der Klasse werden schon analysiert. „Selbstverständlich habe ich die Gegner im Blick. Ich habe beim VfL Bochum in der Oberliga agiert, das war auch vierte Klasse. Man kennt einige Teams noch.“ Vor allen Dingen kennt Czyszczon Manfred Wölpper, der ihn beim VfL-Unterbau jahrelang trainierte, jetzt Coach in Lotte ist: Das ist der erste Widersacher von RWE in der neuen Spielzeit. „Wir hatten ein gutes Verhältnis, nichtsdestotrotz werden wir die Punkte mitnehmen.“

Also ist die Beziehung spätestens nach den 90 Minuten gestört. „Wir haben im Vorfeld schon ein Mal telefoniert“, erklärt der Defensivmann schmunzelnd, der sich sicherlich nicht aushorchen ließ. Czyszczon: „Lotte ist heiß, dort freut man sich darauf, uns als ersten Konkurrenten bekommen zu haben.“

Die Freude soll nur bis zum Anpfiff da sein, danach nie wieder auftreten. Alleine schon für das empfindliche Essener Umfeld. „Die Stimmung ist auch bei den Fans wieder besser, wir haben ja schließlich tolle Neuzugänge“, hat der 26-Jährige in dieser Richtung bereits vorgefühlt. Die Jagdszenen nach dem Abpfiff des letzten Meisterschaftsmatches zuhause gegen Lübeck will der fünffache Zweitligaspieler nicht wieder durchmachen. „So was habe ich noch nicht erlebt. Allerdings darf man das nicht verallgemeinern, das waren einige wenige. Auch wenn das richtig heftig war.“

Er und noch weitere Akteure sind noch da. Mit einigem Grund. Czyszczon: „Die Jungs, die geblieben sind, wollen mit den anderen den Karren wieder flott machen, das werden wir auch schaffen.“

Autor: Oliver Gerulat

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