Wenn am 1. Juli die Saison 2008/2009 offiziell startet, fehlt in der Wittener Fußballszene ein Name: Der SV Vormholz nimmt nicht mehr am Spielbetrieb teil.

Witten: SV Vormholz

Nach 27 Jahren ist Fußball Geschichte

Felix Guth
30. Juni 2008, 21:07 Uhr

Wenn am 1. Juli die Saison 2008/2009 offiziell startet, fehlt in der Wittener Fußballszene ein Name: Der SV Vormholz nimmt nicht mehr am Spielbetrieb teil.

Hinter dem Kreisligisten vom Stadtrand liegt ein Niedergang in Raten. Nach 27 Jahren zwischen A- und C-Klasse fehlte das Geld.

"Jetzt wieder eine Mannschaft aufzubauen, wäre ein viel zu großer Kraftakt gewesen. Es war an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen", sagt Geschäftsführer Günther Hillwig. Anfang Juni sei sich der Vorstand darüber einig geworden, nicht mehr weiterzumachen. Von den 21 Spielern, die in der abgelaufenen C-Liga-Saison mit Vormholz Platz fünf erreichten, sagte gut die Hälfte ihr Mitwirken für die kommende Saison ab. "Dabei sind wir schon im vergangenen Jahr teilweise mit zehn Spielern angetreten", sagt Hillwig.

Letztlich entschied sich das Schicksal der Wittener Vorstädter aber nicht in den zurückliegenden Monaten. Die extreme geografische Außenlage von Witten in unmittelbarer Nachbarschaft zur Vorort-Größe SV Herbede machte das Überleben unmöglich. "Es ist für so einen kleinen Verein kaum möglich, Sponsoren zu finden", meint Hillwig.

Der Verein wird weiter bestehen, in dem kleinen Stadtteil bietet der SV viele weitere Sportarten an. Nur Fußball steht vorerst nicht mehr auf dem Plan.

Einige Stationen des Niedergangs:

1971: Gründung des SV Vormholz. In den ersten Jahrzehnten pendelt der Club zwischen B- und C-Kreisliga.

Die 90er Jahre: Der SVV ist mittlerweile eine feste Größe im Wittener Fußball. Unter Trainer Dirk Dziekanski - heute erster Vorsitzender - gelingt erstmals der Aufstieg in die Kreisliga A, wo sich der Club aber nur kurze Zeit hält. Zu dieser Zeit spielen lokale Kicker-Größen wie Frank Roth (SV Herbede) im Vormholzer Trikot.

2000: "Damals schwelte es schon", erinnert sich Günther Hillwig. Der Verein hat zu diesem Zeitpunkt 380 Mitglieder, steht aber nach dem Abstieg in die Kreisliga C vor dem sportlichen Aus. Mit vereinten Kräften erhalten die Verantwortlichen den Spielbetrieb aber aufrecht.

Im gleichen Jahr erlebt Vormholz einen Höhepunkt: Die A-Jugend trifft im Pokal auf den VfL Bochum. Mehrere hundert Zuschauer sehen das Spiel, der Vormholzer Nachwuchs verliert gegen Paul Freier & Co "nur" 1:5.

2004: Wieder ist der Verein nach einem kurzen B-Liga-Intermezzo in der untersten Liga angekommen. Zahlreiche alteingesessene Spieler verlieren die Lust auf den Verein, wieder droht das Aus. Doch die "junge Generation" springt ein und rettet den SVV wieder einmal vor dem Absturz.

Bei der Stadtmeisterschaft im Sommer 2004 überrascht das Team als Gastgeber und zieht in die Hauptrunde ein.

2006: In Vormholz reifen Fusionspläne mit dem Nachbarn SF Durchholz, nur einige Wald-Kilometer entfernt. Doch der geografisch und sportlich logische Zusammenschluss scheitert am Widerstand einzelner Mitglieder auf beiden Seiten.

Wie sich zwei Jahre später zeigt, verspielt der SV Vormholz hier seine letzte Chance auf ein dauerhaftes Überleben.

Autor: Felix Guth

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