Die Erfahrungen der letzten Wochen müssen Said Daftari wie Geschichten aus 1.001 Nacht vorgekommen sein. Da wäre zunächst sein märchenhafter Aufstieg vom KFC Uerdingen bis zur Nationalmannschaft Afghanistans. Im Rahmen der Südasien-Meisterschaft feierte er in Sri Lanka sein Debüt für die Heimat seiner Eltern.

Uerdingen: Daftaris Erlebnisse aus 1.001 Nacht

Warten aufs Happy End

gri
27. Juni 2008, 10:39 Uhr

Die Erfahrungen der letzten Wochen müssen Said Daftari wie Geschichten aus 1.001 Nacht vorgekommen sein. Da wäre zunächst sein märchenhafter Aufstieg vom KFC Uerdingen bis zur Nationalmannschaft Afghanistans. Im Rahmen der Südasien-Meisterschaft feierte er in Sri Lanka sein Debüt für die Heimat seiner Eltern.

"Als vor dem ersten Match die Nationalhymne gespielt wurde, war das ein heftig emotionaler Moment", berichtet der gebürtige Bergisch Gladbacher. Fürs Überstehen der Gruppenphase reichte es trotzdem nicht: Nach dem 2:2-Unentschieden vor 14.000 Zuschauern gegen die Gastgeber und gegen Bangladesh setzte es eine bittere 1:3-Klatsche gegen Bhutan. "Das war eine Grotten-Truppe, daher war das Ausscheiden umso bitterer", bemerkt Daftari.

Während es den Großteil seiner Mitspieler aufgrund der vorher gebuchten Tickets weiter zur Hauptrunde auf die Malediven zog, jettete der 25-Jährige zurück nach Deutschland. Mit im Gepäck: Seine Vorlage zum 2:1 gegen Sri Lanka per doppeltem Doppelpass (zu sehen auf YouTube) und unzählige neue Eindrücke. "Es wurde ein ganz anderer Fußball als in Europa gespielt. Eigentlich hätte ich nach 25 Minuten schon fünf Rote Karten gesehen", erklärt Daftari augenzwinkernd. Weniger heiter ist die Tatsache, dass es während seines Aufenthalts gleich zwei Bombenanschläge in Colombo gab. "Das waren schon komische Bedingungen, meine Eltern haben sich richtig Sorgen gemacht", berichtet der Allrounder.

Wohl wissend, dass Vater Farid und Mutter Soraya mächtig stolz auf ihn sind. Die hoffen nun, dass das Abenteuer ihres Sohnes nichts einmaliges war. Nach dem Aus trat der deutsche Trainer Klaus Stärk zurück, zudem lief die finanzielle und organisatorische Unterstützung des DFB inzwischen aus. "Man muss schauen, ob der afghanische Verband künftig für die Flugkosten der Deutschland-Legionäre aufkommen kann", bemerkt Daftari.

Wohl wissend, dass es noch eine andere Unsicherheit gibt, die an ein böses Märchen erinnert. Vor seinem Abflug einigte sich der Besitzer eines Mobilfunk-Shops in Düsseldorf mit dem KFC-Vorsitzenden Lakis auf eine Vertrags-Verlängerung. Einzige Bedingung: Der afghanische Verband sollte grünes Licht für weitere Nominierungen geben, da man eigentlich nur Akteure aus den ersten fünf Ligen einlädt. "Mündlich war mit Herrn Lakis alles klar, ich hatte sogar schon einen Vertrag vorliegen. Aber nach meiner Rückkehr wurde plötzlich behauptet, ich hätte pokern wollen. Und weil man nun andere Akteure für meine Position geholt hätte, könnte man mir nur ein deutlich niedrigeres Angebot machen", berichtet Daftari.

Der übt sich trotz des Wortbruchs in Zurückhaltung: "Auch wenn ich nur ein Jahr an der Grotenburg war, ist mir der KFC richtig ans Herz gewachsen. Ich wäre unheimlich gerne geblieben." Doch nun wird es anders kommen, erste Anfragen aus der NRW-Liga liegen bereits vor. "Ich hoffe, dass ich bald Klarheit habe", betont der frühere Speldorfer. Schließlich haben die schönsten Geschichten auch immer ein Happy End.

Autor: gri

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