Während die TUSEM-Spieler das Saisonende herbei sehnten, graut Tim Scheuvens regelmäßig vor dem Abschluss. Denn wenn die Akteure die Platte verlassen, beginnt für ihn die Drecksarbeit – im wahrsten Sinne des Wortes. Seit fünf Jahren verlegt der Sportstudent den Boden für die Heimspiele der Essener.

TUSEM: Gutes Pflaster dank Scheuvens

Der Verleger

23. Juni 2008, 20:17 Uhr

Während die TUSEM-Spieler das Saisonende herbei sehnten, graut Tim Scheuvens regelmäßig vor dem Abschluss. Denn wenn die Akteure die Platte verlassen, beginnt für ihn die Drecksarbeit – im wahrsten Sinne des Wortes. Seit fünf Jahren verlegt der Sportstudent den Boden für die Heimspiele der Essener.

Zwei Stunden aufdecken, zwei Stunden abtragen – und zum Abschluss der Serie fünf Stunden reinigen. "Wir sitzen mit fünf bis sechs Leuten daran. Aber in der Bundesliga fällt es einem leichter", grinst Scheuvens.

Der ist mittlerweile zum echten Anhänger gereift, nicht nur, weil er mit Ben Schütte und dem Sportlichen Leiter Stephan Krebietke gleich zwei prominente (Ex-)Kommilitonen an der Ruhr-Uni Bochum vorweisen kann. "Es ist doch klar, dass man mit der Zeit Fan wird", betont der 25-Jährige.

Seit 1998 verlegt er für die Firma seines Onkels Klaus Kottwitz die Böden und war schon für Großwallstadt, Kiel, Düsseldorf und beim Final Four in Hamburg tätig. "Für die Zuschauer ist der Boden angenehmer, gerade fürs Fernsehpublikum", erklärt Scheuvens die rege Nachfrage. Für die Akteure ändert sich hingegen wenig – bis auf die Tatsache, dass die unnötigen Linien und Markierungen der Mehrzweckhallen wegfallen. „Die spielen auch lieber auf einem richtigen Untergrund, weil es übersichtlicher ist“, betont Scheuvens.

Den Fortschritt des Handballs bekommt allerdings auch sein Onkel zu spüren. Als Kottwitz 1980 ins Geschäft einstieg, reiste er mit dem offiziellen DHB-Boden durch Deutschland und verlegte ihn leihweise. Die Pionier-Jahre sind lange vorbei, im Zeitalter der modernen Arenen besitzen die meisten Clubs ihren eigenen Untergrund. „Bei guter Pflege hält so ein Pflaster Jahrzehnte“, berichtet Scheuvens.

Ob das aktuelle TUSEM-Geläuf angesichts der langen Lebensdauer noch einmal Europapokal-Abende erleben wird? Das mag der Student nicht prognostizieren – er ist schon froh, dass die Regionalliga hinter ihm liegt. Damals, in der Saison 2005/06, war an der Margarethenhöhe vieles gefragt, nur keine Ausgaben für Schönheits-Korrekturen. „Zum Glück dauerte die Pause nur ein Jahr“, schnauft Scheuvens durch.

So kann er die Handball-Tradition der Familie weiter hochhalten. Sein Cousin Andreas Kottwitz hat in der Jugend des OSC Rheinhausen mit Daniel Stephan zusammengespielt und schaffte später sogar den Sprung in die Bundesliga. Mittlerweile kann Scheuvens ebenfalls eine beachtliche an Einsätzen im Oberhaus vorweisen, wenn auch in anderer Funktion.

Seine hauptberufliche Zukunft sieht er dennoch woanders: „Nach dem Studium will ich administrative Aufgaben im Sport-Bereich übernehmen, am liebsten im Fußball oder Tennis.“ Und falls nicht, gibt es immer noch genügend Böden zu verlegen…

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