Bereits nach dem letzten Wochenende machten Gerüchte die Runde, nun ist es offiziell: Der VfB Essen-Nord zieht seine erste Mannschaft vom laufenden Spielbetrieb der Bezirksliga 4 zurück. Revierkick.de sprach mit VfB-Geschäftsführer Marian Chacinski über Gründe für den Rückzug, Zukunftsperspektiven und den Masterplan Sport.

Im Interview: Marian Chacinski (Geschäftsführer VfB Essen-Nord)

"Ich sehe keine Perspektive mehr"

Aaron Knopp
26. Oktober 2006, 21:19 Uhr

Bereits nach dem letzten Wochenende machten Gerüchte die Runde, nun ist es offiziell: Der VfB Essen-Nord zieht seine erste Mannschaft vom laufenden Spielbetrieb der Bezirksliga 4 zurück. Revierkick.de sprach mit VfB-Geschäftsführer Marian Chacinski über Gründe für den Rückzug, Zukunftsperspektiven und den Masterplan Sport.

revierkick.de:Sie haben die erste Mannschaft des VfB Essen-Nord vom Spielbetrieb zurückgezogen. Wie kam es dazu?
Marian Chacinski (Geschäftsführer VfB Essen-Nord): "Der Masterplan Sport will uns zur Sportanlage Seumannstraße verfrachten. Das wollten viele Spieler nicht mitmachen. Wir haben dort noch nicht einmal eine Unterstellmöglichkeit oder beheizte Umkleideräume. Deshalb haben mehrere Spieler ihren Weggang zur Winterpause angekündigt. Außerdem sind noch einige Leistungsträger verletzt, so dass ich letztlich keine Perspektive mehr gesehen habe."

revierkick.de: Was kritisieren Sie konkret am Masterplan?

Chacinski: "Wenn Herr Hülsmann als Verantwortlicher für den Masterplan in seiner impertinenten, arroganten Art 7,5 Millionen für den Neubau eines Zweitliga-Stadions einplant und gleichzeitig neun Sportanlagen schließen will, empfinde ich das als Frechheit. Mir geht es nicht um den Vfb Essen-Nord alleine. Aber wenn Rot-Weiß Essen wieder absteigt und mit der Straßenbahn zum nächsten Auswärtsspiel fahren kann, fehlen den Kindern noch immer die Sportplätze. Wenn ich zum Beispiel arbeitslos würde, könnte ich nicht weiter meinen Hobbys frönen. Dann muss die ganze Familie zusammenrücken."

revierkick.de: Sie wären also mit einem „Zusammenrücken“ der Essener Sportvereine grundsätzlich einverstanden?

Chacinski: "Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass gespart werden muss. Aber die jetzige Situation ist das Ergebnis jahrzehntelanger Fehlplanung. Zum Beispiel ist die Betriebssportanlage Überruhr ständig leer. Die hätte man schon lange einem Vereine zuweisen müssen. Außerdem sind die veranschlagten Zahlen im Masterplan schlichtweg falsch. Da sind unter anderem 60 000 Euro für die Sanierung der Sanitäranlagen des TC Freisenbruch veranschlagt, dabei ist das schon längst geschehen – ich kenne die Anlage seit meiner Jugend. Der gesamte Plan basiert auf falschen Zahlen."

revierkick.de: Welche Perspektiven sehen Sie nun für den VfB Essen-Nord?

Chacinski:: "Ich habe den Verein mit 47 000 DM Schulden übernommen. Nach 1 ¾ Jahr waren die Schulden getilgt. Man hat hier vieles geschafft, Ausländer integriert, den Aufstieg und Klassenerhalt in der Bezirksliga, aber ich werde nach dieser Saison nicht weitermachen. Ich habe schon länger meinen Abschied geplant, mich aber immer wieder zum Weitermachen überreden lassen. Jetzt ist aber Schluss für mich. Am Ende der Saison übergebe ich den Verein bei Null, lege sogar noch 1000 Euro drauf. Vielleicht hat ja eine Freizeitligamannschaft Lust, in der Kreisliga A zu starten. Ich sehe hier keine Perspektive mehr. Ich habe auch schon einige Angebote anderer Vereine, aber erstmal mache ich nirgendwo anders mit."

Autor: Aaron Knopp

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